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2 (1914)
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XVI. Die ätherischen Öle.

In vielen Pflanzen und Früchten sind eigentümlich riechendeStoffe enthalten, die mit Wasserdämpfen leicht flüchtig sind.Ihrer Flüchtigkeit wegen bezeichnet man sie alsätherische öle",doch haben sie ihrer Zusammensetzung nach mit den ölen undFetten, die, wie wir wissen, Qlyzerinester der Fettsäuren sind,nichts gemein. Die Bezeichnung alsöl" stammt nur daher,weil sie bei gewöhnlicher Temperatur flüssig sind und dann gewisseäußere Eigenschaften mit den ölen teilen. Sie verursachen, aufPapier getropft, einen durchscheinenden Fleck, der einem Ölfleckähnlich sieht, sich von einem solchen aber dadurch unterscheidet,daß er nach und nach von selbst aus dem Papiere verschwindet.Denn die ätherischen öle sind, trotz ihrer meist ziemlich hochliegenden Siedepunkte, auch schon bei gewöhnlicher Temperaturflüchtig, während durch wirkliches Öl hervorgerufene Flecke auchdurch Erwärmen nicht vergehen.

Die ätherischen Öle verdanken ihre Anwendung zu technischenZwecken vor allem zwei Eigenschaften: der Flüchtigkeit und demWohlgeruche, der allerdings zumeist erst nach entsprechendstarker Verdünnung hervortritt. Bemerkenswert ist, daß es dersynthetischen Chemie gelang, zahlreiche der in den ätherischenölen enthaltenen Riechstoffe darzustellen, gewissermaßen dasriechende Prinzip zu isoHeren. Davon wird im folgenden Abschnittedie Rede sein. Hier sei nur bemerkt, daß die meisten ätherischenöle Gemenge mehrerer riechender Stoffe sind und sich demnachweit geringer durch ihre chemischen, als durch gewisse physikalischeEigenschaften, wie den Siede- und Erstarrungspunkt, das Drehungs-vermögen etc. definieren lassen. Die wichtigste Anwendung findendie ätherischen öle in der Parfümerie- oder Riechstoffabrikationund zur Bereitung von Likören.

i. Eigenschaften und Verfälschung der ätherischen Öle.

Wie erwähnt, bestehen die ätherischen öle nicht aus einheit-lichen Körpern, sondern zumeist aus verschiedenen Verbindungen,unter denen wir Vertreter der verschiedensten Körperklassenfinden. Es lassen sich Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Äther, Ester,Aldehyde, Ketone, Säuren, Basen usf. nachweisen, einzelne sindstickstoffhaltig, andere enthalten Schwefel usf. Gerade dieseMannigfaltigkeit der Zusammensetzung und das Vorhandensein

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