Druckschrift 
2 (1914)
Entstehung
Seite
483
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Die synthetischen Arzneimittel.

Präparate geschaffen werden konnten, wie beispielsweise die Über-tragung des sog. Salolprinzipes auf die Kohlensäure vom ätzendenGuajacol zum milden Duotal und Creosotal (Seifert) führte undspäter es ermöglichte, im Euchinin (Weller) und Aristochin (FritzHofmann) das Chinin seiner Bitterkeit zu entkleiden.

Bald gab die Aufdeckung von unvorhergesehenen Wirkungeneines Produktes Anhaltspunkte für die Weiterarbeit, wie beispiels-weise die Feststellung, daß das angeblich künstliche SperminMajerts, das Piperazin, nicht Spermin, sondern Äthylendiaminsei und stark harnsäurelösende Eigenschaften besitze, zur Dar-stellung des Lysidins (Liebreich), des Lyzetols (Strömer), des Uro-tropins (Nicolaier), und später des Citarins und Hetmitols (Eichen-grün und Berendes) geführt hat.

Sehr wichtig und sehr erfolgreich waren die Bestrebungen,unerwünschte physikalische oder physiologische Eigenschaftenzu beseitigen und aus unbrauchbaren chemischen Produktenwertvolle Arzneimittel zu machen.

Bahnbrechend war in dieser Hinsicht das Tannigen (Meyer),bei dem durch einfache Azetylierung die Wirkung des Tanninsauf die Magenwände aufgehoben und ein wertvolles Darm-adstringens geschaffen wurde, welches alsdann zur Herstellungeiner großen Reihe ähnlicher Präparate, des Tannoforms, desTannalbins, des Tanocols, des Tannons usw. Anlaß gab, beiwelchem auf anderem Wege durch Bindung an Albumin, anGelatine, durch Kondensation mit Formaldehyd ebenfalls unlös-liche Körper unter Erhaltung der Tanninwirkung geschaffenwurden.

Umgekehrt gelang es, im Diuretin, in Uropherin und späterim Agurin das schwer lösliche Theobromin durch Überführungin Doppelsalze in eine leicht lösliche Form überzuführen undin seiner Wirkung wesentlich zu verstärken, ein Vorgang, derin der Folge zu Synthesen führte, bei welchen auch auf andereWeise, wie beispielsweise durch Einführung von Säuregruppen,Aminoalkoholen usw., Wasserlöslichkeit schwer löslicher unddeshalb ungenügend wirksamer Körper herbeigeführt wurde.

Wieder andere Versuche richteten sich darauf, an sich un-lösliche, aber in alkalischen Medien, also auch in dem Wund-sekret lösliche Verbindungen in schwerer lösliche und infolge-dessen weniger reizende und langsamer resorbierbare Form über-zuführen.

483 —

81*