Die synthetischen Arzneimittel.
gischen Eigenschaften gewissermaßen gegeneinander abgestimmteStufen der gleichen therapeutischen Grundwirkimg dar.
Ein prägnantes Beispiel hierfür bietet die Unzahl der durcheinfache Halogenisierung hergestellten Jod- und Brompräparate,bei denen die chemische Synthese auf denkbar einfachsten undaltbekannten, zum Teil vollkommen übereinstimmenden Verfahrenberuhte, und auch die Wirkung stets eine einfache Jod- undBromwirkung war. Und doch wie groß ist der Unterschied derzur Bindung der Halogene benutzten Grundstoffe. Wie ver-schiedenartig diese Bindung selbst. Wie ungleichmäßig ihreSpaltungsgeschwindigkeit. Wie verschieden ihr Verhalten imOrganismus. Wie wenig haben Jodoform, Aristol und Isoformmiteinander gemein in beziig auf ihre Wirkungsweise. Wie ver-schieden ist das Verhalten des Jodipins, des Jodeigons, des Jod-thions und des Sajodins, ihre Indikation und die Art ihrer An-wendungsweise!
Gerade die Anwendungsweise spielt eben in der modernenTherapie eine sehr große Rolle, denn von ihr ist häufig die Wirkungdes Medikamentes vollkommen abhängig. Was nützt das besteAntiseptikum, wenn es durch das Körpereiweiß gebunden, d. h.unwirksam gemacht wird! Was das beste Gichtmittel, wenn eszu Kohlensäure verbrannt wird, ehe es seine harnsäurelösendenEigenschaften entfalten konnte. Was das beste Styptikum, wennes die Schleimhäute anätzt und verschorft! Was das beste Seda-tivum, wenn es in kürzester Zeit schon wieder ausgeschieden wird!
Hier war dem synthetischen Chemiker ein reiches Arbeits-feld geboten, nicht nur in bezug auf die Aufhebung unerwünschter,die Erteilung wünschenswerter Eigenschaften, auf die Regelungder Spaltung und Resorptionsverhältnisse, sondern auch in bezugauf die Darreichungsweise, durch die das Medikament möglichstnahe an den Ort minoris resistentiae, an den Krankheitsherdherangebracht oder anderseits verhindert werden sollte, daßes am Krankheitsherde selbst durch die Körpersekrete ausgefällt,gebunden oder sonstwie unwirksam gemacht würde.
Typisch in dieser Beziehung sind die modernen Silber-präparate, das Argonin (Liebrecht), das Protargol (Eichengrün),in der Pharmakopoe neuerdings als Argentum proteinicum be-zeichnet, das Largin (das Protalbinsilber Lilienfelds), das Albargin(Liebrecht), das Argentamin (A. Schmidt), das Argyrol (Barnes),das Nargol (Schwickerath) u. a., bei welchen nicht nur die Reiz-wirkung des Silbers auf die Schleimhäute vermindert oder auf-
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