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Sie zeigen sich vielmehr erst beim langjährigen Gebrauche,wie dies beim Pyramidon der Fall ist, welches fast zehn Jahre langunbeachtet geblieben ist und erst nach allmählicher Erkenntnisseiner spezifischen Wirkungsweise heute seine Muttersubstanz,das Antipyrin, an Bedeutung weit überflügelt hat.
Sie zeigen sich anderseits nicht bei der Prüfung durchden Kliniker, sondern erst in der allgemeinen Praxis des Haus-arztes. So beim Aspirin, von dem weder der Chemiker, noch derPharmakologe etwas mehr als eine milde Salizylwirkung erhoffthatte, und welches sich als ein Universalheilmittel par excellence,als ein Schmerzstiller ohnegleichen erwiesen hat, ohne daß wirheute auch nur die geringste Erklärung für diese abnorme Wirkungeiner einfachen Azetylierung hätten, die sich in ihrem vollenUmfange erst in langjähriger, vielseitiger Anwendung gezeigt hat.
Sie zeigen sich vor allem da, wo ein Präparat nicht auf diespeziellen Krankheitssymptome und den Krankheitsverlauf,sondern im wesentlichen auf den Allgemeinzustand, auf dieNahrungsaufnahme, auf das subjektive Wohlbefinden einwirkt,wie dies beispielsweise bei den ursprünglich als Antiphtisicagedachten Guajacol-Derivaten Thiocol und Sirolin der Fall ist,die ihrer chemischen Konstitution nach vom pharmakologischenStandpunkte aus als vollkommen wertlos hätten betrachtetwerden müssen.
So kam es, daß die Pharmakologie sich mehr und mehr aufdie Prüfung des durch die Synthese Geschaffenen, auf die Fest-stellung seiner Wirkungen und Nebenwirkungen beschränkte,und daß die weitere Entwicklung der Arzneimittelsynthese imwesentlichen nicht auf Theorie, sondern auf Empirie beruhte,wobei die anfangs einheitlichen Wege sich immer mehr und mehrverzweigten, je nachdem sie von chemischen Gesichtspunktenoder von solchen medizinischer Natur ausgingen.
Bald war es ein neu entdecktes oder vor allem ein neuerdingstechnisch zugänglich gemachtes Ausgangsprodukt, wie das syn-thetische Guajacol, der auf billigem Wege gewonnene Formaldehyd,das fabrikationsmäßig hergestellte Phosgen, welche zur Herstellungvon Derivaten einluden.
Bald eine neu auftauchende Reaktion, ein wissenschaftlicherFortschritt auf ganz anderem Gebiete chemischer Forschung,der auf die pharmazeutische Synthese übertragen wurde.
Bald zeigte das besondere Verhalten eines Mittels den Weg,auf welchem neue oft ganz anderen Wirkungsbereichen angehörige
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