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2 (1914)
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481
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So erwies sich beispielsweise Sulfonal als ein ausgezeichnetesSchlafmittel für Hunde, während diese Wirkung bei Pferden,Rindern und Schafen vollkommen versagte; Mensch und Hund sindgegen Atropin außerordentlich empfindlich, Huhn und Kaninchenfast unempfindlich usw.

Angesichts solcher Unterschiede in der Wirkungsweise derArzneimittel auf relativ einander nahestehende Tiergattungenwar es selbstverständlich, daß die am Tiere gemachten pharmako-logischen Erfahrungen nur in wenigen Fällen auf den Menschenzu übertragen waren, ganz abgesehen davon, daß naturgemäßeine ganze Reihe von gewollten oder erwünschten Wirkungenbeim Tierversuch überhaupt nicht festgestellt werden konnten,da die Tiere ja nicht in der Lage waren, sich über ihr subjektivesund objektives Wohlbefinden selbst zu äußern.

Wenn es auch inzwischen gelungen ist, eine außerordentlichgroße Anzahl von Wechselbeziehungen zwischen chemischerKonstitution und physiologischer Wirkung — sowohl bezüglichderen Stärke als hinsichtlich ihrer Qualität — festzustellen, wennsich inzwischen unsere Kenntnisse über das Verhalten chemischerKörper im Organismus und ihren Abbau in demselben erheblicherweitert haben, wenn auch inzwischen, wie beispielsweise durchdie epochemachenden Versuche Ehrlichs über die Verwandtschaftgewisser Farbstoffe zu den sensiblen und sensorischen Nerven,über die „Ausschüttung" von Farbstoffen und Alkaloiden durchgewisse Nervensubstanzen, mancher Lichtstrahl in das Dunkelder im Innern des Körpers sich abspielenden Vorgänge gefallenist, so müssen wir doch sagen, daß wir auch heute noch von derAufstellung eines allgemeinen Gesetzes der Arzneiwirkung weit ent-fernt sind.

Die Pharmakologie hat uns eine Summe von Material, vonwertvollem, unschätzbarem Material geliefert, die synthetischenArbeiten gefördert, die Wertung des Geschaffenen erleichtert undermöglicht, Fehlgriffe aufgeklärt und Gefahren verhütet. Sie isteine für die Arzneimittelsynthese unentbehrliche Hilfswissenschaftgeworden, aber sie hat es nicht vermocht, so wie man damalshoffte, Führerin zu werden und den Weg zu weisen, den die syn-thetische Arbeit zu nehmen hatte. Dies um so weniger, als geradedie eklatantesten, die wertvollsten Eigenschaften sich manchmalnicht aus den Konstitutionsformeln schließen, nicht auf Grunddes Tierversuches voraussagen, ja nicht einmal in der erstenklinischen Prüfung feststellen lassen.

B e r s c h, Technologie

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