Nicmeyer.
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I Die Erziehung kann nur entwickeln und bilden, nicht schaffen; 2. sie achtet die Eigen-tümlichkeit des Zöglings; 3. der ganze Mensch ist Gegenstand der Erziehung; 4. höchsterund letzter Zweck derselben ist, das Menschliche (Humanität) im Menschen so voll-Kcuimeii auszubilden, als es bei jedem einzelnen möglich ist; der Erziehung für be-sondere Bestimmungen geschieht dadurch in keiner Weise Abbruch; 5. das absolutetztczulativ für alle Zwecke der Erziehung ist das sittlich Gute, wie es die Moral alsdas Höchste Gut darstellt. Hiemit ergeben sicki dann die pädagogischen Maximen:1. wecke und bilde jede dem Zögling als Menschen und als Individuum gegebene An-lage und Fähigkeit; 2. bringe Einheit und Harmonie in die Ausbildung jener An-lagen und Fähigkeiten durch deutliche Vorstellungen von ihrer naturgemäßen Bestimmunglnnd ihrem gegenseitigen Verhältnisse; 3. richte die erweckte Kraft auf alles, was--der Vernunft als des Menschen würdig erscheint, durch jedes Mittel, das mit den! Rechten des Zöglings als Vernunftwesens verträglich ist; 4. die Harmonie der Frei-heit mit der Vernunft laß dein höchstes Ziel sein, weil auf ihr der sittliche, folglichauch der unbedingte und höchste Werth des Menschen beruht. Dies sind die allge-meinen Principicn des Werkes. Was gründliche Beobachtung, gewissenhafte Prüfung,jgcsmides und besonnenes Urtheil, gepaart mit formalem Geschick, ausgebrcitetem Wissen,jiint einer fünfzigjährigen pädagogischen Erfahrung zusammen zu leisten vermögen, hatR. ausgebotcn, um sein Werk zu einer Fundgrube pädagogischer Schätze zu machen.Mini die eklektische Haltung wohl in manchen Stücken der wissenschaftlichen undsystematischen Form desselben Eintrag thut, so verdient doch das formale Talent, wo-" m er das immense Material der Erfahrung systematisch geordnet und bis ins kleinsteetail verwendet hat, große Anerkennung. Dabei weit entfernt, in seinem Eklekticismnsarakterlos zu sein, hatte er in seinen allgemeinen Grundsätzen und Maximen dem-lben eine feste psychologisch-philosophische Basis gewonnen, welche ihm zugleich die vollstereihest sicherte für Aneignung des Bewährten, wie für Vermeidung des Verfehltenin dm pädagogischen Systemen der Vergangenheit und Gegenwart. — Was dem Buchcch besonderen Werth verleiht, ist die sorgfältig gesammelte Uebersicht der päda-gogischen Literatur, die wohl nirgends sonst in gleicher Vollständigkeit zu finden ist.
Wir ergänzen noch die biographische Skizze. 1804 wurde N. zum wirklichensiberconsistorialrath und Mitglied des Berliner Obcrschnlcollcgiums als abwesender'Rath des Cultdepartemcnts ernannt. Da kam die schwere Zeit von 1806 herbei.Die Anstalten wurden scknvcr betroffen, als die Universität geschlossen wurde. Zurück-gezogen lebte er seinem Berufe an denselben, als er den 18. Mai 1807 plötzlich mitvier andern preußischen Patrioten arretirt und nach Frankreich deportirt wurde. DenEr»»d seiner Wegsührung erfuhr er ine. Seiir Exil währte bis in den October.'alle wurde nun dein Königreich Westfalen cinverleibt. Da crgieng an N. von demiimster v. Stein das glänzende Anerbieten, bei der neuen Organisation der preußischenLlaatsbehörden an die Spitze der beiden Departements des Cultus und UnterrichtsZs Geheimer Staatsrath zu treten. Dieser Antrag brachte für ihn die schwerste'Ccllisuil mit sich. N. war mit allen Fäden seines Lebens an die Universität Halle,»rch alle Traditionen seiner Familie an die Francke'schen Anstalten gekettet. Mitckwerem Herzen riß er sich von Preußen los. Was er für das große Vaterlandei» konnte, stand nicht im Verhältnis zu dem, was sein Austreten für Halle,Pr das ihm vertraute Kleinod der Stiftungen mit sich gebracht hätte. — Das«rk der Rettung war nun seine Aufgabe. Er wirkte die Fortdauer der Uni-mstät aus, wie sie den 1. Jan. 1808 decretirt ward, und wurde dafür, daß er denNils nach Preußen ablehnte, zum Kanzler und Rector yorpstnns ernannt. Bald aberMdc seine Stellung schwierig. Die Universität wurde als preußisch gesinnt ver-achtig. Als Napoleon selbst die Universität im Juli 1813 zum zweiteil Male auf-M, sah sich N. aller feiner Aeinter und Würden entsetzt, aber damit auch der Pflichtk ^ .P's'side Regierung entbunden; er betheiligte sich mit patriotischer Freude anan Ereignissen, die jetzt cintraten. Endlich trat in Halle wieder preußisches Gou-vmleinent ein, und der König decretirte die Fortdauer der Universität.
Nicmeyer wurde zwar zunächst in seinen Stellungen bestätigt; doch ist eine fühl-"s, sMchmk seines Einflusses von jetzt an nicht zu verkennen. Als die Universitätdittmbcrg 1815 mit der von Halle combinirt wurde, sah er sich veranlaßt, von dem