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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Witz.

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Hörer ei» augenblickliches Erschrecken und Sinhen des Verstandes hervor, welches sichsofort bei vorhandenem raschem Sammlungsvermögen in Heiterkeit auflöst, und indiesem Falle dient der Witz als eine Würze der Geselligkeit; andernfalls aber und woauf solche trifft, die sich in ihn nicht finden können, wird er als eine Verletzung«„Pfunden, selbst wenn sie persönlich nicht davon getroffen werden.

Sind diese Bemerkungen richtig, so mäßen sich aus ihnen auch pädagogische RegelnGleiten lassen. Dabei fragt sich zuerst, ob und inwieweit der Erzieher im Umgang«t Kindern und jungen Leuten den Einfällen des Witzes Raum lassen dürfe. Undsin ist vor allem zu beachten, daß eben das Unwillkürliche und Blitzartige an solchenEinfällen die Gefahr in sich trägt, auch Ungeeignetes mit hervorschicßen zu lassen;mg daher ein Witzwort schon aus der Zunge liegen, so soll es noch unterwegs biszu den Lippen darauf, untersucht werden, ob cS auch sich zieme für den Mann unterKudern, unter Jünglingen und Jungfrauen, und ob es diesen fromme. Erregt einsolches Wort mehr als eine bloße Erheiterung, wirkt cs auf den Lachreiz, so ist derAuctorität Abbruch gcthan uud unversehens sind die Schranken der Zucht übersprungen,sich gehen lassen auf der einen Seite zieht Ungebundenheit auf der andern nach sich.Ur reden natürlich hier nicht von solchen Einfällen, die an das Frivole streifen undM frivolen Gcmüthern verstanden werden, auch das nur Komische verträgt sich nichtuiit der pädagogischen xrnvitus, ohne welche kein Regiment in der Schule bestehenlim. Vollends unerlaubt sind solche Witze, welche auf Kosten der Schwachen gemacht«rden. An und für sich soll der Witz nie uugutmüthig sein, wie denn einem solchenschon das wesentliche Merkmal des Unwillkürlichen fehlt, weil eine Absicht aus dem-selben hervorleuchtet. Aber auch wo es ohne schlimme Absicht geschieht, sondern woibm nur mit dem Spötteln und Witzeln irgend eine natürliche Unbeholfenheit, Schüchtern-heit u. dgl. getroffen wird, da fühlt sich der Zögling verletzt, verliert den Mnth und«indem setzen hernach die Kameraden gern in gröberer Weise gegen den Unglücklichensoll, was etwa der Lehrer mit feineren stichelnden Worten gethan hatte. Ganz undzor verwerflich ist aber der Witz des Erziehers über positive Verfehlungen eines Zög-lings, denn die Gegenwirkung wider solche muß ihre Waffen in einem ganz anderenZeughaus suchen, als in demjenigen, woraus dem sich gehen lassenden Verstand seineSpielzeuge zufallen. — Was Lectüre betrifft, so ist bcmerkenswerth, wie wenig AnklangHebels heitere Scherze bei demselben Volksstamm finden, in dessen Mundart sie reden,mb wie solche Abschnitte in Lesebüchern für die Volksschule, die den Gebildeten wegenihm harmlosen Scherze wohl gefallen, gerade dem einfachen Volksgeschmack gar nichtmüden. Das Volk will sich gehoben fühlen, wenn man zu ihm spricht, und hatleinen Dank für eine solche Herablassung, die nicht zugleich Erhebung wirkt.

. Was nun aber fürs andere von der Behandlung der Zöglinge in Absicht aufihre eigenen Erzeugnisse von Witz zu sagen ist, das ergicbt sich von selbst ans demBisherigen. Das an sich regellose und keineswegs gefahrlose Thun des Verstandes inher Region der Einfälle fordert den Erzieher zum Aufmerkcn, Lenken und unter Um-liinden auch zum Bekämpfen und Heilen auf. Vor allem ist es daher als eine päda-Pgische Verirrung Jean Pauls zu bezeichnen, wenn er nach seiner Levana die ZöglingeM Hervorbringung witziger Gedanken angeleitct, sogar um dazu aufzumuutcru, die-plbm gebucht hat. Davon abgesehen, daß es ein innerer Widerspruch ist, herauszulockcn,As seiner Natur nach nur unwillkürlich zu entstehen hat, so erscheint es als eine Be-iüberung der Frühreife und Nährung des Fürwitzes, als Verletzung der kindlichen Un-hAnzciiheit, wenn auf derlei Verstaudeseffulgurationen hingcwirkt wird. Im Gegentheil>!> es die Aufgabe des Erziehers, mäßigend einzuschrciteu, wo sich Anlage und NeigungM Witz frühzeitig eingestellt hat. Denn nicht nur kann derselbe zu einer Untugend«geselligen Leben werden, sondern namentlich auch dem soliden Lernen und StrebenM Nachtheil gereichen. Der Witz bedarf keiner geistigen Anstrengung; gerade mitPom Gedankensprüugen spottet er des geordneten Nachdenkens, durch den Beifall, denfindet, bringt er eine mühelos erworbene Selbstbefriedigung und erweckt den Schein«d die Einbildung von Genialität. DaS alles ist der frühen Jugend keineswegslMrlich, mit solchem vorzeitigen Funkensprühen wird inneres Leuchten und WärmenV vergeudet als gemehrt. So wenig nun ein pedantisches Wehren und NiederdrückenUm kann, so ist doch dagegen einzuschrciteu, wenn das Witzemachen bei dem einen