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Wißbcgierde.
Witz.
sams, der Pflichttreue: lernbegierig ist der Knabe, der lernen will, was erlernen,soll. Eben deshalb sind wißbegierige Kinder keineswegs immer auch lernbcgieriq.Wenn jedoch der Lernbegierige einstweilen auch solche Kenntnisse, die für die eigene!Wissbegierde wenig oder keinen Reiz haben, sich dennoch anzueigncn bemüht ist, weilsie einmal zu dem gehören, was er lernen soll; wenn also dieses Lernen für ihn noch!keinen im Gegenstand selber ruhenden, sachlichen Werth hat , sondern ihm nur bazujdienen muß, den Lehrer zufrieden zu stellen: so würde der schlicßliche Ertrag für semejGesammtbildung doch ein zweifelhafter sein, wenn nicht allmählich die Freude an bersErkenntnis, also an der Wahrheit selber mit jenem Pflichtgefühl sich verbinden und so!das Sollen zur Potenz des freien Wollcns erhoben würde. Hat der Schüler einmal^kraft jener Pflichttreue die elementaren Schwierigkeiten überwunden, ist ihm der Weg!zu einem Gegenstand insoweit gebahnt und aufgeräumt, daß dieser frei auf seinen Geist!wirken kann: dann kommt erst die rechte Lernbegicrde über ihn. Wahrheit ist dieBrant, um die er wirbt, und die er deshalb nicht weniger glühend liebt, wenn er sich!auch bis ans Ende immer wieder sagen muß: Unser Wissen ist Stückwerk. Ist cs bigreine Liebe zur Wahrheit, die ihn bereit und begierig macht, immer noch zu lernen, soist er auch gegen die beiden Abwege gesichert, die uns durch die Figuren des Doctor-Faust und des Famulus Wagner signalifirt sind. Und an diesem Puncte kommt nun'dasjenige Wissen zu seinem vollen Recht und Werth, das sich auf Glauben im Sinnesdes Christenthums stützt; indem ich Gottes im Glauben gewiß bin, ist mir bereits derBlick ins Centrum aller Dinge gegeben, auch wenn ich weder die ganze Peripherieüberschaue noch alle Radien entdecke, die jeden Punct mit dem Centrum verbinden!Und so liegt in der Glaubenserkenntnis beides, einerseits der Antrieb, alles cinzelntzWissen mehr und mehr in Zusammenhang zn bringen, cs zur Einheit zur erheben!d. h. ebensowohl jene Peripherie als die Radien immer vollständiger zu ziehen, anderer-seits aber auch das Motiv der Beruhigung (mit Martensens Ethik zu sprechen: dasOuictiv), daß, wenn mir auch stets noch zahlreiche Lücken übrig bleiben, ich doch weist:sie sind cbjectiv nicht vorhanden; und wie in Gott diese Einheit reell cxistirt, so freutsich der Christ der Hoffnung auf ein Schauen Gottes, auf ein Erkennen, „gleichwieich erkennet bin" (1 Cor. 13, 12). So ist es in der That das Christenthum, welchesdie rechte Lernbegierde cinslößt und nährt; es ist weit entfernt, den Wissenstrieb zulähmen, cs macht niemanden denkfaul, wie das jesuitische Princip der „Opferung dcSJntcllects;" cs setzt der Lernbegicrde keine gewaltsame, äußerliche Schranke — wirsollen ja „begreifen lernen, welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe unddie Höhe" (Eph. 3, 18); aber cs erhält sie bescheiden und macht sie beglückend, dasich auf jeder Stufe „die Liebe der Wahrheit freut" (1 Cor. 13, 6). — Die pätastgogischen und didaktischen Folgerungen aus Obigem ergeben sich von selbst, daher wirsie hier nicht zu entwickeln brauchen; es wird cinleuchtcn, daß damit nicht eine falsch^vorzeitige und äußerliche Conccntration (s. den Artikel in Band I.) befürwortet ist. ^Wird im Kinde nur einstweilen der rechte feste Grund der Gesinnung gelegt, so weist 1seiner Zeit der auSgcreiftc, männliche Geist die disparaten Kenntnisse selber um jemS ICentrum, das Leben in Gott, zu sammeln und diesem zu assimilircn. »
Wist. In der älteren Sprache, wie in unserer Bibelübersetzung hat das chstttldie sittlich-intellectuelle Bedeutung von Verstand, Vorsicht, Klugheit, Weisheit und stehtzim Gegensatz zu Albernheit, Thorheit, Narrheit. Nur in dem Ausdruck „gewchWklklingt uns noch der frühere Sinn nach. Neuerer Zeit und nachdem durch engltzche iSchriftsteller des vorigen Jahrhunderts die Ader dazu geöffnet ist, gehört das, waS Iman mit „Witz" bezeichnet, in das Gebiet der geselligen Unterhaltung und h" s!!s,Idas Wort an Gewicht und Ernst verloren. — Seiner Erscheinung nach ist der Witz»zwar eine Vcrstandesfunction und auf den Verstand wirkend, jedoch seine Herkunft ist Inicht in den Regionen der willkürlichen Ucberlcgung zu suchen, man kann ihn nicht»machen, sondern er macht sich selbst, ist gleichsam ein Einfall aus dem Reich der m-1bewußten Geistesbewcgung in das besonnene Denken, ein Blitz aus dunklem HMch»grund; daher auch durch ihn wohl eine rasche Helle über die Gegenstände ausgegG»»wird, aber diese wirkt mehr blendend als beleuchtend. Es pflegt der Witz ttUwEkiWlich Kontraste zu verbinden, Ähnlichkeiten aufzudccken, wodurch Verschiedenesnahe gebracht wird, und Mittelglieder zu überspringen; ebendarum bringt er bei cm»
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