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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Wahrhaftigkeit.

Wie kommt nun das Kind dazu, von der Wahrheit abzuweichen? AusArten, von denen aber die eine sehr viel gefährlicher ist, als die andere: 1) durch diePhantasie, 2) durch den Verstand. Die erstcre kann in der unentwickelten Seelesemächtig werden, daß das Kind die Gebilde, welche sie ihm vorgaukclt, von der Wirk-lichkeit nicht zu unterscheiden vermag. Wo dies im vollsten Maße zutrifft, liegt Wnicht Lüge vor, sondern ein Jrrthum. Man sieht aber leicht, daß, wenn die Phantasieso große Macht hat, sie auch da, wo sie die Erkenntnis nicht ganz verdunkelt undüberwuchert , doch leicht eine Neigung erzeugen kann, ihre Gebilde mehr oder minderbewußt und absichtlich als real unterzuschieben. Diese Art der Unwahrhastigkeit diesich vielfach in scherzhafter Weise geltend macht, ist verhältnismäßig harmlos, den»wenn sie auch nur da , wo die Absicht vorliegt, der Täuschung bald ein Ende zumachen und keinerlei Gefahr von der letzteren zu besorgen ist, als ein allenfalls er-laubtes Spiel gelten kann, so bleibt sie doch immer ein Spiel, weil und so langesie keinen Zweck außer sich selbst hat. Gefährlich wird sie nur dadurch, daß sie einer-seits in dem Kinde die Achtung vor der Wahrheit nicht recht aufkommen läßt, anderer-seits es in der formalen Fertigkeit zur Versteckung und Umgehung der Wahrheit übt.Der Erzieher wird die Phantasie des Kindes auch nach dieser Seite hin zu überwache»haben; er hüte sich aber, Böswilligkeit anzuuehmen, wo in Wahrheit nur eine Geistes-kraft spielend übersprudelt und mit dem allmählich fortschreitenden Wachsthum auchanderer Kräfte sich das Gleichgewicht von selbst wieder herstellt. Die Hauptfeindinaller Erziehung dagegen ist die durch den reflectireuden Verstand erzeugte Lüge, die sicheines außer ihr liegenden Zweckes sehr wohl bewußt ist. Sobald die Reflexion indem Kinde erwacht, entdeckt es, daß es von seinem Willen abhängt, ob es die Be-stimmungen seines Inneren aus sich heraustreten lassen will, und daß namentlich dieSprache ebenso gut dazu gebraucht werden kann, die Wahrheit zu verheimlichen undzu entstellen, als sie darzulegen. Sobald nun irgend eine Erwägung das ersten al'vortheilhafter erscheinen läßt, ist die Lüge da. Und in solche Lagen, in denen seinembeschränkten Gesichtskreise und seinem unentwickelten Geiste gerade im Lichte des Verstandes die Lüge vortheilhaft erscheinen muß, kommt jedes Kind nothwendig. Je bessilnun die erste Lüge glückt, desto größer die Versuchung und die Fertigkeit zur zweite!und so fort. Ist so das Lügen zum Laster geworden, so hat sich das Herz des Kinde'in ein Netz eingesponnen, das, mag es dem Erzieher auch hie und da gelingen, ei»ungeschickt angelegte Masche zu zerreißen und Ermahnungen und Strafeindrücke alMittel gegen das böse Gewürm, das im Innern wimmelt, hincingelangen zu lassendoch immer wieder zugeflickt und dem Auge des Erziehers immer undurchdringlichewird. Man hat die Lüge mit Recht als eine besonders dem Knabenalter eigenSünde bezeichnet, insofern die Versuchung zu ihr auf dieser Lebcnsstufe sicherlich a>größten ist, allenthalben treten an den Knaben Gebote und Verbote mit zum Theirecht unbequemen Zumuthungen heran, zu deren Abwehr sich ihm die Lüge als neuentdeckte Waffe darbietet. Zugleich ist der Verstand so weit entwickelt, daß er diesWaffe zu führen weiß, aber nicht weit genug, um ihn erkennen zu lassen, wie oft sinur für den Augenblick hilft und auf die vorhandene Verlegenheit neue größere häufWenn dem nicht so wäre, würde nicht oft von Kindern so erstaunlich plump und unklugelogen werden. Auch insofern wird von Knaben und Mädchen in dem bezeichnet!Alter am meisten gelogen, als es denn doch gelingt, manche von ihnen zu bessern,»»die Zahl der so dem Laster entzogenen Anhänger nicht aus anderen Lebensstufen ersitzwird. Denn der Fall, daß der in der Jugend Wahrheitsliebende später znm Lüg»wird, ist verhältnismäßig selten, und kommt nur im Gefolge anderer Laster vor.Aber man betrachte darum ja nicht die Knabenlüge als einen Fehler, der später voselbst schwinden werde. Sie wird, wo ihr nicht entgegengcarbeitet wird, mit den Jahnnur darum seltener, weil der Verstand des Lügners schärfer wird, und er die Min denen Entdeckung unvermeidlich oder voraussichtlich mit unverhältnismäßig großeNachtheilen verbunden ist, besser zu unterscheiden weiß, sie wird seltener, aber raffimrtcseltener vielleicht als Wortlüge, aber die ganze Gesinnung ist vergiftet und »all

eine in der Psychologie immer wiederkehrende Erscheinung von selbst und thut dem Gesagtkeinen Eintrag.