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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Turnen.

ästhetischen Rücksichten zu treffen. Auch war es ein Vorzug, daß diese Schule dieEinfachheit und Natürlichkeit der Turnübungen besonders betonte. Allein M'sich auch heraus, daß die vorwiegende Geltendmachung anatomisch-physiologischer Gsetze dem ganzen Turnbetriebe den Charakter des Schwerfälligen und Lanqweilftiverlieh, der die Tnrnjngend weni^ befriedigte. Man nannte die schwedische tzlymuEeine abstracte Muskellogik, die in ihrem praktischen Betriebe zu einem unlebendi«Schematismus führen müße. Diese Angriffe richteten sich namentlich gegen den Dirgenten der preußischen Centralturnanstalt H. Roth stein (czcb. 28. Äug. Mgft 23. März 1865), welcher als Verfasser vieler Schriften im Sinne Lin'gs »chnamentlich des umfänglichen Werkes:Die Gymnastik nach dem Systeme des säM-dischen Gymnasiarchen P. H. Ling. Berlin, Schröder" bekannt geworden. Tiesgieng in seinem wissenschaftlichen Rigorismus so weit, die Hauptgeräthe des deutsäimTurnens, namentlich den Barren zu verwerfen und an dessen Stelle das unpraktischeTurngeräthQuerbaum" zu setzen. Nach Beseitigung des Hauptvertreters des deutleTurnens, F. Maßmann, stellte sich dem Bestreben, Lings Turnen zur ausschließlicheGeltung zu bringen, eine heftige Opposition entgegen, an welcher sich aus turnerischeKreisen Maßmann, Spieß, Kloß, aus den Kreisen der Mediciner Virchow, B«Cb. Richter und namentlich Dübois-Reymond betheiligten. Die Unhaltbarkcit>chdie theoretischen Uebertreibnngen der Rothstein'schen Schule nach Ling wies besonderDübois-Reymond in den Streitschriften:lieber das Barrenturnen und die sogemm»rationelle Gymnastik. Berlin, Reimer 1862" undRothstein und der Barren. BeM1863" als Mann der Wissenschaft und Kenner des deutschen Turnens schlagend nachAls auch die wissenschaftliche Deputation für das preußische Medicinalwesen sich imrSinne der Vertreter des deutschen Turnens ausgesprochen hatte, endigte dieser zurAufklärung der verschiedenen Ansichten und auch den Fortschritten des deutschen TimieiiZdienliche Streit mit einem Siege des deutschen Turnens. Der Lehrer sei bei dieserGelegenheit noch hingewiesen auf das Werk:Ling's Schriften über LeibeMuuMaus dem Schwedischen übersetzt von vr. H. F. Maßmann. Magdeburg 1847" worausjersichtlich ist, daß die Ling'sche Schule namentlich die sogenannten Stödübungen aichbildcte, Widerstandsbewegungen, wobei zwei oder mehr Turner in Wechselwirkung zu'einander treten, um durch Widerstand oder Unterstützung die Wirkungen der Mübnng zu localisiren oder zu erhöhen. Es lag darum im Wesen der Ling'sche» Gdunastik, daß sie besonders therapeutischen Zwecken dienen konnte und so für medicimschHeilanstalten brauchbar wurde, wie das Prof. Cb. Richter in der Schrift:die schw.dische nationale und medicinische Gymnastik. Dresden, 1845" nachweist.

' Fast um dieselbe Zeit, als die schwedische Gymnastik officiell in Preußen an-geführt wurde, trat auch eine wesentliche Reform des deutschen Turnens selber in denVordergrund, welche durch A. Spieß (geb. 3. Febr. 1810 ft 9. Mai 1858) angZ'bahnt worden war.

Schon in seinen theologischen Studienjahren und der' darauf folgenden Lehrenlaufbahn fand Spieß als talentvoller Pädagog vielfältige Veranlassung, dem Tumnäher zu treten. Und als man ihn aus seiner Heimat Darmstadt als wohlbestalltenHauptturnlehrer nach Burgdorf in der Schweiz berief, bewährte er seinen Erzieherberuszunächst durch die geniale Art, womit er das Turnen zu einem ethischen Bildung^mittel erhob und dasselbe durch eine eigenthümliche methodische Ausgestaltung derSchule näher führte und mundgerecht machte. Denn das Turnen wird niemals zueiner volksthümlichen, auf die gestimmte Jugend ausgedehnten Erziehungs-Angelegcnheidwenn es nicht auf das engste mit der öffentlichen Schule in Verbindung gesetzt wir»

Jahn wollte die Turnanstalt als Gegensatz zur Schule zur Geltung bringen,Spieß stellte das Turnen mitten in die Schule und ihre Bestrebungen hinein und wurdsso der Schöpfer des deutschen Schulturnens. . ?

Welch bedeutende Vortheilc für den Jugendunterricht daraus erwuchsen, wie ent-schieden die Schule an Einfluß auf die sittliche und Charakterbildung ihrer Pflegcbe'fohlcnen dadurch gewann, daß die Ausbildung des jugendlichen Leibes und Geilteunter ihre natürliche Einheit gestellt wurden das können nur diejenigen damMwürdigen, welche von der Notwendigkeit, den echten Schulgcist zu heben und zu "äs-tigen, überzeugt sind.