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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Temperament.

selligen Verkehre geben, wo sie keine Pflicht zu erfüllen haben. An und für sichh«ist die Erregbarkeit des Gefühls nicht durchaus etwas ursprüngliches für sich,ebenso Zeichen und Folge von ursprünglichen Richtungen und Trieben, und es isiimmer die Gefahr vorhanden, daß man den ganzen Menschen ans feinem Temperamenterklären will, während doch sein Temperament zum großen Theil nur Folge der Be-stimmtheit seiner übrigen Kräfte sein kann. ,

Ter erste Satz, der das Temperament zu hoch anschlägt, ist der, daß esu»-veränderlich fei. Dem steht die andere Theorie gegenüber, daß die einzelnen Lebens^alter vorzugsweise die einzelnen Temperamente verirrten. Beide Sätze gehören zu deAintcressanr klingenden Allgemeinheiten, die falsch sind. Der letzteren Behauptung geae»^über gilt, daß unter den Kindern vom Erwachen ihres Lebens an keine gennaerA

Unterschiede " -ur-Lt-- ^

Lebensalter;das sanguinisch

rcchtigt, als der Mangel an Abstumpfung gegen eine Reihe von Eindrücken und derMangel an Zusammenhang im Denken und Wollen die momentane Lebhaftigkeit be-günstigt , mit der neue Eindrücke ausgenommen werden, und der laute Ausdruck deist-Freude noch nicht convcntionell gehemmt ist; aber nicht in dem Sinne, als wäre jene'allseitigc Empfänglichkeit" gleichmäßig vorhanden, als welche man gerne das sanguinisch^Temperament dcsinirt; oder als könnte nicht phlegmatische Unbeweglichkeit von JugeMan vorhanden sein, oder der kleine Mensch nicht cholerisch mit dein Fuße aus den Bodensstampfen, oder sich durch keinen neuen Reiz aus einer melancholisch eigensinnig^Laune bringen lassen. Wir verwechseln leicht das Bild des kindlichen Benehmens, dasuns am meisten gefällt, mit dem allgemeinen Wesen des kindlichen Alters. Hat marnun in dem angegebenen Sinne das Recht, von einem natürlichen Temperament zureden, so ist damit durchaus nicht gesagt, daß nun dieses natürlHc Temperament con-stant sei. Ganz abgesehen von dem, was Erziehung und Selbstbildung, günstigund widrige Schicksale thun: unter ganz normalen Verhältnissen bringt die natürlichEntwicklung nicht selten eine gründliche Veränderung hervor. Wir sehen lebhaftKinder später still und in sich gekehrt werden, andere nach langem Schlummer saftplötzlich aufwachen und einen unerwarteten Reichthum entwickeln; vor allem ist es diePubertätsentwicklung, die nicht selten eine solche Veränderung der ganzen Grund"stimmung zur Folge hat.

Hier ist auch der Ort, nun doch von körperlichen Einflüssen zu redennicht von der Constitution, welche ein bestimmtes Temperament ursprünglich begründendenn davon wissen wir nichts gewißes, wohl aber davon, wie der gcsammte inneiPLebensverlauf altcrirt werden kann durch körperliche Ursachen. Wenn z. B. einem vonHause aus lebhaften Menschen jede heftigere Gemüthsaufregung schlaflose Nächte, jedetzzAerger eine Verdauungsstörung macht, so zwingt ihn die übermäßige körperliche Resonanz^sich sozusagen ein künstliches Temperament zu schassen und eine Ruhe und ein """gewicht zu suchen, das in seiner Natur nicht angelegt ist. Umgekehrt kann Lckeit affcciirt und künstlich erzwungen werden, wo sie nicht natürlich ist, um über körperliche Verstimmungen hinwegzukcmmcn. Ein wesentlicher Unterschied der Geschlechterin dieser Hinsicht besteht nach unserer Ueberzeugung nicht, und man kann nur sagen-daß infolge der verschiedenen Bethätigungen, welche theils Natur, theils Sitte denkbeiden Geschlechtern anweist, die ganz extremen Fälle sich mehr auf Seiten des mann--lichen als des weiblichen Geschlechtes finden.

III. WaS über die pädagogische Aufgabe gegenüber der behandelten Lehrhier zu sagen ist, ergiebt sich aus der bisherigen Ausführung größtentheils von selbst^Ist es die erste Pflicht des Erziehers, die Individualität seiner Zöglinge richtig zuerkennen, so kann er dieselbe nur erfüllen, wenn er sie nach allen Seiten zuerfaßt und für die Zwecke, die er sich setzt, und die Methode, die er einschlagensind auch in diesem Gebiete das, was wir materielle Differenzen genannt haben, ohne >Vergleich wichtiger als die bloß formellen Differenzen überhaupt und die Temperaments-Unterschiede insbesondere. Nichts dcstowcniger versteht es sich von selbst, daß auch sie-gewissenhaft beobachtet und studirt merdcn müßcn. Zu dieser Aufgabe können nunauch die hergebrachten Tcmperamcntsbildcr ein förderndes Hülfsmittcl sein, wenn ge