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Temperament.
Sache, oder ist er überwiegend bestimmt durch den Einfluß der Gefühle und Timmungen. Jenes wäre die kalte, objective, philosophische, dieses die gcfühlswarme, lyrisck'sentimentale Beschaulichkeir. Ebenso auf der andern Seite. Entweder wird das ssi»dein hervorgehcn aus allgemeinen Zwecken und geleitet sein durch den überlegende,Verstand, oder wird es vorzugsweise aus dem Herzen hervorgehcn und den Gefühledes Augenblicks entspringen; jene sind die berechnenden, kaltverständigen, diese die tzlfühlsmenschen, die aufgeregten und leidenschaftlichen Praktiker. — Zu diesen Gegensätzen kommt mm, untergeordnet für den Hauptcharakter des geistigen Lebens an sijaber wichtig für die geselligen Verhältnisse der Menschen, ein weiterer Unterschied hiiruder sich auf die Aeußerung der inneren Zustände bezieht und von einer Perschiedenheit in der Stärke des geselligen Triebes begleitet zu sein pflegt. Bei den eine,findet was in ihnen vergeht nur schwer den Weg nach außen; es sind die stillen entweder verschlossenen oder schüchternen Menschen. Bei andern liegt Verstand und Huauf der Zunge; mittheilsam für alles, was sie bewegt, geben sie zugleich ihren Stimmungen und Gefühlen in lebhafter Mimik Ausdruck, und Freude wie Schmerz äußersich in lauten Zeichen.
Die Natur der Sache bringt es mit sich, daß alle diese Gegensätze fließende sindin ihrer Mitte steht überall daS normale Durchschnittsmaß, und nur von dieser Mtaus und an dem Maße derselben gemessen, können wir von einem Uebcrwiegen deeinen oder andern Seite reden. Es ergiebt sich daraus, daß, wenn wir die allgemeine,begrifflich gefundenen Unterschiede auf die Individuen anwcndcn wollen, diejenigenwelche den einen oder andern der angeführten Charaktere in ausgesprochener Weise e„sich tragen, am seltensten uns begegnen werden, diejenigen, welche sich der Mitte nähernam häufigsten sind. Es ist genau, wie mit der Körpergröße und den Körperforniei,das mittlere Maß ist am reichlichsten vertreten, die Riesen und die Zwerge sind,niin wenigen Exemplaren vorhanden. So bezeichnen die Gegensätze, die wir in jedeRichtung ausgestellt haben, wenn man sie als Beschreibung von Individuen nehmewill, immer nur die Endpnncte von Reihen, sie rcpräsentiren aber nicht die Mittelpuncte von getrennten Gruppen.
Wie verhält sich nun zu den so gefundenen Unterschieden derjenige, den munter dem Unterschied des Temperaments verstehen? — Fragen wir zunächst den populären Sprachgebrauch, so verstehen wir unter Temperament ui,zweifelhaft das Maß der Erregbarkeit des Gefühls, und bezeichnen damidenjenigen Unterschied der Menschen, nach welchem die einen leicht und die ander,schwer, die einen rasch, die andern langsam in eine stärkere GefühlScrrcgnng gerathen. Der einfachste Gegensatz ist der zwischen ruhigem und lebhaftem Temperament,das Extrem des ruhigen ist Unempfindlichkeit des Gefühls, das Extrem des lebhaften ist das stürmische Temperament. Rasch und hitzig ist das Temperament desjenigen, bei dem vorzugsweise die am leichtesten in Handlungen ausschlagenden kurzdauernden Affecte erregt werden; während wir feuriges Temperament dem zuschreibcuder in tiefere und anhaltende Bewegung versetzt wird (feurige Liebe, glühendeHaß ec.). „Reizbares Temperament" aber liegt schon an der Grenze des gesunde,Lebens; es ist derjenige Zustand, in welchem kleine Ursachen unverhältnismäßig großStörungen des Gleichgewichts Hervorrufen. Die alten Tcmpcramentsnamen aberpflegt die gewöhnliche Sprache genau genommen nicht als Prädicate dessen zu gebrauchen, was sie Temperament nennt, mit Ausnahme etwa des cholerischen, was einfach den zum Zorn geneigten bezeichnet und weiter nichts; der Phlegmatische aber i>nicht bloß der gemüthlich ruhige, sondern überhaupt der träge und in allen Bewegung!langsame; der Sanguinische ist der Mann, der sich nicht deprimiren läßt, sonderimmer gutes Muthes bleibt. Melancholisch endlich ist im gewöhnlichen Gebrauch deName eines Gemüthskranken und eines solchen geworden, dessen trübe Stimmung si,der Krankheit wenigstens nähert. Sanguinisch und melancholisch bezeichnen also nicktGrade der Erregbarkeit, sondern Richtungen des Gefühlslebens nach der Seite deLust oder Unlust. Im gewöhnlichen Gebrauch also bezeichnen diese Termini durchannicht so allgemeine und nach einem Gesichtspunkte unterschiedene Bestimmungen, w,sic erfordert würden, wenn auch nur in einer Hinsicht die Gesammtheit der Jndividuein verschiedene Elassen vertheilt werden sollte. — Die wissenschaftlichen Versuche de