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Taubstummmvildnng.
Mnndstellung nachahmen, hilft ihm dabei nach Möglichkeit und heißt ihn dam, einenTon aus der Brust Herausstoßen, was je nach dem Maße schärferer Beobachtungsgabefeineren Gefühls und nach den: Grade des noch vorhandenen Gehörs oder der Miiik-rung an eine frühere Sprechfähigkeit vor dem Eintritt der Taubheit mehr vder mindngut gelingt. Auf die Entlockung der Laute in einer, bisher nicht unabänderlich sch-gestellten,' Reihenfolge folgt die Einübung derselben und ihre Verbindung 'zu Kortenin fortgesetzten Lautirübungcn. Aber neben der Aneignung der Articulation wird derTaubstumme dazu ungehalten, die Mundstellungcn des Lehrers beim Sprechen genauzu beachten, damit er aus den verschiedenen Lagen und Bewegungen der Spracbwersizeuge desselben die Laute erkenne und in fortgesetzter Ucbung die Wörter abseben lerne.Dazu bedarf er nicht allein eines geübten Auges, sondern auch eines guten Kerter-schatzes, Weil die Unterscheidung verwandter Laute fast unmöglich ist, wenn nicht dersonstige sprachliche Zusammenhang dem Verständnis nachhilft; dazu bedarf er micheiner Gewandtheit in den Paradigmen und den Satzconstructioncn, also tüchtiger Spraet- ^kenntnisse, zumal wenn die Kunst, das Gesprochene vom Munde abznlesen, sich, wiebillig, zu einer solchen Fertigkeit steigern soll, daß es dem Taubstummen einerlei is:mit wem er spricht. Die Erreichung eines solchen Zieles wird nicht vielen wirklichtaubstummen Schülern zuthcil. Der Taubstumme, welcher mit seinem Lehrer sich zu uiiterhalten versteht, ist damit noch nicht dahin gekommen, sich im Verkehre mit beliebig Trittender Lautsprache selbständig und für alle Zukunft zu bedienen; Casper sagt in seinem ^praktischen Handbnche der gerichtlichen Mcdicin: ich habe mich davon überzeugt, dasselbst bei den bestunterrichtctcn Taubstummen die allervorsichtigste und langsam-beutlichste Frage mit schärfster Abgrenzung der einzelnen Sylben u. s. w. wohl ein Bcvständnis erzielen kann, aber nach langer und mühsamer Unterhaltung doch nichtzwZiele führt. Meckel fand 1864 von'177 noch lebenden früheren Schülern des kmirberger Instituts nur noch 66, die sich der Lautsprache gut oder ziemlich gut bedienten,und der Coblenzer Bericht von 1869 führt nur 12 von 69 früheren Zöglingen der 'Taubstummenschule in Kempen und 6 von 37 derer zu Mörs aus als solche, welch!sich ausschließlich oder fast ausschließlich und 23 rcsp. 9, welche sich vorwiegend de,Lautsprache im späteren Leben noch bedienten. Hill wie Rößler erklären, daß die Besähigung des Taubstummen zum mündlichen Ausdruck, zum schnellen und sicheren Berkehre mit andern stets eine sehr beschränkte sei und daß die Lautsprache des Taubstummen immer unvollkommen bleibe. Es kann daher die Frage berechtigt erscheinenob das Ziel des Taubstummenunterrichts, welches in den selbständigen Gebrauch daLautsprache im Verkehr mit andern gesetzt wird, als ein generelles bcizubehaltcn nninicht vielmehr auf die dazu körperlich und geistig qualisicirten zu beschränken sei. Tcmrücksichtlich der geistigen Anlagen giebt cs bei den Taubstummen ebenso grchVerschiedenheiten wie bei den Vollsinnigen. Kuh spricht von einem ungemein häufig» ' sVorkommen verkümmerter intellectueller Kräfte bei Taubstummen, Meckel ermittelt!unter 381 in der Camberger Anstalt gebildeten Taubstummen nur 25 sehr gut mit l151 gut beanlagte. Die Verschiedenheit der körperlichen Anlagen aber zcigtsichtheils in der Sehkraft — es sind nicht wenige kurzsichtig oder sonst angcnlcidciid; daFall vereinter Blindheit und Taubstummheit ist gottlob nur äußerst selten, — theiliin der' Stimme, die selten Wohlklang hat, häufiger klanglos und unverständlich skreischend und geradezu widerlich anzuhören ist, theils und hauptsächlich in dem Mschiedenen Grade der Taubheit. Es giebt Taubstumme, welche die Vocale und einzeln! iihnen laut vorgesprochene Wörter vernehmen können, namentlich bei heiterem Wettn sund trockener reiner Lust, andere einen mit großer Kraft hervorgebrachtm surkaSchall. Meckel fand von den erstercn 75, von den zweiten 70 unter 381 taubstummerSchülern, die übrigen 236 ermangelten jeder Spur von Gchörfähigkcit. Ein -raub ;stummer mit Schallgehör oder mit Vocalgehör ist für die Lautsprache natürlich bildungs sfähiger. Auch der Klang seiner Stimme wird ebenso wie bei denen, die ihr Echcierst verloren, nachdem sie schon zusammenhängend gesprochen, angenehmer scin.^
Ein Grad der Bildung kann aber allen taubstummen Schülern, wenn sie »onHaupt bildsam sind, zugesichcrt werden, nämlich daß sie schreiben, rechnen, Gedrimiaund Geschriebenes lesen und Schriftstücke verfassen lernen, wie sic das gewohmHund speciell das sie erwartende Leben fordert; daß sic die nothwendigsten Religion ^