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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Taubstummcnbildung.

hört zwar schon im 16. Jahrhundert von vereinzelten Versuchen, Taubstumme zu bilde»seis bis zum schriftlichen, seis bis zum mündlichen Ausdrucke ihrer Gedanken, michvon Schriften über Taubstummcnbildung aus dem 17. Jahrh. z. B. des SpanielsBonct, der ein Haudalphabet und eine Lehre von der Lautbildung gab, des Italienersde Castro, der durch eine eigenartige ärztliche Behandlung die Tst. zur Sprachsähigkeitbringen wollte, des Holländers van Helmont, der ein Gleiches versuchte durch Ab-formung von 36 Köpfen, die das Innere des Mundes und die Stellungen der Sprach-Werkzeuge bei der Articulation erkennen lassen, des Holländers Amman und des Eng-länders Wallis, welche von dein Grundsatz ausgehend, daß menschliches Denken »min der Form der Lautsprache möglich, der Unterricht im Sprechen also die nothwendigeGrundlage der Geistesbildung sei, gleichzeitig eine Articulationsmethode seststelltcmaber bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinaus ist die Tst.-Bildung nurein vereinzeltes Liebcswerk an verschiedenen den bemittelten Ständen ungehörigen Indi-viduen mit mehr oder minder glücklichem Erfolge gewesen. So lange dem öffentlickii»Unterrichte der Vollsinnigen noch nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit geschenktwar, konnte noch viel weniger an einen solchen der Viersinnigen gedacht werde». Bises dazu gekommen, hat es lange gedauert. Auch die Begründer der beiden Schule»,die für die Tst.-Bildung um 1760 bahnbrechend gewesen und für die beide» Haupt-richtungen der Methode bis jetzt tonangebend geblieben sind, waren zuerst nur Privat-lehrer und haben ihre Privatschulen zu Versuchsfeldern für die organische Gestaltungder Tst.-Bildung von innen heraus hcrgegebcn. Sie heißen Samuel Heinicke mWCharles Michel de l'Epse, beide Koryphäen im Fache des Tst.-Untcrrichts.

Heinicke ist 10. April 1729 in Nautzschütz bei Weißenfcls geboren, Sohn einesLandmanns. Dem elterlichen Hause entflohen trat er in die kurfürstl. Leibwachezu Dresden, suchte sich als Autodidakt dort auszubilden, entfloh der Kriegsgefangen-schaft nach Jena 1756, wo er sich bei der Universität als Student cinschreiben lies,dann nach Hamburg, wo er 1761 eine Hauslehrerstelle übernahm, ans der er IMals Cantor und Lehrer nach dem nahegclegenen Eppendorf gieng. Hatte er schon alsSoldat einem Tst. Rechnen und Schreiben beigebracht, so erregte hier der Unterrichtdurch den er einen Tst. binnen 3 Jahren zum deutlichen Sprechen brachte, solchesAufsehen, daß ihm 1772 andere Tst.-Kinder zugeführt wurden, deren Ausbildung nachdem Amman'schen Verfahren er sich nach 5 Jahren ganz widmete, und daß er 1778 eine»Ruf erhielt, in Leipzig eine deutsche Tst.-Anstalt, die erste deutsche, zu gründen, der erzwölf Jahre vorgestanden hat. Dort ist er am 30. April 1790 gestorben. Er giltfür den Begründer der deutschen Schule. Derjenige der französischen Schule, der^.dbs äv I'tüxes, ist 1712 in Versailles geboren. Er übernahm den Unterrichttaubstummer Zwillingsschwestcrn, als deren Lehrer gestorben war, und gewann dadurchsolch eine Liebe zu dem Rcttungswerke, daß er um 1760 mit Aufopferung seines nichtgeringen Vermögens in Paris eine Erzichungs- und Unterrichtsanstalt für Tstgründete, welcher er bis zu seinem 1788 erfolgten Tode vorgestanden hat. Erst dmJahre nachher ist dieselbe zu einer königl. Anstalt erhoben worden, als welche p?noch besteht.

Beide Männer stimmten überein in der Festsetzung der Aufgabe der Tst.-Bildungdaß die Tst. aus dem Zustande geistiger und leiblicher Verwahrlosung und Verkommen-heit zu brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft und für ein höheres Leveiherangebildet werden sollen; auch in der Aufgabe des Tst.-Unterrichts, die dahin gehe, de»Tst. in das Verständnis und in den Gebrauch der Landessprache einzuführen, aber stwaren über die Ziele, die erreicht werden könnten und über die verwendbaren Mittel ver-schiedener Meinung, wenn auch beide die Geberdensprache unter die letzteren aufnehmcmHeinicke sieht in der Lautsprache (Articulation genannt, insofern der Laut dem -istnicht vernehmbar ist) die einzig mögliche Denkform des Tst., in der Larüform die Gnmd-form der Sprache, von welcher aus zur Schriftsprache als der secundären Form überzugePsei, und hält alle Bemühungen, die Tst. ohne die Grundlage der Lautsprache gestmauszubilden und in die Landessprache einzuführen, für ganz vergeblich. Er ma >daher die Lautsprache zur Grundlage des Tst.-Ilnterrichts, und weil sie das wirkst»»Medium der Verständigung im Verkehr mit Hörenden sei, auch zum hervorragenoZiele desselben. Ihm ist mechanische Fertigkeit im Sprechen und Ableien des G