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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Schamhaftigkeit.

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weiteren Reizungen den Anstoß geben, sondern unmittelbar zu Geschlechtssünden Wn»kann (s. den Art. Geschlechtliche Verirrungen). In keinem Gebiete der Erzieh»»,sieht sich daher der Erzieher dringender darauf hingewiesen, sein Kind noch einemandern, unsichtbaren Führer und Beschützer anzuempfehlen, als in diesem; bleibt festKind unschuldig, und geht diese Unschuld später in diejenige Schamhaftigkeit über dieauch dem Manne und dem Weibe noch geziemt, so ist das als eine göttliche Bcwch -rung mit höchstem Danke zu erkennen. "

Dies schließt aber nicht aus, daß der Erzieher wenigstens diejenigen Mittel albanwcndet, die ihm wirklich zu Gebote stehen. Unterscheiden wir zuvörderst, was dasHaus und was die Schule zu thun hat, so ist es in jenem überhaupt nicht diese oderjene einzelne Maßregel, die dem Uebel vorbeugt, sondern der Geist lebendiger u»dgesunder Frömmigkeit, es ist die ganze Grundlage der Gesinnung, worauf das Haupt-gewicht ruht. Damit hat sich aber schon von frühester Kindheit diejenige Zucht zu'verbinden, die dem Kinde keine Unanständigkeit hingehen läßt. Es wird ihm einfachverboten, sich zu entblößen, sich in der Nacktheit zu betrachten, mit den Genitalien zuspielen; ein Schlag auf die Hand ersetzt hier alle Erörterungen. Aber früh ist auKdas Kind schon empfänglich für den Gegensatz von Ehre und Schande; warum eseine Schande sei, sich zu entblößen, kann man ihm nicht sagen; aber daß es eine ,

Schande sei, das muß man ihm energisch einprägen; es ist ja ein pädagogisch aner-kannter Satz, daß in den Jahren des zarten Alters das geschlechtliche Schamgefühl inoch gleichsam eingewickelt ist in das Ehrgefühl. Und wie das Kind die natürlichenSecretionen als etwas häßliches ansehen lernt, so knüpft sich daran unwillkürlich die l

Vorstellung, daß den Geschlechtsorganen, die zugleich für jenen Zweck dienen, die tiefste !

Verhüllung gebühre. Unter den Gegenständen, vor denen das Kind bewahrt bleibenmuß, ist noch besonders an schlechte Lectüre zu erinnern. Die weltliche Poesie Hut stvon jeher ihre schönsten Worte und Töne der geschlechtlichen Liebe gewidmet; dasmacht es nun sehr schwer, unsere Kinder in das Reich der Poesie einzuführen. BonGöthe hier gar nicht zu reden, ist auch Schiller, sind selbst Uhland und Rückert nicht st

völlig frei von einzelnen Stellen, die von einem dreizehn-, vierzehnjährigen Knabe»oder Mädchen schon allzugut verstanden werden können. Soll inan deshalb die Kinder, -

bis sie Männer und Frauen sind, mit Heinrich von Eichenfels oder Rosa von Tannen- s

bürg abspeisen? Das führt auf die Romanliteratur und das pro st contra ihrer ^ ;Lectüre. Einerseits giebt es allerdings Personen, die in jungen Jahren sogar mit s

Leseleidenschaft alles, was von Romanliteratur ihnen in die Hände fiel, verschlungen -haben und dennoch ohne den mindesten sittlichen Nachtheil aus dieser Periode hervor- zgegangen sind. Aber die Selbstbekenntnisse gefallener Personen könnten andererseits ^nur zu deutlich beweisen, wie viele Vergiftungen der Unschuld durch Romane bewirbworden sind, oder vielleicht richtiger: in wie vielen Seelen die schon insgeheim erregte !Lüsternheit dadurch zu Hellen Flammen angefacht worden ist. Auch ist es unzweifel-haft, daß gerade solche Schriften besonders verderblich wirken, welche das Laster in ei»reizendes, dichterisches Gewand hüllen. Andere, in welchen dasselbe in Gestalt derber ^Spässe und roher, unanständiger Reden auftritt, während das Ganze von sittliche»!Ernste getragen ist, sind weit weniger gefährlich, woraus wir es uns wohl zu erkläre»haben, daß englische Frauen ihre Töchter den Shakespeare unbedenklich lesen lassen. -Nun, das führt uns eben auf den richtigen Punct. Für dasjenige Alter, in welchemdie geschlechtliche Unwissenheit an irgend einem Puncte naturnothwendig aufhört, ist csgar nicht mehr möglich, jede Enthüllung dieser Geheimnisse zu verhüten, ja es ist als-dann nicht mehr die Aufgabe der Erziehung. Wenn aber die ganze sittliche Haltungbis dahin recht befestigt ist, dann schadet die Warnehmung dessen, was nun einmalist, nicht mehr; dann gewöhnt sich auch das schamhafteste, keuscheste Gemüth daran,diese Dinge als existirend zu wissen, aber sie sittlich zu beurtheilen und seine eigenerichtige Stellung dazu zu nehmen. Geht also eine Dichtung nicht darauf aus, dieSünde reizend hinzustellen, so kann sie der reifenden, wohlgezogenen Jugend nicht nurnicht schaden, sondern sie gewöhnt dieselbe daran, das Böse als existent zu kennen,aber eben als Böses. Wäre dem nicht so, so dürften wir unserer reifen Jugend z. B>Jeremias Gotthelfs Uli nicht in die Hand geben; wir haben aber noch nie gehört,daß derselbe mit seinem derben Realismus ein junges Herz verdorben hätte. Wenn