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Räthsel.
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Üeußerlichkeiten eines Worts ins Auge gefaßt werden. So entstehen u. dieHleichlauträthsel, wenn mehrere Wörter einen gleichen oder ähnlichen Laut, aberdeine verschiedene Schreibart haben (Mandel, Mantel); 1). die Bctonungsräthsel,^aus Wörtern gebildet mit verschiedener Betonung, z. B. Polstern; o. die Reim-räthsel, wenn das gesuchte Wort durch einen gegebenen Reim augedeutet ist, z. B.
, die qeschäftgen Bienen l-uns mit ihren süßen G-;" <l. die Worttheilungs-
'räthsel, welche die Aufgabe stellen, daß ein zusammengesetztes Wort das eiucmal als,Mures/das anderem«! jede Sylbe als selbständiges Wort genommen werde, z. B.^iiber Meineid: „Vereint abscheulich, getrennt mir heilig." o. Die Schreibzeichen-'Jäthsel, welche eine richtige Setzung der Jnterpunctionszeichen verlangen, wie in dembekannten: „Zehn Finger Hab ich an jeder Hand fünf und zwanzig an Händen undpichen." — 5 und 6) Zwei ganz besondere Unterarten bilden die gleichfalls uraltenund neuestcnS so beliebten Bilder räthsel (Rolnis) und die Rösselsprünge. —7 und 8) Die Schachräthsel endlich und ebenso die mathematischen Räthsel»gehören je ihrer besonderen Kunst und Wissenschaft an.
k Offenbar wäre es zu viel verlangt, eine eingehende Kenntnis von der Geschichte^dieser Filialprovinz des Geisteslebens irgendwie zur Bedingung der Bildung zu machen.iZm Hinblick aber auf die früheren Andeutungen, wie stark die Neigung zu änigma-chscher Anschauung und Rede und wie groß die Zahl der Räthselsprüche vorzugsweise»bei den Hebräern und bei dem germanischen Volksstamm war, hat wohl auch dieMdagogik zu bedenken und zu berücksichtigen, daß wir ohne Zweifel die Bibel, daßwir unser eigenes Volksthum um ein gutes besser verstehen, wenn wir dem Räthsel-Lgeist, der beide durchzieht, lauschen gelernt haben. — Bis auf einen gewißen Gradeist schon das eben Gesagte darauf hin, daß es nicht wohl gcthan wäre, wenn man,umal in deutschen Landen, jemals aufhören wollte, auch für die Gegenwart demsei einen Platz bleibender Wertschätzung und Hebung cinzuräumcn. Es wärelies ein Abbrcchen der Triebkraft einer geistigen Thätigkeit, die aufs engste mit unserem«ritschen Wesen verwachsen ist. — Doch es bedarf jetzt noch im besonderen des Nach-eises, daß und warum, in welcher Weise, in welchem Umfang, wo und wann dasKäthsel bei dem Werk der Jugendbildung zu verwerthen und zuüben sei.
Es leuchtet ein, daß jeder Gebildete wohl daran thut, zur Ausbildung undLäuterung seines Geschmacks mit dem ästhetischen R., zur Schärfung und Uebungeines Verstandes und Scharfsinns, auch seiner Combinationskraft und des Gedächt-'sses mit dem Verstaudesräthsel, endlich zum Behuf der Gewandtheit, bei Dingenld Vorfällen des täglichen Lebens rasch und mit Witz Rede stehen zu können, mit»i Volksräthsel mehr als oberflächliche Bekanntschaft zu machen. Alles, was in allen:sen Richtungen, wie man sagt, den Kopf ausputzt, muß für die Pädagogik beachtens-:rth und gut verwendbar erscheinen, um so mehr, da dieselbe ja nicht bloß dasmm, sondern das Leben, also insbesondere auch' das gesellige Leben ins Auge zussen hat. — Zudem ist gerade das echte kerndeutsche Volksräthsel ohne Anstand einese besten Mittel, um dem unpraktischen, träumerischen, Hhperidealcn Wesen desmischen, insbesondere anch der deutschen Jugend eine ersprießliche Diversion zu)chen. Dies gilt ganz vornehmlich von unserer Zeit, die auf der einen Seite eineühnge Geistesgewandtheit und lebensfrische Geistcsthätigkcit mit Recht hoch anschlägt,Mdererseits aber in Erziehung und Unterricht so viele Anstrengung für ernstes Wissenerdert und so wenige Augenblicke für harmloses Geistesspiel übrig läßt. Wenn esMilch leider nur zu wahr ist, daß in unseren Tagen Alt und Jung der lesendenvtande viel zu viel und zu schnell liest, so dürfte auch in diesem Betracht neben dem^Sprachunterricht kaum ein anderes Gegenmittel genannt tverden, das gesünder undMirlicher wäre, als das Räthsel, das ja auf jedem Schritt und Tritt nöthigt, stille» halten, sich zu besinnen, auf Kleines und Kleinstes zu achten.
Die geeignetste Stätte für Uebung des Geistesspiels mit Räthseln ist der häus-auch der gastliche Herd und Tisch. Insbesondere haben gemischtereMichasten kaum ein geeigneteres Unterhaltungsmittel, das, wenn es gut gehandhabt>r°, leichter und natürlicher bindet und fesselt. Nur vor zweierlei hat man sich dabeis hüten. Die Sache darf in keiner Weise einen pedantischen Anstrich erhalten, wasd«g. Handbuch. II. 23