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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Pietismus.

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rste Gelegenheit zu einem Ausbruche benützt. — Eine Herrnhutische Schrift vonLWof Layritz: „Betrachtungen über eine anständige und christliche Erziehung" (Barby1776 S. 82), verlangt: „schon die ersten Vorstellungen und Empfindungen des Kindessollen keine andern sein, als die von ihrem Herrn und Heiland, Jesu Christo, und!mr in dem ewig schonen Versöhnersbilde, wie er am Kreuz so milde sein Blut ver-ossen hat." Ist das, fragen wir, irgend möglich? Die Concentrirnng des geistigencbens auf Religion, die das Christenthum in allweg fordert, ist doch etwas andres,ls die gewaltsame Beschränkung alles Interesses auf Religion; die Sonne am Himmelmß alles erleuchten und erwärmen, aber sie zehrt es nicht auf, um allein in der>Ät zu sein. — In der „Wahrhaften und umständlichen Historie von den schwedischen"esangenen," Sorau 1725 (dieselben hatten nach der Schlacht von Pultawa in To-lolsk eine Erweckung erlebt und ein hierauf gebautes Schulinstitut eingerichtet) lesen!>m unter andrem folgende Schulgesetze: „Während des Ankleidens am Morgen sollkein Kind ein Wort sprechen, damit die innerliche Erhebung zu Gott nicht gestörtwerde; beim Waschen, Nägclschneiden u. dgl. soll jedes Kind innerlich seufzen, daß eseck Christus mit seinem Blute von Sünden reinigen möge" — sieht das nicht allestier Klosterregel aufs Haar ähnlich? — Noch eines Punctes müßen wir erwähnen,cnc Abkehr von allem, was irgendwie den Interessen des gegenwärtigen Lebens dient,ird zwar als Gesetz aufrecht erhalten, aber da der Mensch noch allerlei Dinge indu Welt vorfindet, die als niedere oder höhere Güter, mag er sich noch so sehräuben, seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ja sich dieselbe erzwingen: so entstehtmaus jenes kasuistische Markten um Erlaubtes oder Nichterlaubtes, das jene Sorg-rhkeit und Aengstlichkeit bei gewissenhaften Menschen nur noch steigert und permanentacht, bei heroischeren Naturen dagegen zn einem billigen Abkommen führt. Wie jeneasnistik und dieser Widerspruch auf die Erziehung wirkt, davon nur folgende Beispiele.Es wird uns von einem Manne erzählt, der zwar zugiebt, daß seinen Kindern zulÄhnachten Gaben beschert werden; sobald sie aber sich der Gaben freuen wollen,ält er ihnen eine Strafpredigt darüber, daß sie auf diese eitelu Dinge ihre Augen'chtcn, anstatt über des Heilandes Geburt mit den Engeln sich zu freuen. Ein»derer macht mit seinen Kindern eine Vergnügungsfahrt auf der Eisenbahn, läßt aberickrwegs, gleichsam zur Sühne dafür, die Kinder unausgesetzt Sprüche und Liedererjagen. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß manche Väter oder Mütter,die für ihre Person pietistischen Grundsätzen huldigen, dieselben doch nicht auf ihreädagogik anwenden; aber wenn einmal das Princip angenommen ist und man seineädagogischen Consequenzen zieht, so ist der leitende Gedanke stets derselbe. Wir gebenuch in pädagogischer Hinsicht vollkommen zu, daß es geistige Constitutionen giebt, fürdie, wenn sie einmal anfangen, es mit Seele und Seligkeit ernstlich zu nehmen, diePsychologisch einzig mögliche Form des christlichen Sinnes und Wandels der Pietismusist (auch hierin vergleichbar dem Mönchthum). Aber andererseits ist es Aufgabe derWissenschaft und praktische Aufgabe derjenigen Christen, bei denen jene psychologischeVoraussetzung nicht zutrifft, mit Wort und That zu zeigen, daß es ein ChristenthumMich das, ohne die Färbung des Pietismus zu tragen, rein und echt ist und an christ-Mm Ernst und christlicher Wahrheitstreue ihm nichts nachgiebt.

, , 2. Wenn wir als weiteres Merkmal den unbedingten Schriftglauben bezeichneten,>o steht hierin der Pietismus in erster Linie wieder vollkommen im Einklang mit deryammten evangelischen Kirche; dagegen verräth er in zweiter Linie seine Aengstlich-n auch an diesem Puncte darin, daß er alles dasjenige scheut, was einer Kritik ingond einem Sinne gleich sieht. Entweder wird dann alles nur zur Erbaulichkeiterwendet; oder wird mit künstlichen Mitteln, durch Allegorie oder theosophische Divi-mon jede Schwierigkeit weggeräumt, nebenbei auch allerlei eigene Weisheit erst Hin-Vogt, an die die hl. Schriftsteller von ferne nicht gedacht haben; da freilich hört, s S°sgllchkeit auf, indem man frischweg interpretirt und sich über Dinge Hinweg-IM, die dem gewissenhaften Ausleger gerechte Bedenken erregen. Besorgt ist man»» darum, daß doch mit den einmal feststehenden Ansichten alles einzelne genau zu-,mmmstimme. In dieser Beziehung wird die Erziehung natürlich weniger vom Pie-Mus berührt; nur mittelbar steht damit im Zusammenhänge, daß derselbe 1) für

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