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Physiognomik.
die geistige Idee des Menschen Bedeutung Hube, gewissermaßen als vollkoiiniir»»,sinnliche Repräsentation dieser Idee. Und man wird wohl auch die einzelnen Thchdes Körpers vorwiegend mit diesem oder jenem Elemente des geistigen Lebens inbindung bringen und ihrer größeren oder geringeren Vollkommenheit sowie jh^Eigenthümlichkeiten eine gewiße Bedeutung beilegen können. So weit bleibt die Sch yauf dem Boden einer durchaus Mäßigen und keineswegs werthlosen Naturphilosophie, IBetrachtung. Insbesondere wird der Künstler eine solche Symbolik nicht entbehre,!können, und in der That finden wir sie auch schon in den ältesten Zeiten, und Msnur in der bildenden Kunst, sondern namentlich auch in der Dichtkunst. Treffend isnfolgende Aeußerung von Schaller (Psychologie I., 333): „Der Bildhauer, derMchkönnten den innerlichen, geistigen Menschen überhaupt nicht darstellen, wenn sie Mdie äußere Gestalt und Erscheinung des Menschen als den entsprechenden Auödmjseiner Innerlichkeit ansehen wollten." Lichtenberg hat in feiner Weise nachgewicse,wie großen Einfluß das Gesetz der Jdeenassociation auf die Verbindungen hat, welch!wir zwischen den: Bild eines Menschen und der Vorstellung seiner Handlungsweiseherzustellen wissen. Wäre aber diese Association der ganze Grund unserer Physiogno-mik, so ständen die Typen der Kunst ohne eigentliche Basis da; sie würden vomZufall und vielleicht von der Gewohnheit bestimmt, statt durch eine innere Nothwon-digkeit. Schaller weist darauf hin, daß wir es uns trotz aller Unsicherheit der pbd-siognomischen Beobachtung doch niemals würden nehmen lassen, die äußere Erscheimgeines wirklichen Menschen ähnlich zu betrachten, wie ein Kunstwerk, nämlich als Ofp-barung seiner geistigen Innerlichkeit.
Die deutsche Naturphilosophie hatte einen starken Hang zur Symbolik der Form.Goethe hatte in seiner Morphologie manchen hieher gehörigen Gedanken auSgk-sprechen. Schelling und besonders Oken förderten diese Richtung des deutsche,Geistes bedeutend. Letzterer wußte in überschwenglichen Deutungen alle Körperteil!! -unter sich, mit dem Thierreich und mit dem Weltall in Vergleich und Verbindung z»bringen, ohne jedoch zu eigentlicher Physiognomik fortzuschreiten. Dies that qC. G. Carus, ein in jeder Beziehung für Forschungen in diesem Gebiete vorzüglichbefähigter Mann. Seine Symbolik der menschlichen Gestalt (1852) ist dahervoll von seinen und tiefsinnigen Bemerkungen; allein sie vermag ihren Ursprung auider trüben Gährung der Naturphilosophie doch nicht zu verleugnen. Mystisches DMund vage Allgemeinheit der Aussprüche wechseln mit einem häufigen Rückfall in dar! ^Princip einer willkürlichen Prophetie. Bei allem Reichthum seiner wissenschaftlich!»Einsicht fehlt Carus doch eine die Objectivität verbürgende Methode.
Dieser Mangel kann wohl nur beseitigt werden, wenn die Pathognomik n»d ,insbesondere die mit derselben eng zusammenhängende Mimik zur Grundlage daBetrachtung gemacht werden. „Die Mimik," sagt Schaller (Psych. I-, 3SS) „hiiunbestreitbar eine sichere empirische Basis. Die verschiedenen Gemüthsstimmung!»kommen in den Mienen des Menschen unwillkürlich zu einer cigenthümlichen Erschli-nnng." Schaller glaubt sodann, es sei „zunächst indifferent," daß wir nicht im Stackseien, den ganzen Verlauf dieser Verwirklichung psychischer Affectionen zu Verfolgs«,insofern die Thatsache feststehe. Dies würde richtig sein, wenn der erfahrungsmäßig!Zusammenhang zwischen der geistigen Erregung und dem entsprechenden mimisch!»Ausdruck vollkommen scharf und sicher festzustellen wäre. Das ist aber nicht der Fall.Die Mimik ist allerdings als Kunst über jeden Zweifel erhaben; aber die Theoriedieser Kunst ist noch keineswegs sicher begründet. Die Vorgänge dabei sind so sei»,daß wir niemals wissen, was der Künstler den Regeln, und was er seinem Gchihlverdankt. Selbst die Sicherheit der Regeln und die Grenzen ihrer Präcision sind Wdeshalb ungewiß. Mit Recht hat man daher in neuerer Zeit versucht, geradest»Verlauf der Verwirklichung des Gefühlsausdruckes in den Mienen wissestschriftlich zu verfolgen. Man hat das Mienenspiel analysirt und auf die Thätigstider Gcsichtsmuskeln und der sie bewegenden Nerven zurückzuführen gesucht. Auch Hstbleibt freilich der innerste Punct, der Ursprung der Innervation im Gehirn, in Dunstgehüllt. Tie Einwirkung der Gesichtsmuskeln zeigt sich schon zugänglicher, und stgewinnt dadurch noch eine besondere Bedeutung, daß man jetzt weiß, wie bedeutestdie Thätigkeit der Muskeln auf das Knochengerüst zurückwirkt, und wie sonach M>