214
Pädagogik des Alte» Testaments.
der Offenbarung zu thun haben. Wir haben hiernach keine Veranlassung, der G j >testamentlichen Pädagogik eine Untersuchung über die Natureigenthümlichkeit der semitischen Völker als Einleitung vorauszuschicken. Nicht als ob wir die prästabilichHannonie zwischen der göttlichen Erwählung und der natürlichen Ausrüstung Jsi^is 1lerrgnen wollten. Nur würde nran das Verständnis der alttest. Religion gründlich ißverfehlen, wenn inan als Aufgabe der Offenbarung eben dies betrachten wollte, ei« Ibereits Vorgefundene Naturform mit göttlichem Lebensinhalt zu erfüllen, oder bereits *vorhandene Keime religiöser Erkenntnis und religiösen Lebens zur Entfaltung zu bringe« ; °Vielmehr zeugt das A. T. von einem Gegensatz, in welchen die Offenbarung z„ !dem natürlichen Wesen des Volkes getreten ist (Jes. 48, 4-); es zeigt uns in JsiM ^;Geschichte einen fortwährenden Kampf zwischen dem göttlichen Princip und dmsündigen Hange des Volkes (Jes. 43, 24.). ^
In der Darstellung der alttcstamentlichen Pädagogik folgen wir im allgemein«!dein Stufengang der alttestamentlichen Geschichte; wir gehen demnach aus von dem!patriarchalischen Zeitalter, in welchem namentlich, mit Ewald zu reden, die kGestalt des „vorbildlichen Hauses" uns cntgegentritt. Doch müßen aus der Darstellungder Urgeschichte zwei Puncte hervorgehobcn werden, weil sie die wesentliche Voraussetzung -ldes vorbildlichen Hauses und so auch die bleibende Grundlage für die pädagogischenAnschauungen des A. T. bilden, wir meinen die göttliche Stiftung der Ehe >und. die Zurückführung der Fortpflanzung des Geschlechtes auf den göttlichenSegen. Indem nämlich das A. T. die Ehe als einen ^ von Gott ^ gestifteten Bun:hinstellt, in welchen: Mann und Weib zur innigsten gegenseitigen persönlichen Hingckund Angehörigkeit sich zusammenschlicßen (1 Mos. 2, 18—24.), wird hiedurch derFamilie von Anfang an der Charakter einer sittlichen Ordnung ausgeprägt. Dasdie Ehe nach göttlicher Ordnung Monogamie sei, ist in 2, 24. (übrigens sch«in 1, 27.) enthalte:^ und nur in der Monogamie, die durch das ganze A. T. hindurch(wenn auch Vielweiberei geduldet wird) als die normale Ehe vorausgesetzt ist, istdie Stellung möglich, in welcher das A. T. die Hausmutter erscheinen lässt. DieFrucht der Ehe aber, die Kinder, sind, wenn auch überhaupt alle Fortpflanzung ans-geht von dem göttlichen Schöpfungssegen (1 Mos. 1, 22—28.), doch in besonderemLrinn eine Gabe Gottes, ein von ihm geschenkter Lohn (Ps. 127, 3.). TerGottessegen bethätigt sich in zahlreicher Nachkommenschaft, gemäß dem Worte 1,2ö>„seid fruchtbar und mehret euch." Daher gilt ein fruchtbares Weib und eine fröhlich ge-deihende Kinderschaar als die Krone irdischen Glückes; wie umgekehrt Unfruchtbarkeit alseine schwere göttliche Fügung, ja sogar als eine Schmach für die Frau, Kinderlosigkeitals das größte Unglück für das Haus betrachtet wird. Doch seine volle Bedeutunggewinnt der Kindersegen erst auf dem Boden des Verheißungsbundcs. DreiStücke befaßt die dem Abraham gegebene göttliche Verheißung: daß eine Nachkomme« ^schaft zahllos „wie die Sterne des Himmels und wie der Sand am Meer" von ihmausgehen soll, daß dieser Nachkommenschaft das Land Canaan zum bleibenden Besitz -soll verliehen werden, endlich daß in der Nachkommenschaft Abrahams sich segnen isollen alle Geschlechter der Erde. Hiernach bestimmt sich das Verlangen, Kinder z« sbekommen, zum „Lauchen des Gottcssameus" (Mal. 2, 15.), der Erbe besten^Vätern zugesagtcn Segens werden soll, und wird jedes Kind, wird namentlich ein jreicher Kindersegen zum Unterpfand, daß Gott seine Verheißungen zur Erfüllung bringt!Der Grund aber zu dem Heilsvolk der Zukunft wird so gelegt, daß die Unabhängigkeit Ider göttlichen Erwählungsgnade von menschlichen: „Wollen und Laufen" thatsächlit!ins Licht gestellt und auf Seiten des Menschen als Bedingung der Glaube gefordert iwird, der nicht sieht aus die Wege der Natur, sondern das Verheißungswort ergreifend >alles von der Macht und Treue des Bundesgottes erwartet. — Welche pädagogische r >Consequenzen sich von diesen Voraussetzungen aus ergeben, wird erhellen, wennnun den Lebcnsgang des Kindes im patriarchalischen Hause verfolgen. - ^
Die mit dem neugeborenen Kinde vorgenommenen Handlungen sind Ezech.16Z-! iangegeben. Die religiöse Weihe des männlichen Kindes lag jedenfalls erst in dci!Beschneidung, die nach 1 Mos. 17, 12. am achten Lebenstage zu vollziehen Mt ;also nach Ablauf der Zeil, in welcher die Mutter (3 Mos. 12, 2.) und darum wohl ^ sauch das von ihr genährte Kind als unrein betrachtet wurde. — lieber den geschicht-: ;
s