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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Naturfilm.

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s ist der Jugend erfreulicher und bildender, als das Lesen ganzer Bände von Natur-" ,'Mdcrungcn. Ist schon eine Anzahl von Anschauungen gewonnen, so hat man sich>u bemühen, sie in das aller-natürlichste System gruppircn zu lassen. Dies ist dieRäumlichkeit, in welcher Pflanze und Thier in bestimmter Gesellschaft vorkommt. Daswilde Gewächs muß in seiner Gebundenheit an gewiße Standorte, das Thier alsBewohner gewißer Ocrtlichkeiten und als Kostgänger bestimmter Pflanzen aufgcfaßtwerden. Dadurch bilden sich allmählich die Vorstellungen von der Heide, dem Sumpfe,dein Hochwalde als farbige Landschaftsbilder im Gedächtnisse. Ein wirksames Mittel,-ur Gewinnung derselben zu verhelfen, besteht darin, daß einem vom (Spaziergängeyeimgekehrten zur Pflicht gemacht wird, seine Begcgnisse an bestimmten Ocrtlichkeiten-u beschreiben und von dort mitgcbrachte Proben vorzuzeigen. Bei solchen Reiseberichtenheben die Eltern Gelegenheit, die Waruchmungen zu ergänzen, zu berichtigen und zuverknüpfen und dem Kinde zur sprachlichen Bemeisterung seiner Sinneseindrückc zuverhelfen. Erst nach solchen Uebungen ist es vor: wahrem Nutzen, naturwissenschaftlicheLaiidschaftsschilderungcn lesen zu lassen, vorausgesetzt, daß dieselben nicht durchEmpfindclci, hohlen poetischen Aufputz oder falsche Flitter von Geistreichigkeit ent-stellt sind.

Früh leite man das Kind zum Beobachten der Vorgänge des Werdens,Wachsens und Vergehens an. Diese Seite der Betrachtung liegt dem kindlichenNatursinne keineswegs fern. Es gelingt leicht, Kinder zur Beobachtung des Wachs-tums der Pflanzen anzuregen, die auch für den Laien ein äußerst dankbares Studiumbietet, weil es das Gemüth mit frommer Ehrfurcht vor dem Walten des unbegreiflichenGesetzgebers erfüllt. Am fruchtbarsten für den Natursinn wirkt eine solche Beobachtungs-Weise, wenn sie an einer Pflanze angestellt wird, die dem Kinde zur Pflege auvertrautist; denn eine solche Pflege fördert auch die gcmüthliche Befreundung, gleichsam densittlichen Verkehr mit der Natur. Geübtere Schüler sollen auf ihren SpaziergängenV zu regelmäßigen Fristen denselben Getreideacker, denselben Obst- oder Waldbaum be-obachten, auch wohl ein Tagebuch über die Jahresgeschichte mehrerer Gartenpflanzenführen; sie sollen im Frühjahre die Knospcnentfaltung, im Herbste die Entfärbung dcSLaubes, das Abfallen der Blätter und Früchte studireu. So werden sie zu dem lehr-reichen Studium übergeführt, welches das Jahresleben der heimatlichen Natur chro-nistisch beachtet und dadurch die großen Gesetze der Periodicität des Eiuzellebens undseiner Abhängigkeit vom Ganzen kennen lernt.

Das Anlegen von Sammlungen, wozu die Kinder meist bloß durch das Vor-I bild Erwachsener Lust fühlen, hat neben seinem Nutzen auch manche bedenkliche Seite.Wohl übt es die Sinne und bildet den Natursinn, die Orduungslust und den Willen;aber die kindische Liebhaberei wird leicht zu rücksichtsloser Habsucht und leerer Eitelkeit,der Tauschvcrkehr verführt zur Schwindelei, die Beschränkung auf ein Gebiet entartetöfter zu verknöcherter Ausschließlichkeit, zur Gleichgültigkeit gegen die lebendige Natur.Taruin ist auch bei an sich harmlosen Sammlungen von Schneckenhäusern, Holzartenund Gesteinen stete Beaufsichtigung nöthig; Sammlungen von Vogeleiern, Käfern undSchmetterlingen sind nur dann zu gestatten, wenn vorausgesetzt werden darf, daß dieNdtung von Thieren nicht das Herz verhärte und daß die Sammlung durch denRath eines Fachmannes wahren bildenden Werth gewinnen werde. Sammlungen, diedas Kind zum Geschenk erhält, haben um so weniger Werth, je mehr sie dem Besitzerdie eigene Thätigkeit des Eintragens und Ordnens ersparen (vgl. S. 151).

Der Familie liegt auch die Sorge für die ästhetische Seite des Natursinnsab. Hier gilt für die Pädagogik dieselbe Regel, die Goethe für die Dichtkunst auf-. Mt:sie muß belehren, aber unmerklich," sie muß mehr durch das Vorbild, als»M'ch Anweisung wirken und die Gunst der Gelegenheit benutzen. Die erste höhere) Hnung vom Schönen geht dem Kinde dadurch auf, daß es die Bewunderung gewart,«che geachtete Erwachsene gewißen Naturdingen zollen. Rückerts poetische Etymologie:I »das Schöne kommt vom Schonen," hat für die Erziehrmg tiefe Wahrheit; die JugendMuß zunächst zur Schonung des Schönen gewonnen werden. Die schöne Blume so- gm, wie den brütenden Vogel lerne das Kind mit zarter Rücksicht behandeln; die zumk'u u ^ gepflückten Blätter und Blumen müßen als Geschenk der Natur Werth ge-»halte» werden. Es ist dieses eine Seite des Umgangs mit der Natur, welche oft den