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2 (1879) Lob - Zuneigung
Entstehung
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Maria Theresia.

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zuschreitcn. Diese Richtung wurde unterstützt und gefördert durch die in der ganzenZeitströmung liegenden weitgehenden Vorstellungen von der Hoheit der Staatsgewalt.— Merkwürdigerweise fanden die staatlichen Bestrebungen auch in der Kirche selbstnichts weniger als Widerstand. Es hatte in Oesterreich nie jene Unabhängigkeit derKirche voin Staate bestanden, die man in der Regel in streng katholischen Ländernvoraussetzt. Und als im Anfang des 18 . Jahrhunderts die alten corporativen Formenauf den: weltlichen und geistlichen Gebiete wankten und vom Staatsleben überflutetwurden, konnte es nicht fehlen, daß man es ganz natürlich fand, wenn die souveraineGewalt alle öffentlichen Thätigkciten concentrirte. Daher die für uns heutzutage kaumbegreifliche, aber damals ganz von selbst sich ergebende Stellung der Kirche zu denSchulreformen einer M. Th., vermöge der wir jene in ihren höchsten Häuptern denForderungen der Kaiserin überall cntgcgenkommen und sich als das willige Werkzeugzur Ausführung derselben darstellen sehen. Es erklärt sich dies nicht bloß aus derAnerkennung der über alle Zweifel erhabenen echt katholischen Gesinnung der Kaiserin,aus der bei allen ihren Reformen obwaltenden Schonung des katholischen Dogmas,sondern auch aus der infolge der vorhandenen Verhältnisse von selbst sich ergebendenNothwcndigkcit, auf einem Gebiete, das Neubildungen und Reformen dringend forderte,der Staatsgewalt ohne HM he Bedenklichkeiten einen breiten Raum zu schaffen.

So waltete denn M. Th. mit großer Freiheit und Ungebundenheit innerhalbdieser Seite des Staatslebcns. In welcher Richtung — das war durch das unmittel-bare praktische Bedürfnis und den Zeitgeist von selbst vorgezcichnet. Es war dieutilitarisch-rcalistische Strömung, der man zu folgen hatte. Und zwar geschah dies inOesterreich und den seinem Anstoß folgenden Ländern in einen: Grade und in einerAusdehnung, wie es in dem protestantischen Theile Deutschlands nirgends der Fallwar. Der Grund davon liegt theils überhaupt darin, daß hier kein Staatsschulwesenin der Bestimmtheit und Schärfe sich ausbildete, wie in den österreichischen Ländern,theils aber und insbesondere darin, daß die katholische Kirche mit größter Willig-keit diesem Zuge folgte, da sie trotz aller rationalistischen Färbungen und Anhängsel(vgl. den Sagan'schen'Katechismus) doch im abgeschlossenen und fertigen Besitz ihresDognias auch damals sich sicher wußte. Wir sehen daher im Schulwesen einer M. Th.unvermittelt mit einer Fülle strengkirchlichen Lehrstoffs eine erschreckende Masse „gemein-nütziger" Kenntnisse in die Schulen eindringen, um die Menschen „der unglückseligenUnwissenheit, in welcher sie bisher ausgewachsen sind, zu entreißen" und dadurch dasWohl des Staats und der Einzelnen auf sichere Grundlage zu stellen.

Damit sind die Grundsätze des österreichischen Schulwesens unter M. Th. ge-zeichnet. Bei der thatsächlichen Gestaltung desselben waren neben ihrer eigenen Personeine Reihe von staatsmännischcn Persönlichkeiten bethciligt. Unter diesen steht voranGerhard van Swieten, durch seine Kenntnisse, sein persönliches Ansehen und dieGunst der Kaiserin der bedeutsamste Mann für die Reform des Studienwesens. AlsMitglied der Studienhofcommission, Präses der Büchercensurcommission, Präfect derHofbibliothek und als Leibarzt der Kaiserin übte er einen mächtigen Einfluß auf dieKaiserin aus, den er von seinem freien — dabei aber doch der französischen Philosophieentschieden abgckehrten — Aufklärungs-Standpuncte aus zur Bekämpfung des Jesuiten-ordens und zur Förderung der modernen Volksbildungstheoricn zu benützen wußte. —Neben ihm sind zu nennen: Johann Anton Ncichsgraf v. Pergen, Staatsministerin Wien, wo wir ihn mit besonderem Interesse die Idee einer gründlichen Hebungdes Volksschulwesens verfolgen sehen..— Franz Carl Kreßel, Freiherr von Quallen-berg, Staatsrath in inländischen Dingen an der Hof- und Staatskanzlei, nahm alssolcher den regsten und eingreifendsten Antheil an den Berathungen über eine ver-besserte Schulordnung; nach Aufhebung des Jesuitenordens Präsident der Studien-commission. — Tobias Philipp Gebier, Staatsrath, entschiedener Freund der neuerenRichtung und Gönner Felbigers; später wirkt, geheimer Rath. — Franz Carlv. Hägelin, war die Seele der niederösterreichischen Schulcommission, welche dieProjectirten Volksschulverbesserungen ins Leben zu führen hatte, bis innere Streitig-keiten bei der Berufung Felbigers seinen Wiederaustritt aus derselben herbeiführten. —Carl Anton v. Martini, Mitglied der Studienhofcommission, später Mitglied derCommission in Angelegenheiten des aufgehobenen Jesuitenordens und als solcher Ver-