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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Mäocheiierziehung.

worden, völlig überflüßig. Es war eben eine Verkehrtheit der Aufklärungsperiode,auch das Tiefste und Geheimnißvollste, das Heiligste und Zarteste aus seinem Dunkelhervorzuziehen und mit den Händen betasten zu wollen. Dieser ganzen ungeschicktenund unzarten, der Keuschheit, die sie wahren will, geradezu gefährlichen Behandlungder Geschlechtsverhältnisse bedarf es überhaupt nicht. Hat das junge Mädchen in derReligionsstunde auf die rechte Weise das sechste Gebot behandeln gehört, so weiß es,daß die Ehe eine heilige Ordnung Gottes ist, an welche die Fortpflanzung des Men-schengeschlechts geknüpft ist. Mehr als dort im Zusammenhänge der religiösen Er-örterung und unter dem Eindrücke der religiösen Stimmung über die Ehe und überden Kindersegen gesagt werden kann, braucht dem jungen Mädchen niemals gesagt zuwerden, und auf andere Weise, als mit dieser heiligen Scheu, soll es auch niemalsden Gegenstand behandeln hören. Treten die ersten Symptome der sich ankündigendenMannbarkeit hervor, so haben diese Erscheinungen für das Mädchen etwas beängstigendes.Die Mutter beruhige zunächst das Kind durch die Versicherung, daß diese Erschei-nungen wohlthätiger Art seien, daß sie auf einer heilsamen Ordnung Gottesruhen, daß sie vorübergehen und daß sie allen weiblichen Personen gemein seien. Hier-mit werden die Mädchen sich zufrieden geben, und wenn mit vorrückendem Alter dasMädchen weiterer Belehrung fähig wird, so weise die Mutter dasselbe auf die hoheBestimmung des Weibes, daß durch dasselbe der Mensch zur Welt geboren werde,wenn Gott die Ehe mit Kindern segne, und sage ihm mit wenigen bestimmten Worten,daß die monatliche Reinigung mit jener großen und heiligen Aufgabe des weiblichenLebens im Zusammenhänge stehe. Alles übrige überlasse man Gott und dem Geisteder Zucht und Ehrbarkeit, der im Hause waltet. Es ist genug, wenn das Mädcheneinen tiefen und bleibenden Eindruck von der Heiligkeit der geschlechtlichen Schrankeempfängt. Im übrigen behandle man das junge Mädchen nicht mehr wie ein Kind.Kommt im Gespräche, in der Lectüre, im Leben etwas vor, was an die Geschlechts-Verhältnisse erinnert, so spreche man es fest und unverhohlen aus, denn es ist GottesOrdnung, aber man schreite ernst darüber hin, wie über eine heilige Stätte. (Vgl.d. Art. Entwicklungsperiode.)

Ebenso wichtig, wie die sittliche Behandlung des jungen Mädchens in dieserPeriode, ist die körperliche Erziehung desselben. Beides greift oft tief ineinander,z. B. in Betreff der Kleidung, welche bei Mädchen noch wichtiger ist, als beiKnaben. Früh schon gewöhne man das Mädchen daran, die höchste Ordnung undReinlichkeit in seinem Anzuge zu beobachten. Ein unreinliches und zerfahrnes Aeußeresläßt mit Recht auf innere Zerfahrenheit schließen. Man bringe dem Mädchen früh-zeitig ein gewißes Ehrgefühl bei, welches sich darauf richtet, daß es nicht bloß indem, was andern sichtbar wird, sondern in seinem ganzen Anzuge, auch inden Unterkleidern, ordentlich und reinlich sei. Auf diesem Ehrgefühle ruht weib-liche Tüchtigkeit. Für die Erhaltung des Ordnungssinnes ist es ferner von höchsterWichtigkeit, daß man die jungen Mädchen daran gewöhne, auf die Reinlichkeit ihrerKleidung selbst zu achten. Die Reinlichkeit hängt sehr innig mit der Sparsamkeitzusammen, denn sie conservirt die Dinge. Ist das Kleid unrein geworden, hat eseinen kleinen Riß bekommen, so werde es sofort gereinigt oder ausgebessert. Ehedas Kleid fortgehängt wird, werde es untersucht und nicht eher aufgehoben, aks bisdie Spuren des letzten Ganges beseitigt sind. Was die ästhetische Seite der Kleidungbetrifft, so stelle man schon dem Kinde Einfachheit des Anzuges als das höchsteund edelste Princip vor. Man mache das Kind aufmerksam darauf, daß das, waswahrhaft gefällt, immer wieder auf diese edle Einfachheit zurückgeführt werden könne.Schon die Forderungen des guten Geschmackes gehen darauf, den Flitter und Tandzu verbannen, das Gesuchte zu vermeiden, die bunte Mannigfaltigkeit, welche dieHarmonie des Ganzen stört, zu fliehen. Durch Ueberladung kann die Schönheit nurverlieren, die Häßlichkeit nur widerwärtiger werden. Es giebt eine weibliche Kunst,die Farben auf angemessene Weise zu gruppiren, durch den Schnitt des Gewandesdas schöne Ebenmaß des Körpers in anmuthiger Weise hervortreten zu lassen und demGanzen der Kleidung jene wohlthuende Harmonie zu verleihen, die sie zu einem Bildeder rechten Weiblichkeit macht. Diese Kunst ist berechtigt, sie stammt aber aus derTotalität des richtig geleiteten Gefühles und wird daher nur von wahrhaft gebildeten