Mlidchcncrziehung.
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erzogenen. Ter tiefste Grund liegt darin, daß das Mädchen, wenn es im rechtenVerhältnisse zur Mutter steht, in dieser eine Vertraute und eine Freundin besitzt, diealle anderen Freundinnen in Schatten stellt. Bildet sich ein engeres Freundschafts-verhältnis zwischen jungen Mädchen, so muß dasselbe ein ernster Gegenstand der Auf-merksamkeit für die Eltern sein. Oft ist ein solches Verhältnis nur der Schein, unterwelchem etwas ganz anderes, als die Befriedigung des liebebedürstigen Herzens gesuchtwird. Tie eine wird durch Reichthum und Eleganz, welche im Hause der Freundinherrschen, die andere durch den heiteren Lebensgenuß, dem man dort nachgeht, un-gezogen. Man suche sich Kenntnis von dem Geiste, der in der betreffenden Familieherrscht, zu verschaffen, ehe man der Tochter den Umgang »erstattet, und hebe den-selben auf geräuschlose Art bald auf, wenn jener Geist kein guter ist. Man halte sichan die Regel, den Kindern lieber im eigenen Hause einen frohen Tag zu machen, alsdie Tochter in fremde Familien zu schicken. Geschieht das letztere, so ist in dem Alterdes Mädchens von 12—15 Jahren noch wichtiger als später, daß es nicht allein gehe.Ist kein Bruder da, der die Schwester begleiten und holen kann, so werde auch mitOpfern dafür gesorgt, daß andere zuverläßige Personen dies thun. Vor allen Dingendulde man im Verkehr der jungen Mädchen keine Heimlichkeiten, denn das Geheimnisist im letzten Grunde immer die Sünde, und wo Mädchcufreundschaften einen exclu-siven Charakter annehmen, da ist cs selten ganz richtig. Je älter das Mädchen wird,desto inniger wird das Verhältnis zum Vater. Ihm kommt es vor allen zu, denedlen Schwung der jugendlichen Seele auf das Schöne, Gute, Wahre zu befördern,und darüber zu wachen, daß des Mädchens Sinn weder von den Sorgen der Häus-lichkeit ganz eingenommen, noch ihnen entfremdet werde. Besonders beaufsichtige erdie Lectüre und lasse die für dieses Alter in mehrfacher Weise gefährliche Lesesuchtnicht einreißen. Was früher von den Beweisen der Zärtlichkeit, später von der Ve-rachtung des Kindes gesagt worden, das gilt auch von dem Grade des Vertrauens,das dem jungen Mädchen gezeigt werden darf. Wie sehr Vater und Mutter die Ver-trauten der Tochter seien, und sie können es nie genug sein, so sehr müßen beide sichhüten, sie zu ihrer Vertrauten zu machen. Nur in einzelnen gehobenen Augenblickenlasse inan die Tochter einen tieferen Blick in die eigenen Absichteil, Sorgen und Ver-hältnisse thun, und die Tochter empfinde es stets als eine Ermunterung zur Treue,als eine erhebende Anerkennung, wenn solche Beweise des Vertrauens ihr gegeben werden.Das ist besonders wichtig in Betreff der Geschwister und der Dienstboten. Dasjunge Mädchen sieht mancherlei, was auch den Eltern entgeht. Mögen dieselben esruhig hinnehmen, auch gelegentlich benutzen, niemals aber die Tochter den Einflußmerken lassen, den sie geübt hat. Auf eine angemessene Entfernung von den Dienst-boten muß schon jetzt gehalten werden. Mail lasse das junge Mädchen so selten wiemöglich mit denselben allein, und gewöhne cs in einem freundlichen und niemals ineinein befehlenden Tone seine Aufträge auszurichteu, trete aber jeder Vertraulichkeitauf das entschiedenste entgegen. Je weiter die geschlechtliche Reife sich entwickelt, destomehr muß dem Mädchen, damit es sich selbst verstehen lerne, vor Beängstigungenbewahrt bleibe und die nöthige Vorsicht anwcnde, ein gewißer Aufschluß überdie Bestimmung des Weibes und über den weiblichen Organismusgegeben werden. Daß dieser Aufschluß in einer ausführlichen Vorlesung über allegeschlechtlichen Beziehungen und über das Ganze der Ehe bestehe, wie Campe inseinem sonst viel gutes enthaltenden Buche: „Väterlicher Rath für meine Tochter"seiner Tochter eine solche hält und sie für uothwendig erklärt, scheint ganz verfehlt. Esist klar, daß über den eigentlichen Vorgang der Zeugung nur in einer Form geredetwerden kann, ohne das sittliche Gefühl zu verletzen: in der Form derWissenschaft. Da diese dem jungen Mädchen unzugänglich ist, so kann über-haupt gar nicht mit ihm der Gegenstand besprochen werden. Man lese dieCampe'sche Auseinandersetzung und frage sich, ob die Neugier des Mädchens, der manvon der „vertrauten und geheimen ehelichen Umarmung, während welcher auf einehöchst wundervolle Weise der zarte Menschcnkeim in dem Körper der Gattin von demGatten befruchtet werde," erzählt hat, wirklich befriedigt und nicht vielmehr aus diegefährlichste Weise geweckt worden ist. Das ganze Reden von Keuschheit und Schamhaftig-keit ist gegenüber dem jungen Mädchen, welches im übrigen in der rechten Zucht gehalten