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2 (1879) Lob - Zuneigung
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Luther.

daß sie ihre Kinder zur Schule halten, weil hier wohl ein ärgerer Krieg vorhandenist mit dem leidigen Teufel."

Es ist bekannt, wie hoch L. das Amt eines Schulmeisters hielt und mit wieherrlichen Worten er den Preis des Lehramtes ausgesprochen hat.Das sageich kürzlich, heißt es in dem gedachten Sermon, einem fleißigen frommen Schulmeister,der Knaben treulich zeucht und lehret, dem kann mau nimmermehr genug lohnen undmit keinem Gelde bezahlen, wie auch der Heide Aristoteles sagt. Noch ists bei unsso schändlich veracht, als sei cs gar nichts und wollen dennoch Christen sein. Undich, wenn ich vom Predigtamt Massen könnte oder müßte, so wollte ich kein Amtlieber haben, denn Schulmeister oder Knabenlehrer sein. Denn ich weiß, daß diesWerk nächst dem Predigtamt das allernützlichste, größeste und beste ist, und weiß dazunoch nicht, welches unter beiden das beste ist. Denn es ist schwer, alte Hunde

bündig und alte Schälke fromm zu machen, daran doch das Predigtamt arbeitet und

viel umsonst arbeiten muß; aber die jungen Bäumlein kann man besser bicgtn undziehen, obgleich auch etliche drüber zerbrechen. Lieber, laß cs der höchsten Tugendeine sein auf Erden, fremden Leuten ihre Kinder treulich ziehen, welches gar wenigund schier niemand thut an seinen eigenen." Auch wollte er, daß keiner zu einemPrediger erwählet würde,er wäre denn zuvor ein Schulmeister gewest. Jetzt wollen

die jungen Gesellen von Stund an alle Prediger werden und fliehen der Schulen

Arbeit. Aber wenn einer hat Schulen gehalten, ungeferlich zehen Jahre, so mag ermit gutem Gewissen davon lassen, denn die Arbeit ist zu groß und man hält siegeringe." Daß Luther auch für die äußere Existenz der Lehrer sorgte und ihre Be-soldung nicht kärglich zugemesscn sehen wollte, beweist die Einrichtung der Schule zuEislebcn, an welcher der letzte Lehrer noch 30 Gulden Gehalt hatte, während derRector mit 200 Gulden bedacht war, einem für jene Zeit erheblichen Einkommen.

Obwohl L. als das Mittel, das Evangelium wieder auf den Plan zu bringen,die Sprachen erkannte, und der Zuschnitt aller Schulbildung auf diese Weise ein ge-lehrter wurde, so erkannte doch auch er tief die Bedeutung eines volksthümlichenUnterrichtes mittelst der Religion und gründete denselben auf die Muttersprache, derer selbst mit schöpferischer Kraft zuerst wieder neue Wege bahnte und deren er sichüberall bediente, wo cs galt, den tiefsten Bedürfnissen des Volkes entgegen zu kommen.Durch Bibel und Gesangbuch, deutschen Gottesdienst mit deutscher Predigt und durchkatechetische Unterweisung sollten die Grundlehrcn des christlichen Glaubens allen ge-mein und zugänglich werden. .Geht aus allen seinen Bestrebungen für den volks-thümlichcn Religionsunterricht seine tiefe Einsicht in die Bedürfnisse unseres Volks-lebens hervor, wie sie vor ihm keiner offenbart hat,, so wurde anderes, was er aufdem Gebiete der Pädagogik erstrebte, theils durch die Denkweise und die Bedürfnisseseiner unmittelbaren Zeitgenossen bestimmt und bedingt; theils blieb cs, da seine Haupt-thätigkeit aus diesem Gebiete nicht zu suchen ist, zu allgemein und hatte vielmehrBedeutung als Keim neuer und weiterer Entwicklungen. Die Geschichte der Pädagogikbezeugt es, wie viele der köstlichsten Früchte aus diesen Keimen erwachsen sind und wiewir immer wieder bei allen principiellen Fragen über Bildung und Erziehung auf denschöpferischen Genius Luthers zurückgewiesen werden.

Daß der Hausstand ein heiliger Stand sei, bewies niemand besser als L.durch das eigene Beispiel. Seine Ehe mit Katharine von Bora war mit 6 Kinderngesegnet, in deren Besitz er sich reicher fühlte als alle päpstlichen Theologen auf derganzen Welt. Er dankte Gott, daß er ihm in seiner Käthe ein freundlich, gottes-fürchtig und häuslich Gemahl geschenkt habe, die er theurer achten müße denn dasKönigreich Frankreich und der Venediger Herrschaft. Hier im Kreise der Seinen ent-faltete der sonst so gewaltige und oft harte Mann das innigste und gemüthvollsteWesen und lernte es immer besser verstehen, daß alle, die in das Himmelreich kommenwollen, werden müßcn wie die Kinder. Wie ihm im Anschauen der Kinder und ihreskindlichen Treibens oft die Ahnung höherer Dinge aufgieng, so machte ihn auch derherzliche und innige Verkehr, m dem er mit ihnen stand, immer geschickter und fähigerzu dem Berufe eines Erziehers und Seelsorgers seines Volkes. Wie er die Spracheder Kinder verstand, das beweisen am besten die unvergleichlich lieblichen Briefe anseinen Sohn Hänschen, sowie das schöne LiedVom Himmel hoch da komm ich her,"