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Lob.
Zöglinge verleiten, alles andere zum Mittel für den letzten Zweck äußerer Anerkennungzu erniedrigen, geht daraus hervor, daß sie eine besondere Belobung auch denjenigenverheißen, welche durch besondere Andacht leuchteten; und wenn sie andererseits außer-ordentliche Andachtsübungcn als Strafe für Vergehen verhängen können, so beweistdies, in wie hohem Grade es ihnen durch ihr Verfahren gelungen ist, selbst das inner-lichste Thun des Gemüthes in ein todtcs äußerliches TLcrk zu verderben. Den er-gebenen Dienern der römischen Gesetzcskirche treten, wie billig, die Pädagogen derphilanthropinischen Aufklärerei zur Seite; denn diese so gut, wie jene, mußten mitäußeren Hebeln sich Helsen, da beiden die innere Triebkraft der aus einem lebendigenGlauben hervorgchendcn heiligen Liebe fehlt. Den Philanthropinen verdanken wir jeneden natürlichen Ehrtrieb überreizende Verschwendung des Lobes in der Schule, dieOrden des Fleißes und der Tugend, die Ehrenkarten, die goldenen und silbernen Ehren-puncte u. s. w. K. F. Bahrdt eröffnet den Eltern, welche seinen: Philanthropin zuHeidesheim ihre Kinder anvertraucn wollen, die angenehme Aussicht, daß sie demnächstin den öffentlichen Blättern Nachrichten lesen sollen, wie die folgende: „Das Philan-thropin meldet allen, welche Seele genug haben, sich über die Bildung eines Menschenzur Tugend zu freuen, daß N. N., der jüngere Sohn des Herrn N. N., zu einer solchenHöhe von moralischer Güte sich emporgcschwungen hat, welche alle seine Lehrer undMitschüler bewog, ihm einstimmig das Ordenszeichcn der Tugend zu crtheilen." Aufeiner Ehrenkarte soll beispielsweise stehen: „N. N. hat einen seiner Mitschüler gerettetdadurch, daß er sich selbst zu einer Schuld bekannte, wegen der jener im Verdachtwar. — Hat auch einem seiner offenbarsten Feinde (!) einen unerwarteten Dienst ge-leistet." Jene Uebertrcibung und Verschwendung des Lobes, wie sie bei Bahrdt :mrohesten und lächerlichsten Extrem erscheint, muß das Streben nach menschlicher An-erkennung in dem Zögling so überspanncn, daß das edlere Streben nach dem göttlichenWohlgefallen dadurch völlig unterdrückt wird. Vielmehr wird die Lmcht nach Lob sosehr die einzige Triebfeder zum pflichtmäßigcn Handeln, daß wo das erwartete Lobeinmal ausbleibt, die Thatkraft sofort erlahmt, und daß andererseits der mit diesemunreinen Mittel bewirkten äußerlichen Pflichterfüllung ein sittlicher Werth kaum zuzu-schreiben ist. Ter Erzieher wird sich also vor einer solchen Jsolirung des Lobes sorg-fältig hüten. Es wäre traurig, wenn die Zöglinge nicht wenigstens aus einzelnenErfahrungen die alles übertrcffcndc Befriedigung könnten kennen lernen, welche in demBewußtsein der Pflichterfüllung als solchem liegt. Tritt dann als das Zeichen derAnerkennung das Lob hinzu, und zwar nicht gerade jedesmal in ausdrücklichen Worten,sondern beschränkt sich der Erzieher in vielen Fällen darauf, durch einen zustimmendenBlick, durch sein gesummtes Verhalten seiner Zufriedenheit ihren Ausdruck zu geben,so wird der Zögling sich daran gewöhnen, das Lob als ein zwar natürliches, abernicht unbedingt notwendiges Zeichen der Zufriedenheit anzusehen, durch welche ihn:zu seiner Ermuthigung sein pflichtmäßiges Verhalten bezeugt wird.
Soll aber das Lob dem Zöglinge ein ermunterndes Zeichen göttlicher Aner-kennung sein, so muß es von solchen ausgehen, welche ihm als Vertreterdes göttlichen Gesetzes gelten können. Als solche sollen die Erzieher den:Zöglinge gelten. Aber nur wenn sie ihres heiligen Berufes sich würdig erweisen, wennder Ausdruck der Freude über die wachsende Tüchtigung des Zöglings das Geprägevoller Wahrhaftigkeit und den rechten Nachdruck aus ihrem eigenen aufrichtigen Strebennach fortschreitender Heiligung empfängt, nur dann können sie erwarten, daß ihr Lobdie richtige Wirkung Hervorbringen werde. Ferner aber müßen auch die Zöglinge darangewöhnt werden, nur solchem Lobe Werth beizulegen, in welchem sic einen Ausdruckdes göttlichen Wohlgefallens erkennen dürfen. Diese Gewöhnung kann sich aber nurbilden, wenn nicht die Erzieher selbst — sei es weil sie überspannte Forderungen audie Kinder stellen, sei es aus natürlicher Unfreundlichkeit, sei es infolge einer falschenAnwendung der Lehre von der natürlichen absoluten Unwürdigkeit des Menschen —auch den natürlichsten und einfachsten Ausdruck der Billigung ihren Zöglingen versagen.Dadurch werden diese getrieben, sich schadlos zu halten, indem sie die Befriedigung dernatürlichen Ehrliebe bei ihren Gespielen oder anderen suchen, welche auch das keines-wegs Lobenswerthe zu loben bereit sind. Mit vollem Rechte hat daher Locke (s. d.Art.) für seine Zeit auf die rechte Benutzung der Ehrliebe in der Erziehung hin-