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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Erholung.

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acht Schuljahren nicht geleistet werden kann, dafs daher die Vertreterdes höhern Mädchenschulwesens schon mit Rücksicht auf das richtigeVerhältnis vom Umfange der Arbeit zum Umfange der Zeit imRechte sind, wenn sie ihre Zöglinge vom vollendeten sechsten biszum vollendeten sechzehnten Lebensjahre beanspruchen.

Man sollte meinen, auch die Ärzte könnten sich dieser Einsichtnicht verschliefsen, und sie würden daher mit ihrer einflufsreichenStimme im Interesse einer mafsvollen geistigen Anstrengung auf dieVerlängerung der Schulzeit dringen, wobei einzelne Ausnahmen nicht ver-gessen zu werden brauchten. Leider ist dies aber nicht allgemein der Fall,und unter Berufung auf den Hausarzt werden die Mädchen, auch wennsie ganz gesund sind, oft mit dem vollendeten vierzehnten Jahre ausder Schule genommen. Für sie geht, wenn die häuslichen Verhältnissenicht ganz ausgezeichneter Art sind, gerade diejenige Zeit, welche füreine tiefer gehende weibliche Bildung die allerwichtigste ist, vollständigverloren; ja es liegt gerade in diesen Jahren die Gefahr besonders nahe,dafs sich der Sinn der Aufsenseite des Lebens, dem Schein und derVergnügungssucht zuwendet. Wollen die Ärzte den Pädagogen nichthelfen, hier Wandel zu schaffen, dann haben auch Klagen keinen Zweck,wie diejenige Klenckes: »Unsere Mädchen haben eine Menge Auf-

regung und Zerstreuung, aber keine Befriedigung; sie zeigen ein be-ständiges Haschen nach den Früchten des Genusses, die vor der Handder Gierigen immer zurückweichen oder in der heifsen Hand zer-schmelzen r ).«

Manche Mutter nimmt ihre Tochter frühzeitig aus der Schule unterdem Vorwände, sie in die Tugenden des häuslichen Lebens einzuführen.In einzelnen Fällen mag diese Redeweise den Namen eines Vorwandesnicht verdienen, aber nicht selten ist der wahre Grund der heifseWunsch, möglichst bald eine erwachsene Tochter zu haben, wozu esdenn auch vortrefflich stimmt, dafs die »Einführung ins häusliche Leben«auf der bekannten Backfischstrafse, die jede Stadt besitzt, sich vollzieht.

Dieselbe Eitelkeit, bisweilen auch die Verlegenheit, der Tochterim Hause eine angemessene Beschäftigung zu geben, wird weiter derGrund zu einem verfrühten Eintritt ins gesellschaftliche Leben. Dasitzen dann die jungen halbentwickelten Mädchen, deren Körper oft noch

') Klencke, Am Webstuhl der Zeit I, 172.Ufer, Nervosität und Mädchenerziehung.

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