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nter »Nervosität« versteht man im engem Sinne die ein-fachste Art der Störungen im Nervensystem, die reizbareSchwäche, ein Zustand, welcher nach dem Vorgänge desberühmten amerikanischen Nervenarztes Beard mit dem wissenschaft-lichen Ausdrucke »Neurasthenie« bezeichnet wird. »Nervousnessis nervelessness, — a lack of nerve-force.« Im weitern Sinne»ist Nervosität ein laienhaft verschwommener Ausdruck; die Krankheits-bilder der Nervenschwäche, der Hysterie und Hypochon driedecken nur zum kleinen Teil diesen Begriff« *); von manchen Ärztenwerden sogar noch bedenklichere Formen geistiger Störungen (Psychosen)hierher gerechnet. Seine Erklärung findet dieser Umstand in der Schwie-rigkeit, die einzelnen krankhaften Zustände, welche untereinander in•engem Zusammenhänge stehen und oft eine gemeinsame Grundlagehaben * 2 ), scharf voneinander zu trennen. Da eine derartige Sonderungfiir den Zweck vorliegender Arbeit nicht unbedingt notwendig ist, sowerden wir den Begriff im weiteren Sinne anwenden.
Obwohl die Zeiten vorbei sind, in denen man Nervosität als harm-lose Einbildung oder als Modekrankheit bespöttelte; in denen Ärztenicht blofs in der Dichtung (wie in Andersens Roman »Nur einGeiger«), sondern in Wirklichkeit über die Klagen nervöser Damenlachten; obwohl uns Schriftsteller wie Wilkie Collins in seinem
*) Krafft-Ebing, Über Nervosität. 3. Aufl. Graz 1884. S. 7.
2) Vgl. Rudolf Arndt in Eulenburgs Realencyklopädie der ges. Heilkunde.
2. Aufl. XIV, 2S7 f.