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Erholung.
herauszutreten. So könnte beispielsweise gelegentlich der Behandlungder Geschichte des dreifsigjährigen Krieges die Erzählung von Cas-pari: »Der Schulmeister und sein Sohn« in den Mufsestunden gelesenwerden. Die Geschichte des deutsch-französischen Krieges würde aufdie »Fröschweiler Chronik« vom Pfarrer Klein hinweisen, der Reli-gionsunterricht auf den obersten Stufen höherer Mädchenschulen aufWallace’s Roman »Ben Hur«. Mit Bezug auf andere Unterrichts-stoffe wäre die Privatlektüre in ähnlicher Weise zu wählen.
So würde die Beschäftigung mit Privatlektüre nicht die verzehrendeGlut der Neugier, sondern nur das milde Feuer des Interesses an sichtragen, und wenn Haus und Schule darauf hielten, dafs nur wenig, dasWenige aber auch bis zum Umsatz in geistiges Eigentum gelesen würde,so wäre eine grofse Gefahr von der Jugend abgewehrt, eine Gefahr,welche gegenwärtig besonders das heranwachsende weibliche Geschlechtin körperlicher und geistiger Hinsicht schwer zu schädigen droht.
Aber nicht allein durch Hausaufgaben und Privatlektüre, sondernauch durch anderweitigen Unterricht, z. B. im Klavierspiel, im Malenund dergl., darf die Zeit, welche eigentlich zur geistigen Ruhe bestimmtist, nicht beeinträchtigt werden. Daher ist dem fast allgemein verbrei-teten Erlernen des Klavierspiels nur eine mäfsige Zeit zuzuweisen, undzwar wiederum nur bei gesunden und in dieser Richtung besondersveranlagten Mädchen. »Denn so sehr es Pflicht der Eltern ist, Talenteihrer Kinder auszubilden, so wenig kann es nützlich sein, bei mangeln-dem Talente eine Kunst zu oktroyieren, die körperliche und geistigeKraft in ziemlichem Mafse in Anspruch nimmt, — blofs um der Modezu genügen. Aus dem zu intensiv oder widerwillig be-triebenen Klavierstudium geht gar nicht selten direktNervosität bei unsern jungen Damen hervor 1 ).«
Vergegenwärtigen wir uns nun angesichts des trotz aller möglichenBeschränkung doch recht umfangreichen Mafses an Wissen und Können,welches die gebildete Frau der Gegenwart besitzen mufs, den von unsoben gekennzeichneten ruhigen, ohne jede Überhastung dahinschreiten-den Unterricht, der durch zahlreiche reichliche Pausen und noch um-fangreichere besondere Erholungszeiten regelmäfsig unterbrochen wird,so leuchtet ein, dafs die Lernarbeit in den gesetzlich vorgeschriebenen
’) Krafft-Ebing, Über Nervosität, S. 35 h