Erholung.
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Charakteristik ... Eine grofse Aufgabe findet an ihr meist einemittelmäfsige Löserin. Wo aber der Stoff so unendlich inhaltslos ist,mufs sich die Erzählung noch platter gestalten; denn aus Käse schlägtman keine Funken. Die Handlung schrumpft, wie gesagt, auf zweiMomente ein: das Leben als naiver Backfisch und als Braut, was reich-lich gerechnet — 100 Seiten gäbe. Da aber eine Clara Cron und Cle-mentine Helm mit 100 Seiten kein Buch schliefst, so mufs sie strecken;sie stopft dann zwischen die epischen Momente lyrische Ergüsse, Re-flexionen und Gefühlsdeklamationen, und die 300 Seiten sind fertig.Tagebuch- und Briefromane, worin Clara Cron eine seltene Unverfroren-heit entwickelt, sind zu dieser Bogenschinderei wie erfunden; denn eshat leider nur allzuviel Wahrscheinlichkeit für sich, dafs junge Mädchenseitenlange Briefe schreiben, ohne etwas zu sagen, und die Tochter einesKommerzienrates nichts Besseres in ihr Tagebuch zu schreiben weifs,als detaillierte Toilettenschilderungen oder die Klatschfraubasereien derKränzchenmitglieder. Und dies platte Geschwätz, dieses Nachäffen er-wachsener Salondamen mit ihrer nichtssagenden Causerie, diese Clau-renschen Mondscheinhelden mit ihrer versteckten Sinnlichkeit, diese gut-mütigen Väter, die nichts zu thun haben, als ihren Mädchen Arm-schmuck und Kleider zu kaufen, diese hysterischen alten Tanten undmännertollen Jungfrauen, die auf den ersten Anblick eines Bartes hinsich verlieben, diese verlogene Empfindelei: das ist die geistige Nahrungunserer zukünftigen Frauen und Mütter. Und wäre den Cron-Helm-schen Büchern zu glauben, so hätte ein Mädchen nichts weiter zu thun,als ins Institut zu gehen und darauf sich heiraten zu lassen:
Hier sitze ich und schneide Speck,
Wer mich lieb hat, hol’ mich weg!
Für einen kleinen Bruchteil des Volkes mag dies gelten, für diegröfsere Menge ist dies fauler Zauber. Wie die heutige Bildung derhohem Töchter vielfach ungesund und reformbedürftig ist, so auch dieLitteratur. Da und dort hat sich das Glitzernde und Fütternde auf Kosten■des Soliden eingenistet. »Die jungen Damen verstanden nach dem Austritteaus der Pension sich anmutig zu bewegen und ein hoffähiges Komplimentzu machen, schwatzten englisch und französisch wie Wasser, tanztenwie die jungen Götter, spielten ein wenig Klavier, sangen ein wenig,malten ein wenig, plapperten mit jedermann, ohne verlegen oder rot zuwerden« (CI. Helm, Lillys Jugend). Das ist noch heute die Quint-