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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
Entstehung
Seite
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Erholung.

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essenz aller Pensionstugenden. Wie aber diese Talmibildung einerechten hindernd im Wege steht, so auch die erotische Unterhaltungs-litteratur unserer weiblichen Federn einer gediegenen Lektüre, welche,statt junge Mädchen vorzeitig alt und nervös zu machen, ihnen Herzund Kopf frisch bade. Und dieser indirekte Schaden, durch das Vor-schieben des Mittelmäfsigen und Verkehrten die Kenntnis des Gutenhintanzuhalten, ist noch gröfser als der unmittelbare. Verliebte Mädchenhaben wir genug; wir möchten aber gern mehr solche, die wir so rechtvon Herzen lieb haben könnten. Dafür haben weder Frau Cron nochFrau Helm, noch ihr Anhang je Sorge getragen. Verehrte Damen 1Wie wäre es, wenn Sie sich für eine Weile der vermeintlichen Erzähler-mission begeben wollten, um von dem verachteten Geschlecht dermännlichen Schriftsteller etwas zu lernen, von Riehl zum Exempel?Und wenn Sie dann endlich einmal in Ihre Orgel eine neue Walze ein-legten, statt des ewigen: »O lieb’ so lang du lieben kannst!«?

Zu der schädlichen Wirkung des Stoffes kommt noch der übeleEinflufs der fieberhaften Hast, mit der gewöhnlich gelesen wird: estritt auch hier die übele Wirkung der bereits erwähnten Blutüberfüllungdes Gehirns ein.

Das hastige Lesen hat aber auch noch in anderer Beziehung eineschlimme Wirkung. Wir wollen gar nicht davon reden, dafs das Kind,welches in fieberhafter Spannung an dem Faden seiner Geschichte derLösung zueilt, Buchstaben und Wörter überfliegt und verwechselt; dafses unterschlägt, errät und fälscht, woher die nicht seltene Thatsacherührt, dafs Schülerinnen, die im achten Jahre vollkommen flüssig lesenkonnten, im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre kaum einen Satz richtigund ohne Stocken vorzulesen vermögen. Viel verhängnisvoller wirktdas Schnelllesen und das damit in Verbindung stehende Viellesen aufdie gesamte Geistesverfassung. »Die Vorstellungen, die eben mit leisenSpuren in der Seele sich angelegt haben, werden, ehe sie sich ab-geklärt, geordnet und festgesetzt haben, schon von einer neuen Reihevon Bildern überzogen. Immer neue Vorstellungen und Erregungentreten hinzu, vermengen, verundeutlichen, verwirren sich. Kein klares,reinliches, frisches Bild bleibt in der Seele zurück. Alles verschwimmtins Nebelhafte 1 ).«

’) Kühner, Pädagogische Zeitfragen, S. 97.