Erholung. 87
Beginne des Unterrichts günstig ist. So eingerichtet, können die Pausenals Zeitverlust entschieden nicht bezeichnet werden.
Die Pause ist auch da innezuhalten, wo man die für sie bestimmteZeit a u s n ah m s w e i s e zu Unterrichtszwecken benutzen möchte. Man darfes sich beispielsweise nicht gestatten, bei Extemporalien die gewöhn-liche Freizeit für geistige Arbeit in Beschlag zu nehmen; denn wenn imruhig fortlaufenden Unterrichte Pausen geistiger Ruhe nicht entbehrtwerden können, so sind sie bei einer Thätigkeit, die sich doch meistensunter einer gröfseren Erregung und mit bedeutenderer Anstrengungvollzieht, im Interesse eines Ersatzes der Nervenkraft erst recht amPlatze. Abgesehen von der Schädigung, welche das Nervensystemdurch Überanstrengung erfahren kann, straft sich die Entziehung derPause auch dadurch, dafs die während der Erschlaffung geleistete Arbeitkeinen sichern Schlufs auf die Befähigung des Kindes zuläfst, — dafsalso der eigentliche Zweck des Extemporales gar nicht erreicht wird.
Ganz besonders ist der erwähnte Punkt von Bedeutung, wenn essich um die R e v i s i o n einer Schule durch die Aufsichtsbehörde handelt.Der Arbeitsumfang des Revisors mufs unter allen Umständen so be-messen sein, dafs letzterer Zeit behält, in aller Ruhe von den Er-gebnissen der Lernarbeit einer Anstalt Kenntnis zu nehmen, falls er im-stande sein soll, in seinem Berichte dem Lehrer und den Schülern ge-recht zu werden. Es dürfen nicht Fälle Vorkommen wie der folgende,über welchen uns von vertrauenswürdiger Seite berichtet wird.
Ein Revisor liefs vierzehnjährige Schülerinnen einer höherenMädchenschule einen Aufsatz fertigen über das Thema: »Was kann dieGlocke von Notre-Dame von der französischen Revolution erzählen?«,eine Arbeit, welche einschliefslich der Vorbereitung zwei volle Stundenunter Wegfall der gebräuchlichen Pause in Anspruch nahm. Natürlichwaren die Mädchen vollständig erschöpft, teils infolge der ziemlich be-deutenden Anstrengung, teils infolge der erklärlichen Aufregung. Nuntrat allerdings eine Pause von zehn Minuten ein, während welcher in Eiledas Frühstück verzehrt werden mufste, was vielen natürlich nicht ein-mal schmeckte. Dann aber wurden die Schülerinnen noch eine volleStunde mit einem Diktat von Bandwurmsätzen aus Jean Pauls »Neujahrs-nacht eines Unglücklichen« beschäftigt. Die Folge blieb selbstverständ-lich nicht aus. Drei schwächlichen Mädchen wurde es übel, und eineviel gröfsere Anzahl vermochte zu Mittag fast nichts zu essen. Die