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Erholung.
tüchtigste Schülerin berichtete dem Lehrer mit förmlichem Schrecken,dafs sie das Wort »Reue« mit einem h geschrieben habe, und als der-selbe seine Verwunderung darüber äufserte, sagte sie durchaus be-zeichnend: »Ich wollte mir das Wort vorstellen, aber es verging mir
vor den Augen; da wufste ich nicht mehr, was ich schrieb, und eswurde falsch.« Übrigens sah der Revisor selber ein, dafs er den Kin-dern zuviel zugemutet hatte. Es wollte aber wenig bedeuten, wenn erfür die folgenden Stunden den Lehrern Nachsicht anempfahl, und andem, was er schwarz auf weifs nach Hause trug, konnte die Nachsichtder Lehrer erst recht nichts ändern.
Wie wohl mancher Lehrer weifs, gehört der mitgeteilte Fall nochlange nicht zu dem Äufsersten, was vorkommt 1
Aber auch wenn die Pausen* innegehalten und in der rechten Weiseverwertet werden, reicht der Vorrat an Nervenkraft für eine geistigeArbeit während des ganzen Tages nicht aus. Daher ist für die geistigeRuhe aufser den einzelnen Pausen noch für jeden Tag eine besonderegröfsere Freizeit nötig. Selbstverständlich darf diese Freizeit nichtdurch die Anfertigung von Hausaufgaben in Anspruch genommen werden,denn letztere strengen das Kind mindestens in gleichem Grade an, wieder Schulunterricht. Bei einer Unterrichtsdauer von achtzehn bis dreifsigStunden pro Woche, je nach dem Alter der Kinder, darf sich die aufHausaufgaben zu verwendende Zeit nur auf eine halbe bis anderthalbe,höchstens zwei Stunden belaufen. Das würde auch den Bestimmungenentsprechen, welche der Minister v. Gofsler betreffs der Hausarbeitender Gymnasiasten getroffen hat.
Ein Punkt, auf welchen zum Teil auch der preufsische Unterrichts-minister in einer Rede im Abgeordnetenhause vom 21. März diesesJahres aufmerksam gemacht hat * 2 ), verdient noch besonderer Erwäh-nung: er betrifft den Unterricht, welcher aufserhalb der Schulzeit vonden verschiedenen Religionsgesellschaften erteilt wird, sowie die Haus-arbeiten, welche mit diesem Unterrichte in Verbindung stehen. Wenndie Sache auch nicht überall so schlimm liegt, wie in Winterthur, wonach den Angaben D a i b e r s 2 ) fleifsige Schülerinnen der obern Klassenwöchentlich auf sechzig bis siebzig Arbeitsstunden kamen, so ist es
*) Nach der Kölnischen Zeitung. 1890. Nr. 81.
2) Erismann, Die Hygiene der Schule, S. 82.