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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Über Unterrichtsstoffe.

Geschwister anzuhalten? Warum schickt die Mutter nicht ein entbehr-liches Dienstmädchen fort und teilt sich mit der erwachsenen Tochterin die Hausarbeit? Hat die Schule zehn Jahre lang den gesamtenUnterricht und ein gut Teil der Erziehung auf ihre Schultern genommen,so soll sie schliefslich auch noch die Verantwortung tragen, wenn dasElternhaus, und das heifst in diesem Falle die Mutter, ihre Pflicht nichterfüllt?«

Will sich die Mutter die Erfüllung dieser Pflicht, die ihr beimbesten Willen niemand ganz abnehmen kann, nicht widmen, so magsie nach der Schulzeit für die Tochter zum äufsersten Notbehelf eineHaushaltungsschule suchen; die höhere Mädchenschule kann sich dieserAufgabe nicht unterziehen; zum wenigsten wird sie erst abzuwartenhaben, welche Erfolge die mit der Volksschule verbundenen neuenHaushaltungsschulen für arme Mädchen erzielen.

Nur eine Bemerkung in der napoleonischen Anweisung scheint unsernster Erwägung wert: »Die Mädchen sollen keine fremden Sprachenlernen«.

Die Fremdsprachen nehmen in der gegenwärtigen hohem Mädchen-schule nicht allein der Zeit nach einen grofsen Raum in Anspruch, son-dern sie stellen unter sämtlichen Unterrichtsgegenständen die höchstenAnsprüche an die Nervenkraft, da sie zum weitaus gröfsten Teile reingedächtnismäfsig erworben werden müssen, was besonders dadurch er-schwert wird, dafs eine vop ihnen schon zu einer Zeit auftritt, wo dieSchülerinnen noch lange nicht die Muttersprache beherrschen, die zweiteaber schon hinzukommt, wenn die Fortschritte' in der ersten noch ge-ring sind. Wenn es wahr ist, dafs die Schule der Nervosität Vorschubleistet, so darf man reichlich die Hälfte aller Übeln Wirkung auf Rech-nung der Fremdsprachen setzen, einmal der schon erwähnten Umständewegen, dann aber auch, weil sie andern durchaus notwendigen Stoffendie Zeit beschränken und dadurch eine Hast in den Unterricht bringen,die mehr Nervenkraft verbrauchen will, als augenblicklich vorhan-den ist.

Und wie begründet man die Aufnahme der Fremdsprachen unterdie Lehrgegenstände der hohem Mädchenschule?

»Diese beiden Sprachen (Französisch und Englisch),« sagt der All-gemeine Lehrplan des preufsischen Vereins (S. 18), »werden erlernt alsein Mittel, durch welches wir mit dem Leben, mit der Denk- und