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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
Entstehung
Seite
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Über Unterrichtsstoffe.

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Empfindungsweise eines Volkes in mannigfache unmittelbare Bezie-hung gebracht werden.«

Nehmen wir einmal an — was durchaus nicht feststeht! — dafsder fremdsprachliche Unterricht in unsern Schulen das Mädchen wirk-lich befähige, ein französisches oder englisches Werk im Original mitmehr Verständnis und Empfindung zu lesen als in einer guten Über-setzung, — wird die spätere Hausfrau davon einen so ausgiebigenGebrauch machen können, dafs es der aufgewandten Zeit und Arbeitlohnte? Wird es den Fremdsprachen nicht noch schlimmer ergehen,als in den meisten Fällen der mit so viel Mühe, Zeit und Geld er-kauften Kunst des Klavierspiels ?

Aber gesetzt auch, wir fänden in irgend einem Salon französischeund englische Klassiker, »latest volumes« der Tauchnitz Edition undeinige der neuesten citrongelben Bände von Uentu oder Calmann Levy,die Revue des deux mondes und Harper’s Monthly — gesetzt ferner,diese Sachen, welche doch zur Vermittelung einer mannigfachen un-mittelbaren Berührung mit dem Auslande nötig sind, zierten nicht blofsden Bücherschrank, sondern würden (teilweise wenigstens) von derFrau des Hauses oder der erwachsenen Tochter gelesen, — wie würdees um die Pflege der deutschen Litteratur stehen? »Viele Beschäftigungmit ausländischer Litteratur,« sagt Begemann in einem trefflichenAufsatze 1 ), »entfremdet die Frau dem eigenen Volke, und ich solltemeinen, wir hätten nach den traurigen Erfahrungen der Vergangenheitalle Ursache, unsere Mädchen zunächst mehr auf das Vaterländischehinzuweisen, als sie zu besondrer Wertschätzung des Fremden zu ver-leiten.« Allein die deutsche Litteratur bietet für die Mufsestundeneiner tüchtigen Hausfrau des Guten mehr als genug, und das wenigeAusländische, dessen Kenntnis etwa wünschenswert wäre, ist auch ver-mittelst der Übersetzung zu erwerben; zum wenigsten rechtfertigt esnicht den Verbrauch an Zeit und Nervenkraft, welcher mit der Erler-nung der Fremdsprachen notwendig verbunden ist.

Wird man durch Erwägungen vorstehender Art, deren Ergebnissedoch auf der Hand liegen, in die Enge getrieben, so sucht man einenAusweg in der Behauptung, der fremdsprachliche Unterricht habe einebesonders formal bildende Kraft. Freilich mehren sich auch schon

') Zeitschrift für weibl. Bildung 1887, S. 65.