Über Unterrichtsstoffe.
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Wir wissen es wohl, der naturkundliche Unterricht, sonderlich in-sofern er über die unmittelbar praktischen Bedürfnisse hinausgeht, istvielen ein Dorn im Auge; man fürchtet sich vor den »gelehrten Frauen«.Obschon es mit der Gelehrsamkeit noch gute Wege hat, möchte esdoch nicht überflüssig sein, auch in dieser Beziehung einmal an dasnicht ganz der Wahrheit entbehrende Wort des alten Addison zu er-innern: »If the female tongue will be in motion, why should it not
be set to go right ? Could they discourse about the spots in the sun, itmight divert them from Publishing the faults of their neighbours; couldthey talk of the different aspects and conjunctions of the planets, theyneed not be at the pains to comment upon oglings and clandestinemarriages« T ).
Was die Handarbeiten anlangt, so beschäftigen wir die Mädchendamit allerdings nicht während drei Viertel des Tages — wie es Na-poleon anordnete — denn dazu haben wir keine Zeit und sie nicht dienötige körperliche Widerstandskraft. Aber sie lernen nicht »nursticken * 2 )«, sondern auch flicken und stricken, und wenn sie später wieHasemanns Töchter gewebte Strümpfe tragen, so ist dies nicht dieSchuld der Schule. Besuchen sie dieselbe bis zum vollendeten sech-zehnten Jahre, so vermögen sie auch für Kinder Weifszeug und Kleiderzuzuschneiden, wohl auch nicht allein für Kinder.
Es wäre dringend zu wünschen, dafs man endlich einmal aufhörte,die Beschuldigung einfach nachzusprechen, die höhere Mädchenschuleverderbe die Tüchtigkeit fürs häusliche Leben. »Ich gebe gern zu,«sagt Büchner 3 ), »dafs den Mädchen bis zum Verlassen der Schule,also etwa bis zum vollendeten sechzehnten Lebensjahre, wenig, meinet-wegen keine Zeit für häusliche Beschäftigung übrig bleibt; aber dieMädchen heiraten doch nicht mit sechzehn, sondern bestenfalls etwamit zwanzig Jahren. Geben wir sogar noch ein Jahr für den Aufent-halt an einer auswärtigen Aufpoliranstalt, genannt Pension, zu; und inden noch übrigen drei Jahren sollte eine verständige Mutter nicht Zeithaben, ihre Tochter zu allerlei häuslichen Handreichungen in Kücheund Bügelstube, in Reinhaltung der Wohnung und Wartung der jüngeren
’) Addison, Learning, proper for women (Guardian, Sept. 8, 1713).
2 ) Pelman a. a. O. S. 29.
3) Zeitschrift für weibliche Bildung 1889, S. 487.