38
Über Unterrichtsstoffe.
-
worden ist. Wollte man einmal ernstlich daran gehen, für Mädchen-schulen kulturhistorisches Material zu sammeln, so würde man ein sehrnützliches Werk thun. Insbesondere würde dann auch die Frau in derGeschichte zu ihrem Recht kommen, nicht blofs da, wo es sich umHaupt- und Staatsaktionen handelt, sondern auch da, wo ihre Thätig-keit im Stillen, in engen und kleinen Verhältnissen Segen gestiftet hat..Unter diesem Gesichtspunkt würde sich auch die neueste Geschichtefruchtbar erweisen; man würde da nicht nur von Krieg und Kriegs-geschrei hören, sondern auch von der aufopfernden christlichen Liebes-thätigkeit einer Amalie Sieveking, einer Elisabeth Frey, und die Mäd-chen würden die Arbeit jener Frauen als ein Vermächtnis ansehen,lernen, das sie zu bewahren, zu mehren und fruchtbar zu machenhaben. Dadurch würden sie auf ihren naturgemäfsen Anteil an deröffentlichen (socialen) Arbeit der Gegenwart hingewiesen, welchen Lo-renz von Stein in seinem schon erwähnten Buche über die Frau so.trefflich gekennzeichnet hat.
»Den älteren Zöglingen,« sagt Napoleon weiter, »kann man einwenig Botanik lehren oder (1) sie einen kurzen Kursus in der Physik undNaturgeschichte durchmachen lassen, und sogar dieses kann schon seinenNachteil haben. In der Physik hat man sich darauf zu beschränken,dafs grobe Unwissenheit und blödsinniger (!) Aberglaube vermieden wird,und sich an die Thatsachen zu halten, ohne Erklärung derselben, diedirekt oder indirekt zu den ersten Ursachen führen würde.«
Wenn es Pelm an nicht verschmäht hätte, sich in der Litteratur desMädchenschulwesens etwas umzusehen, so würde er wohl gefunden haben,dafs unsere Zeit auch betreffs des naturkundlichen Unterrichtes vonNapoleon nur wenig lernen kann. Es gab zwar eine Zeit, und zwarin der Mitte der siebenziger Jahre, wo man eine falsch verstandene undfalsch angebrachte Wissenschaftlichkeit in den naturkundlichen Unterrichtder Mädchenschule zu bringen suchte. Gegenwärtig aber verwechseltman die Physik nicht mit der Metaphysik; man steuert nicht blofs derUnwissenheit und dem Aberglauben, sondern man hat beim naturkund-lichen Unterrichte auch die künftige Hausfrau im Auge. Sogar die»Heil- und Arzneikunde 1 )« geht nicht ganz leer aus, und der »einfachenKüche 2 )« geschieht kein Schade.
’) Pelman a. a. O. S. 31.
2 ) Pelman a. a. O. S. 32.