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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Über Unterrichtsstoffe.

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besonders wenn er mit einem umfassenden Auswendiglernen verbun-den ist.

Verständiger und notwendiger wäre es gewesen, wenn Pelm anvor dem übermäfsigen Auswendiglernen religiöser Stoffe gewarnt hätte,denn in dieser Hinsicht mufs nicht nur in dem von geistlicher Seiteerteilten Konfirmandenunterrichte, sondern auch in der Schule noch viel.geschehen, bis der Vorwurf der Überbtirdung keine Berechtigung mehrhat. Auch der Allgemeine Lehrplan des preufsischen Vereins für dashöhere Mädchenschulwesen hat sich in dieser Hinsicht einer Unterlas-sungssünde schuldig gemacht.

»Die Zöglinge erhalten ferner Unterricht im Rechnen,« fährt Na-poleon in seinem Schreiben fort; es möchte aber schwer anzugebensein, was die gegenwärtige Mädchenschule aus diesen Worten lernensoll. Auch Pelm an sagt nicht, was er an unserem Rechenunterrichteauszusetzen hat.

Wir wollen indessen gern gestehen, dafs hier noch lange nichtalles in Ordnung ist. Der Irrtum l ), dafs der Verstand einem Messergleiche, welches, einmal geschliffen, überall verwendbar sei, läfst nochimmer die Mathematik nach Dinters Ausdruck als den »vorzüglichstenSchleifstein des Geistes« gelten, und infolge dessen wird auch nochvielfach in Mädchenschulen die Nervenkraft an schwierigen, hinterlistigenAufgaben vergeudet, und zwar ganz nutzlos vergeudet, da sich derartigeAufgaben im Leben gar nicht wiederholen. Fast ebenso anstrengendund nutzlos ist das Abmühen mit grofsen Zahlen, mit möglichst vielenVerfahrungsweisen beim Aufsuchen des Hauptnenners, bei Regeldetri--aufgaben u. dergl. Durchsichtige Aufgaben mit kleinen, im Leben derFrau wirklich vorkommenden Zahlenverhältnissen unter Anwendung viel-leicht nur einer einzigen, aber bis zu vollständiger Sicherheit zu üben-den Auflösungsweise ausgerechnet, — das ist der Mädchenschulegemäfs.

Wird schon auf diese Weise die Last, als welche das Rechnen inder Mädchenschule bislang empfunden worden, bedeutend vermindertund zugleich einträglicher gemacht, so geschieht dies in noch höheremGrade durch die zweckmäfsige Wahl der Aufgabenstoffe, wie dasH. Wendt in seiner lehrreichen Arbeit über die Sachgebiete des Rech-

i) Vgl. dazu Ackermann, Die formale Bildung. Langensalza 1889.

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