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Nervosität im Kindesalter.
paroxysmen mit Zuschlägen, Kratzen, Beifsen gefolgt, die aber alsbaldwieder dumpfer Trägheit weichen« ').
Was bereits früher über die Kennzeichen der Nervosität bei Er-wachsenen gesagt worden ist, gilt auch hier: das Vorhandensein oderFehlen eines oder einiger Merkmale verbürgt nicht durchaus einenkrankhaften oder gesunden Zustand. Das Augenmerk ist vielmehr aufgröfsere Gruppen von Symptomen zu richten. Eine Krankheit istimmer ein komplizierter Vorgang, der nie durch ein einziges Symptomgedeckt wird; das gilt auch von der Nervosität. »Nur im Zusammen-halt und gesetzmäfsigen Zusammenhang der Symptome, bei richtigerKombination und Interpretation der disparaten Erscheinungen, bei ein-gehendem Studium ihrer Aufeinanderfolge und gegenseitigen Verknüpfunggewinnt das Einzelsymptom Wert und Beachtung« * 2 ). Daher kann dasrichtige Erkennen des Übels nur die Folge einer umfangreichen Be-obachtung sein, deren jedesmalige Ergebnisse von den einzelnenLehrern sorgfältig niedergeschrieben und von Zeit zu Zeit zusammen-gestellt werden müssen. Die Beobachtung hat sich selbstverständlich nichtnur auf die Zeit zu beschränken, welche das Kind im Klassenzimmer ver-bringt; sie mufs sich auch auf den Spielplatz und die Strafse erstrecken,ja Mitteilungen über das Leben und Treiben des Kindes im Hause, so-wie über die Gesundheitsverhältnisse und die Lebensweise der Eltern,Grofseltern und weitern Anverwandten als wertvolle Ergänzungen auf-nehmen. Ziller hat in seinen »Materialien zur speciellen Pädagogik«für allgemein pädagogische Zwecke sehr empfehlenswerte Gesichtspunktezur Bewirkung derartiger Aufzeichnungen angegeben 3 ), aber trotz seinerAusführungen über die angeborene Anlage in der »Allgemeinen Pädago-gik« 4 ) den letzten von uns namhaft gemachten Punkt unbeachtet gelassen.
So erhält man Kinderbilder, welche behufs richtiger Behand-lung der Gesunden höchst nützlich, der Kranken aber ganz unent-behrlich sind. In schlimmem Fällen kann die Schule sogar dem Nerven-ärzte das Material über ein in dessen Pflege gegebenes Kind odereinen Erwachsenen zur Verfügung stellen und ihm so eine raschere undsichrere Beurteilung ermöglichen, als er sie auf Grund ausschliefslich
') Emminghaus, Die psychischen Störungen im Kindesalter, S. 134h
*) Krafft-Ebing, Lehrbuch der Psychiatrie. 2. Aufl. I, 261.
3 ) Ziller, Materialien zur speciellen Pädagogik. 3. Aufl. S. 281 f.
4 ) Ziller, Allgemeine Pädagogik. 2. Aufl. S. 53 —98.