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Nervosität und Mädchenerziehung in Haus und Schule
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Nervosität im Kindesalter.

IS

Jugend an zeigen sie Neigung zur Lüge, zum Stehlen, und wenn siearbeiten, geschieht dies nur aus Laune oder stofsweise. Sie sind immerundiscipliniert und bilden die Verzweiflung ihrer Eltern und die Qualihrer Lehrer. Sie sind wehleidig, geben sich jedem Schmerze mafsloshin; andernfalls bleiben sie bei Freuden und Leiden unempfindlich undfinden eine erschreckende Freude an Tierquälerei. Dabei sind die in-tellektuellen Fähigkeiten oft gut entwickelt; sie lernen rasch, und ihraufsergewöhnliches Gedächtnis behält alles. Später aber, wenn sie indas Alter der Pubertät treten, verschwinden ihre glänzenden Fähig-keiten plötzlich, ihre geistige Entwickelung bleibt stehen, ihr geistigesWachstum ist beendigt« 1 ).

Emminghaus erwähnt einige Merkmale, welche vorzugsweisefür den Lehrer von Bedeutung sind. »Allmählich, meist innerhalbeiniger Wochen, selten binnen wenigen Tagen, fällt, ohne dafs dasKind von selber Klagen äufsert, Veränderung seines geistigen Ver-haltens auf, Mangel an Lust und Fähigkeit, allein oder mit anderenKindern zu spielen, Mangel an Neugierde und Gesprächigkeit, anInteresse für Erzählungen, Abnahme der Eitelkeit, des Egoismus,Verschwinden der Fleiterkeit, des Übermutes. In der Schule wirdUnaufmerksamkeit, schlechtes Begreifen neuer, unsicheres Wissen be-reits gelernter Gegenstände bemerkt. Unverhältnismäfsig lange Zeitbraucht das Kind, um seine Schularbeiten zu fertigen; es vollendet die-selben gar nicht, oder unsauber und schlecht. Fragen werden öfter über-hört als beantwortet, vielleicht auch ganz mechanisch wiederholt; Mur-meln abgebrochener Sätze, das Stellen abrupter Fragen unterbrechendas meist beobachtete düstere Schweigen. Am Tage zieht sich daskranke Kind gern von Eltern und Spielgenossen in ein nahe gelegenesZimmer zurück, es verkriecht sich in Ecken, wird öfter in liegenderPosition getroffen, oder es hält sich aufserhalb des Hauses im Freien,in Nebengebäuden, nie ganz weit von andern Menschen auf. AufZurufen kommt es zögernd und scheu herbei und zeigt sich verlegen vorden nächsten Angehörigen, oder träumerisch zerstreut. Bei Dunkelheitdagegen will es nie allein sein. Ermahnungen, Vorwürfe, Strafen, Necke-reien der andern Kinder wegen des veränderten Verhaltens sind vonStillschweigen, der Erklärung: »ich kann nicht anders«, hie und da

von Verzweiflungsausbrüchen mit heftigem Weinen, ja von Zornes-

J ) Angeführt bei Berger, Die Nervenschwäche, S. 22 f.