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Nervosität im Kindesalter.
dieser Seite kommen, klingt es nicht selten heraus, wie aus einer be-kannten Abhandlung Rousseaus: »Gehet in die Wälder, und werdet
Menschen«.
Die Arbeit Pelm ans ist unseres Wissens die einzige, welche sicheingehender mit dem Kapitel »Nervosität und Erziehung« beschäftigt.Ob sie nun die richtige Mitte hält und so eine nachhaltige förderndeWirkung erhoffen läfst, oder ob auch sie nur als einer der vielen Vor-stöfse zu betrachten ist, die das einzige Verdienst haben, die Sacheimmer wieder in Erinnerung zu bringen, möge sich aus dem weiternVerlaufe unserer Ausführungen ergeben.
Wir beschränken uns auf die Erziehung der Mädchen, weil unsdieser Gegenstand beruflich nahe liegt; überdies tritt die Nervenschwächebei dem weiblichen Geschlechte als dem physisch schwächeren und zahl-reicheren körperlichen Störungen ausgesetzten am häufigsten und heftigstenauf, endlich ist es sehr wahrscheinlich, dafs sie sich von der Mutterviel häufiger auf die Nachkommen vererbt, als vom Vater 1 ).
In erziehlicher Hinsicht ist eine ganz besondere Sorgfalt denjenigenKindern zu widmen,' bei welchen die Folgen erblicher Belastung schonfrühzeitig hervortreten. Der berühmte französische Irrenarzt Le Granddu Saulle äufsert sich über die allerdings mit Vorsicht aufzunehmendenKennzeichen der Nervenschwäche bei erblich belasteten Kindern, wie folgt:
»Die Kinder sind anscheinend ganz gesund, höchstens fällt einegewisse reizbare Schwäche auf; sie bleiben gesund, so lange nur ganzbescheidene Ansprüche an ihre Leistungsfähigkeit gestellt werden. Siesind leicht erregbar, dabei energielos, zu Krämpfen geneigt; sie schlafenunruhig, nachtwandeln oft. Später fällt eine besondere Neigung zumDelirieren auf; geringes Fieber, gemütliche Erregungen reichen hin, umsie ins Delirieren zu versetzen. In der Entwickelungszeit treten, wäh-rend das Geschlechtsleben auffallend früh erwacht, geistige Absonder-heiten und geschlechtliche Unarten auf. Sie sind phantastisch, unbe-greiflich , neigen zu Hallucinationen, zeigen unbegründete Sympathienund Antipathien , unterliegen plötzlichem Stimmungswechsel. Beischwerer Belastung tritt oft schon früh eine Entartung des Charaktersin den Vordergrund: die Kinder sind zanksüchtig, aufbrausend, faul,
neigen instinktiv zum Schlimmen, sind grausam, stolz. Von frühester
■) Ein minghaus, Die psychischen Störungen im Kindesalter, S. 33.