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Wesen der Nervosität.
z. B. Speisen, welche dem Gesunden Genufs bereiten, Ekel erregen,dafs Wohlgerüche widerliche Empfindungen auslösen; dafs hingegenwiderliche Speisen und Gerüche Genufs verursachen.
Endlich treten Sinneserscheinungen vollständig ohne äufsere Reizeauf. Es funkelt dem Kranken vor den Augen; er ist unfähig, kleinereGegenstände genau zu betrachten, weil ihm scheinbar fliegende Mückenden Blick beeinträchtigen; er vernimmt Geräusche, die nicht vorhandensind, empfindet Kribbeln in den Fingerspitzen und hat oft ein Gefühl,wie wenn ihm Ameisen über die Haut liefen.
Die übermäfsige Empfänglichkeit der sensiblen Nerven bedingtauch eine gesteigerte Thätigkeit der motorischen. Daher zeigen Ner-vöse auch äufserlich ein unruhiges Wesen und haben nicht selten unterkrampfartigen Reflexbewegungen zu leiden.
Jede Nervenerregung bedingt einen Verbrauch an Nervenkraft; jegröfser die Zahl und die Heftigkeit der Erregungen, um so gröfser derVerbrauch. Da nun bei einem überempfindlichen Nervensystem dieErregungen so heftig und schnell nacheinander eintreten, dafs der Er-satz der Nervenkraft mit dem Verbrauch nicht gleichen Schritt haltenkann, so mufs sich mit der Zeit ein Erschöpfungszustand einstellen.Daher kommt es, dafs die gesteigerte Reizempfänglichkeit nicht seltenin das Gegenteil übergeht; es sind dann besonders starke Reize er-forderlich, um die stumpfen Nerven anzuregen. Man denke nur an denüberreizten Gaumen, der erst durch pikante Brühen und scharfe Ge-würze wieder genufsfähig wird 1 ).
Zeitweilig tritt infolge der Nervenüberreizung sogar vollständigeUnempfindlichkeit (Blindheit, Taubheit u. s. w.) ein (Zustand der An-ästhesie), und die motorischen Nerven versagen ebenfalls den Dienst,wie bei gewissen Lähmungen. Körperliche Schwächezustände stellensich ganz besonders dann ein, wenn die Krankheit ihren Sitz vor-zugsweise im Rückenmarke hat, während die übrigen genannten Kenn-zeichen sich dann bemerklich machen, wenn Neurasthenia cerebralis,ein krankhafter Zustand des Grofshirns, vorliegt 2 ).
') Über die wesentlichen Bedingungen der Nerventhätigkeit siehe besondersHerbert Spencer, Principien der Psychologie. Deutsch von.Vetter. I, 69 fF.
2 ) Siehe Paul Berger, Die Nervenschwäche. Berlin 1889. Steinitz’ Verlag.