Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
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Französische Sprache.

Vor anderen Schulmännern haben Schmitz und Bencke, Plötz und Toussaint-Langenscheid dahin gewirkt, daß diese Grundansichtcn Geltung und Verbreitung erlang-ten. Sic haben um so Verdienstlicheres geleistet, als sie zu ihren Beweisen von derNothwendigkeit einer guten Aussprache noch die offene Darlegung der Schwierigkeitderselben fügten. Ihr Hcmptvcrdienst in dieser Sache besteht jedoch darin, daß sie selbervorzügliche Lehrmittel verfaßten, in welchen die gute Aussprache mit eingehender Sorg-falt gelehrt, ja was noch mehr, in besonderen abgestuften Uebungen exercirt wird. Fürdie Behandlung dieser L-ache in unseren Schulen gelten heutzutage nun etwa folgendeGesichtspuncte.

u) Nichts ist trügerischer als die Meinung, es brauche nur eine kurze theoretischeAnweisung, dann komme die gute Aussprache nach und nach von selber. Leider kommtsie nicht, auch wenn der Lehrer von Stunde zu Stunde ein gutes Beispiel gicbt; da-gegen vernimmt man sowohl in der Lectüre als auch beim Componireu von Seitendes Schülers ein unaufhörliches Stocken und Zerren in der elementaren Mundarbeit,und von Seiten des Lehrers fast bei jedem Satz ein Unterbrechen, weil die zu un-leidliche Aussprache verbessert werden muß. Spätere Belehrung ist aber fast immereine verspätete; rechtzeitige Angewöhnung kann in den meisten Fällen ein Tüchtigeserzielen.

b) Wie schon bemerkt, die französische Aussprache ist uns nicht angeboren undvon selber kann sie niemand weder in Nord- noch in Süddeutschland; wir bringenauch die Fertigkeit, die französischen Laute hervorzubringen und' französische Wörterund Sätze gut auszusprechen, nicht von unserem hochdeutschen oder vom lateinischenUnterricht mit in den französischen; im Gegentheil, durch die uns angeborene undanerzogene Mundart sowohl, als durch die Schulsprache kommen wir zu AuSsprache-weiscn, die im Französischen meistens nichts taugen. Woher rührt das? Einesthcilsvon der Achtlosigkeit, ja Nachläßigkeit, mit der das Hochdeutsche ziemlich allgemeinvon uns ausgesprochen wird, wodurch aber der Sinn für sprachliche Laute nicht seltenganz ungeweckt oder doch ungebildet bleibt; andcrntheils daher, daß bei uns Deutschendie Aussprache überhaupt meistens einen Charakter hat, von dem ans es schwer ist,das Französische gut d. h. französisch auszusprechen. Um dies des Näheren darzu-thun, wollen wir der ganzen Aussprachefrage in der Schule selbst näher treten. Haltenwir uns vorerst das Wort als bloßes Lautgebilde vor. Ist es da nicht Auf-gabe des Sprechenden, alle einzelnen Laute, Vocale und Konsonanten, Diphthongenund Consonantenverbindungen, deutlich, rein und klar hervorzubringen, so daß keinerleiUngcnauigkeit, Verwechslung und Verschwommenheit bemerkt werden kann?

Wie lösen nun unsere Schüler diese Aufgabe zunächst im Gebiete der französischenVocale? Wer immer Ohren hat zu hören und Französisch kann, dem sagt die täglicheErfahrung, daß es eine Täuschung ist, zu meinen, als ob die Vocale u, s, i, o, oukeinerlei Veranlassung zu Ausstellungen geben könnten, und als ob nur auf 6 und nsich das Fehlerhafte beschränke. Man findet vielmehr, daß die ganze französische Vocal-reihe in unsrer Schüler Munde mehr oder minder vom Tadel getroffen wird, weil siedieselben eben in der fremden Sprache so darstellen, wie sie es in unserer Muttersprachezu thun gewöhnt sind, d. h. mit allerlei Abweichungen vom reinen schriftgemäßenLaute. Zunächst bemerken wir da die Neigung, volltönende Vocale nur geschmälerthörbar werden zu lassen, oder gar zu verschlucken. Daher hört man in den Schulenstatt unxuruvkmt nur uuparvuut, statt ässlürsr nur ä^riisrsr, statt linir ein ksnir,statt äsilrut ein äsissut. Man ist auch geneigt zu sagen nmtrnsl, oonvrsutiou,strnsi, andererseits impörriui, imprutik, trsssor, tu vsrrits, Io xsnsrui. Beson-ders aber wird das kurze trübe s, der tonlose Silbenauslaut, wenig beachtet odermisverstanden, und infolge davon treten allerlei unrichtige Vocale dafür ein. Vorallem geschieht dies in 1s, es, js, ms, ts, ss, ns und ^us; insusr lautet dann insnner,vsusr entweder vsnsr oder vsnnsr; äsvunt spricht man Lsvunt, und so In Isssou,in msssurs, rsiutik, es «ins. Allermeist kommt jedoch die Abneigung gegen u undsu, diese Vocale der vorderen Mundhöhle, zur'Geltung, und dann lautet es in derfranzösischen Stunde unausgesetzt: ti ns, ti ss, ti ns rsnäi, ütir, ig, vsrti, prsmmisrvsnni, xrsmmisr moulli; vis, js vs, is xspis, iisrs und in jsnnssss. DiesemHauptübelstande reiht sich noch einer an, der nämlich, daß wir so oft den reinen Vocal