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Lehrplan.
der großen Mannigfaltigkeit der localen Verhältnisse, z. B. der Zahl der Lehrer undder Schullocale, unter Leitung der Bezirksbehördcn die Localschulbehörden in Gemein-schaft mit den Lehrern das Einzelne anordnen. Es sei insbesondere eine Unmög-lichkeit, für die Volksschulen eines Landes Einen Lectionsplan zu fertigen. Es könn-ten nur die wesentlichen Pensa aufgegeben werden. — Neuerdings ist die Tendenz zurAufstellung von Normallehrplänen für die Volksschule in aufsteigender Linie begriffen.Für die Elementarschulen gab es in Preußen keinen allgemeinen Normallehrplan.Jetzt dienen anstatt eines solchen die „Allgemeinen Bestimmungen für das Volksschul-wesen n. s. w." v. 15. Oct. 1872. In Württemberg ist in Geltung der „Normal-lehrplan für die cinclassige Volksschule" v. 21. Mai 1870.
Von dem Inhalt der Lehrpläne für die verschiedenen Schulen und Unterrichts-zweige handeln die diese betreffenden Artikel. Hier kann nur noch von einigen allge-nreinen bei der Entwerfung von Lehrplänen zu beachtenden Grundsätzen die Rede sein.
Vor allem ist bei der Aufstellung eines Unterrichtsplanes das Ziel des Unterrichtsfest ins Auge zu fassen. Wird dies in einem gewissen Umfang und Grad des Wis-sens gesehen, so wird der Plan vorzugsweise auf Mitthcilung von Kenntnissen ein-gerichtet werden. Will man dagegen einen erziehenden Unterricht, so wird mansich beim Entwerfen des Plans immer die Persönlichkeit des zu bildenden Individuumsgegenwärtig erhalten und daran denken, wie auf diese die verschiedenen neben einanderund nach einander zu treibenden Lehrgegenstände wirken werden.
Es kommt zunächst auf das richtige Nt eben ein ander an. Das Maß desselbenwird bedingt durch die Kraft des jugendlichen Geistes. Je größer aber der Umfangund die Mannigfaltigkeit des zu gleicher Zeit zu Lernenden ist, desto sorgfältiger mußinan auf die Einheit in der Mannigfaltigkeit Bedacht nehmen und für innere Ver-knüpfung der Lehrgegenstände und ihre Beziehung auf einander sorgen. Auch wenndas Maß der Kraft nicht überschritten wird, erzeugt ein ungeordnetes, buntes Vielerleioberflächliches Wissen, nicht wahre Bildung. Ebensowenig wird diese durch einseitigeBeschränkung erreicht. Dem Grundsatz Ratichs gegenüber: „Nicht mehr denn einerleiauf einmal!" bemerkte mit Recht ein Bericht von vier Jenenser Professoren 1614 überdessen Didaktik: „Die Mannigfaltigkeit der Lectionen sei zweierlei, eine confuse, dieandere aber eine geordnete; diese sei nicht schädlich, weil sie aus Einheit des Wissensgerichtet sei." Die in neueren Zeiten stärker geforderte und durch Erfahrung vielfachals schädlich erkannte Vermehrung der Lehrgegenstände veranlaßte zahlreiche Erörte-rungen darüber, wie bei der unabweislichen Vielheit der Gegenstände die Richtung aufdie Einheit, nicht bloß des Wissens, sondern der ganzen Bildung, zu bewahren sei.Man suchte für den Lehrplan nach einem Mittelpunct, um den sich die ganzeMasse des gleichzeitig zu Erlernenden conccntriren solle (s. den Art. über Con-centration). In den Lehrplänen der Volksschulen und der Gymnasien ist es mehrgelungen, dem Grundsatz der Concentration Geltung zu verschaffen, als in denen derRealschulen. — Zu dem Nebeneinander, das durch den Lehrplan bestimmt wird, gehörtaußer den Lchrgcgenständen und der Stundenzahl des Classenunterrichts im ganzenauch das Maß der häuslichen Schularbeiten (s- d. Art. Aufgaben). — Wiedie Bestimmungen des Lehrplans im einzelnen ausgeführt werden, hängt von den Leh-rern ab, denen zur Bewahrung des innern Zusammenbangs und rechten Maßes indem, was der einzelne Schüler zu gleicher Zeit zu treiben hat, gegenseitige Verstän-digung, cinmüthiges Zusammenwirken, Unterordnung der Forderungen des einzelnenFaches unter den Zweck des ganzen Unterrichts nicht genug empfohlen werden kann.Befördert wird diese Einheit durch das Classensystem (s. den Art.).
Aber der Lehrplan hat auch auf ein richtiges Nacheinander zu achten. Dienothwendige Rücksichtnahme auf die Befähigung der Lehrer, von denen nicht jeder injeden: Fache unterrichten kann, und auf die Kontinuität des Lehrganges in den einzelnenFächern fordert oft, daß derselbe Lehrgegcnstand in mehreren aufeinanderfolgenden Classenin dieselbe Hand gelegt werde. Je weniger das aber durch alle Classen geschehenkann, will man nicht den großen Nutzen, den das Classensystem für die Erziehung hat,verlieren, desto genauer hat der Lehrplan die Classcnpensa für die einzelnen Fächer zubestimmen, damit in jedem ein stetes, stufenmäßiges, nicht übereiltes und nicht zu lang-sames Fortschreiten stattfinde. Sofern der Lehrplan die Stufen des Unterrichts zu