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Lehrerkollegium.
den wohlthätigsten Einfluß haben, und zwar vor allem dadurch, daß eine Menge Ver-anlassungen zu Vergehungen und «trafen Wegfällen. Unter einem tüchtigen undeinigen Lehrercollegium werden an die Schüler keine übertriebenen, unausführbarenForderungen gestellt; es wird sich daher bei ihnen viel seltener jene Verdrießlichkeitund Unlust zur Arbeit einstellen, die so häufig Veranlassung zu Strafen giebt. Fernerwird die ganze Behandlung der Schüler nach übereinstimmenden Grundsätzen der Artsein, daß sie nicht die schlimmen, sondern die guten Eigenschaften anregt. VielerleiFehler von Seiten der Lehrer sind unter befreundeten College», die gewohnt sind, überihren Beruf in allen seinen Beziehungen mit einander zu sprechen und in wohlwollen-dem Interesse sich gegenseitig zu rathcn und zu warnen, wenigstens in die Länge fastunmöglich. Rechnen wir noch die sittliche Wirkung hinzu, welche der ganze Geist derSchule auf ihre Zöglinge äußern muß, namentlich die guten Angewöhnungen, die siesich aneigncn, die Liebe zur Anstalt und die Freude am Lernen, die ihnen cingeflößtwird, die achtunggebietende Würde, in welcher ihnen das Lehrercollcgium erscheint, sowird man wohl behaupten dürfen, daß die Straffällc bedeutend vermindert werdenmüßen. Ganz fehlen werden sic freilich nichs. Der einheitliche Geist unter denLehrern wird sich in dieser Beziehung zunächst darin äußern, daß sie sich über dasverständigen, was wirkliche Fehler sind. Diese werden gemeinsam in allen Classcnmit Nachdruck und Strenge bekämpft, während bloße Unarten milder behandelt wer-den.*) Dadurch erhält auch das sittliche Gefühl und Bewußtsein des Schülers festeAnhaltspuncte.
Aber die Einigkeit eines Collegiums macht sich nicht von selbst. Vor allem istcs die Aufgabe und Pflicht des Directors (in einfacheren Verhältnissen des Ortsschul-inspectors, beziehungsweise des Oberlehrers), darauf hinzuwirken, «oll er aber Einig-keit stiften, so muß er zuerst mit sich selbst einig sein; er muß vor allem einGesammtbild von dem «chulorganismus in seiner vollständigsten Entwicklung undtiefsten Begründung in sich tragen. Ist er dann sonst der rechte Mann, so wird ergewiß bald den natürlichen Mittelpunkt des Lehrerpersonals bilden und ohne weitereVeranstaltungen einen bestimmenden Einfluß auf dasselbe ausübcu. Aber damit istdie Sache noch nicht abgethan. Die Hauptsache ist, daß aus die Ueberzeugung undden Willen der Lehrer gewirkt wird, denn daraus entspringen die zündenden Funken,die auch in andern Ueberzeugungen und Willensbestimmungen Hervorbringen. EinHauptmittel für diesen Zweck find die Confercnzen, die in dem Artikel Lehrerconferenzendes Nähern besprochen werden. Wir erlauben uns, mit einigen Bemerkungen voraus-zugreifen. Im Fall, daß ein Collegium ganz oder großentheils neu zusammengesetztist, oder ein neuer Vorstand au die Spitze tritt, ist es durchaus nöthig, daß die Haupt-gegenstände der Didaktik und Disciplin, oder wenigstens diejenigen, über welche eineEinigkeit der Ansichten nicht vorhanden ist, collegialisch durchgcsprochen werden; dieskann entweder nach einem bedeutenden pädagogischen Werk geschehen, oder nach einervom Dircetor festgesetzten Ordnung auf Grund eigener oder von College» ausgearbeiteterVorträge. Nothwendig ist cs dabei, daß jeder der Betheiligten sich frei und offen,ohne allen Rückhalt ausspreche, selbst wenn es gegen die Ansichten des Directorsgeschieht; denn in diesem Fall ist er wie ein anderer Mann, und die Wahrheit stehtüber seiner Amtsauctorität. Durch diese Berathuugen wird sich allmählich ein Grund-stock gemeinsamer Grundbegriffe, Grundsätze und Regeln bilden, es werden Ansichtendes Collegiums entstehen, die, wenn sie auch noch nicht eine vollständige Einigkeitbilden, doch Bausteine zu derselben liefern.
Sind die Hauptgegenstände der Pädagogik gemeinschaftlich durchgearbcitet, sowird man noch lange nicht in Verlegenheit sein, Stoff für collcgialische Besprechungenzu finden, um einheitliche Anschauungen in dem Collegium zu erzeugen und zu er-
*s Ob und in welchen Fällen >es Tadel oder Strafe verdient, wenn sich ein Schüler beieiner häuslichen Aufgabe fremder Hülfe bedient hat, wie man das Einflüstern von Seiten derNachbarn zu behandeln habe, diese und eine Menge ähnlicher Fragen kommen in einem rechtenLehrerkollegium zur Besprechung und Entscheidung; solange sie in praxi verschieden beantwortetwerden, wird auch das Gewissen der Schüler irre geleitet.