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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Lehrerkollegium.

zwar möglichst vieles durch das Lehrerkollegium, aber nichts bloß durch dasselbe widerden Willen des Direktors geschieht.

Welches sind nun die Befugnisse, die demgemäß dem Lehrercollegium zustehensollen?

1) Festsetzung des Lehrplans, soweit diese der Anstalt selbst überlassenist; Vertheilung der Lehrgegenstände zwischen den verschiedenen Classen;Bestimmung der zu befolgenden Methode, soweit darüber bestimmt werdenkann; Festsetzung der Zahl und Beschaffenheit der Aufgaben, derArt ihrer Correctur, der Locationsweise u. dgl. Es versteht sich dabeivon selbst, daß das einmal Ungeordnete nicht mit jeder Aenderung der Majorität desLehrercollegiums wieder in Frage gestellt werden darf. Andererseits aber schützt gegendas geistlose, handwerksmäßige Festhalten am Hergebrachten, den Schlendrian, nichtsmehr als häufige Berathungen und Besprechungen von Fachgcnossen.

Hieher gehört auch die Wahl der Lehr- und Uebungsbücher, insoweit siedem Lehrercollegium selbst überlassen ist; im andern Fall die Berathung über dies-sallsige Anträge an die Schulbehörde. Wenn den für eine Anstalt zu wählenden Lehr-büchern die Zustimmung des Lehrercollegiums im voraus gesichert ist, so wird esnicht leicht dahin kommen, daß die eingeführten entweder nur im Verzeichnisse derLehrbücher aufgcführt oder von dem Lehrer nur dazu angewendet werden, um gegensie zu polcmisiren.

2) Schulgesetze und Disciplin. An der Handhabung der Disciplin imallgemeinen gebührt den: Lehrercollegium ein wesentlicher Antheil. Denn es gilt,gerade in sittlicher Hinsicht einen bestimmten Geist in der Anstalt zu pflegen, wasnur durch Zusammenwirken aller oder wenigstens der meisten Lehrer mit dem Vor-steher geschehen kann. Die Frage, wie der sittliche Zustand der Schüler zu fördernsei, muß deshalb Gegenstand der Berathung aller Lehrer sein, und alle wichtigeren(eigentlichen) Disciplinarsatzungen haben von dem Lehrercollegium auszugehen.

Auch bei größeren Schulstrafen möchte es zweckmäßig sein, die Entscheidung nichtbloß in die Hand des Dircctors zu legen, sondern von dem Urtheilsspruch des Lehrer-collegiums abhängig zu machen. An die Stelle des letztem tritt bei der Volksschulein solchen Fällen die Ortsschulbehörde.

3) Die Entscheidung über Zeugnisse (Ccnsuren), Rangordnung (Location)und Preise, wo solche bestehen, Bewilligung von Freistellen, Zuerkennung vonStipendien (wo nicht die Stiftungsurkunden es anders bestimmt haben); endlichüber Anschaffung von Lehrmitteln (Bücher, Zeitschriften, Karten rc.). Auf-nahme und Promotion (Versetzung) bewirkt wohl billig durchgehends der Direk-tor (Ortsschulinspector) im Benehmen mit den zunächst beteiligten Klassenlehrern.Ebenso wird für die Zeugnisse regelmäßig das Urthcil des betreffenden Lehrers maß-gebend sein. Uebcr die Entlassungsfähigkeit aus der Volksschule erkennt in denmeisten Ländern die Ortsschulbchörde.

Lehrerkollegium. Einheit des Geistes. In jeder Schule ist eine so großeSumme von Kräften, eine solche Vielheit von Willensrichtungen vorhanden, daß eineeinheitliche Organisation zu den allerersten und dringendsten Bedürfnissen gehört. Einesolche findet sich denn auch mehr oder weniger in allen Schulen. Aber sie wird natür-lich ohne 'entsprechenden Erfolg bleiben, wenn sie von den Lehrern gar nicht, oder nurteilweise eingehalten wird, oder auch wenn sie selbst die Lehrer nicht genug beachtet,sie nicht gehörig in Mitleidenschaft oder vielmehr in'Mitthätigkeit zieht. Das Ge-deihen einer Schule hängt daher nicht bloß von ihrer wenn auch noch so vortrefflichenOrganisation ab. Ebensowenig beruht es allein auf der Tüchtigkeit der einzelnenLehrer: denn an sich ausgezeichnete Kräfte-schwächen sich doch gegenseitig durch denMangel an Uebereinstimmung, wenn sie sich nicht geradezu aufhebcn; jedenfalls brin-gen sie nicht die Gesammtwirkung hervor, die sich von ihnen erwarten ließe, währendgeringere Kräfte durch wohlgeordnetes harmonisches Jneinanderwirken sich gegenseitigunterstützen und ein immerhin anerkennenswertes Resultat liefern können. Es hängtdas Wohl einer Schule vielmehr wesentlich davon ab, daß ihr Organismus in daslebendige Bewußtsein, in die feste Uebcrzeugung und das energische Wollen der Lehrer