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1 (1877) A - Liebe
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Lehren und Lernen.

Lehrer.

des Uebcns in den verschiedenen Lehrfächern, das der Religion ansgcnommen, anch nochdurch die verschiedene Bestimmung der Schüler entweder zur wissenschaftlichen oderzur gewerblichen Thätigkeit, also durch die verschiedene Art des Gebrauches, den dieSchüler von dem Gelernten machen werden, mvdisicirt. In der einen Schule wirdmehr unterrichtet als gelehrt, in der andern mehr gelehrt als unterrichtet werden. Aberbei dem allem bildet unsere Verpflichtung, durch den Unterricht zu erziehen, sozusagenden äußersten methodologischen Kreis, der alles Lehren umfaßt.

Wenn derjenige Lehrer in der rechten Weise mitthcilt und übt, welcher durchsein Mittheilcn und Uebcn die Schüler erziehen kann und will, so muß die Art seinesMittheilcns und Ucbens so beschaffen sein, daß durch dieselbe auf den Willen derSchüler eingcwirkt wird. Wie ist aber der Wille des Schülers beschaffen, auf welchender Lehrer einwirkcn soll? Und wie muß des Lehrers Wille beschaffen sein, um aufdes Schülers Willen einzuwirken? Denn einen Willen zuin Empfangen bringt derSchüler freilich in seine Schule mit, vielleicht auch den Trieb, durch das Lernen Ehrezu erlangen. Aber es giebt keinen Gegenstand des Unterrichts, welcher durch den ihmeigenthümlichcn Reiz die Jugend bewöge, immer wieder Anschauungen, die zu demselbengehören, empfangen zu wollen; und wenn auch eine gewisse Lust zur Erkenntnis derSache sich kundgebcn mag, so darf der Lehrer nicht darauf rechnen, daß der Schüleranch den Willen zur Verarbeitung der Anschauungen, zur Geistesarbeit, mitbringe,und in diesem Wollen, wenn es einmal in Bewegung gesetzt ist, beharre. Das Wollen,welches wir beim Schüler schon belebt und thätig vorfinden, ist ein Wollen des An-genehmen, des Unterhaltenden, einer wechselnden Beschäftigung der Einbildungskraft;das andere Wollen, das Verlangen nach dem Wahren, finden wir in der Seele des«chülcrs noch schlummernd, und auch, wenn es erweckt ist, durch jenes erste natür-lichere Wollen niedergehaltcn und am vollen Erwachen gehindert. Wenn ich durchmein Lehren erziehen soll, so wird cs meine Aufgabe sein, das Wollen des Wahrenzu erwecken und wach zu erhalten, und jenes andere erste nicht sowohl zu unterdrücken,was ja nicht einmal möglich ist, als durch die Pflege der Wahrheit zu veredeln und' dem Wahrheitssinne dienstbar zu machen. Die Erziehung durch das Lehren besteht inder Neugestaltung des Willens der Schüler, welche der Lehrer durch die Art seinesLehrens hcrvorbringt. Es wird aber nur derjenige Lehrer die Neugestaltung desWillens durch sein Lehren bei den Schülern bewirken, in dessen Wollen jene Neuge-staltung schon vor sich gegangen, oder vielmehr im Vorsichgchcn immer begriffen ist.Was sonst von Seiten des Lehrers das Lernen ermöglicht und fördert, Einsichten,Kenntnisse, Kunst des Vortrags, gewinnende Persönlichkeit, das hilft auch und zwarsehr viel zur Erziehung, wofern das Wollen des Lehrers ein wahres und sein Willeder Wahrheit zugewendct ist; aber ohne diese Beschaffenheit im Wollen des Lehrersbringen jene geistigen Besitzthümer und wünschenswerthen Eigenschaften keine Ver-änderung im Wollen des Schülers hervor. Es giebt keine Erziehung durch Unterrichtund ebendamit kein wirkliches Lernen ohne die Wahrheit des Wollens auf Seiten desLehrers. Je wahrer unser Wollen ist, desto entschiedener ist unser innerer Beruf zumLehramtc.

Lehrer. Mit diesem Ausdrucke wird die Vorstellung von einer Persönlichkeitin uns erregt, welche die Thätigkeit des Lehrens als Sache ihres Geschäftes oderBerufes ausübt. Wir haben es also an dieser Stelle mit den eine gelegentliche An-leitung oder Unterweisung Ertheilenden nicht zu thun, sondern nur mit denjenigen,welche ihre lehrende Kraft und Kunst in vollständiger Geschäfts- oder Berufsmäßigkeitau andern in Anwendung bringen.

Und zwar beabsichtigt, wer das Handbuch bei diesem Artikel befragt, nachunserem Dafürhalten nicht erst noch über die Einzclgeschäfte im Lchrerstande Auskunftzu erhalten das wäre in jederSchulkunde" zu suchen am Orte sondern ersucht ein Gesammtbild und einen Gesammteindruck vom Lehrer zu gewinnen. Es giltdarum auch nicht eine Vorstellung zu machen vom Proceß, welchen der Lehrer ver-anlaßt, sondern von der Person, die in dem ihr eigcnthümlichen Proccsse thätig ist.

Sobald im menschlichen Gemcinleben irgend eine Seite der Bildung, welcher dieMenschen sich erfreuen, so Werth erachtet wird, daß man sie nicht bloß deutlich vonvoranfgcgangcnen Zuständen der Bildungslosigkeit unterscheidet, sondern auch zum