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Lateinische Sprache.
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nöthigt, in allen diesen Beziehungen die Muttersprache im allgemeinen und einzelnenmit der sremdcn zu vergleichen, die verwandten Begriffe und die Ausdrücke dafür inbeiden zu analysiren und durch solches Studium der Synonymik die wichtigsten Be-griffe genauer zu bestimmen. Wer so in geistiger Arbeit eine neue Sprache sich an-eignet, der erobert damit eine Provinz des Geistes. Wir beschränken uns zur Er-läuterung auf ein paar einfache Beispiele. Das Wort „edel" kann nobilis oder Iwnsstusheißen; wer es im gegebenen Fall richtig übersetzen will, muß die darin liegenden Merk-male analysiren; „Schönheit" heißt das einemal vsunstas, das anderem»! älFnitns;lernt nun der Schüler, daß das crstcre die weibliche, das zweite die männliche Schön-heit bedeutet, so ist ihm der Inhalt des Wortes selbst klarer geworden.
Etwas anderer Art, aber nicht minder bedeutend ist der Gewinn, der aus demUnterschied der antiker: und der modernen Sprache im Gebrauch der abstractcu undder concreten Ausdrücke sich ergiebt. „In intellectuellcr und sittlicher Beziehung höherstehen" kann übersetzt werden: pruckoutiorom et moliorom 6886; „Einsicht und be-scheidene Selbstschätzung stehen gewöhnlich in geradem Verhältnis" — ezuoguis 68t suxieu-tior, so inocksstior solet 6886. Ein Schüler, der sich beim Exponiren und Componircnin solchen Umwandlungen übt, oricutirt sich eben damit in den dem Gebildeten ge-läufiger: Begriffei: und in der: Ausdrucksformen, welche sie angenommen haben.
Der Gebrauch der uneigentlichen, tropischen Ausdrücke bietet ein weiteres Bildungs-momcnt dar. Es ist für jede Sprache ein Bedürfnis, die Bezeichnungen sinnlich war-nehmbarer Gegenstände auf Geistiges überzutragen; manche der dabei zugrundeliegendenVergleichungen liegen so nahe, daß sie in den meisten Sprachen die tropische Bezeich-nung unsinulicher Erscheinungen oder Vorgänge bestimmen; bei sehr vielen aber weichensie bedeutend vor: einander ab. Da ist es denn vor: Werth, die Ucbcreinstimmung unddie Abweichung der antiken und der modernen Sprache zu beachten und diese Unter-scheidung in der Praxis in Anwendung zu bringen, und der Schüler lernt dadurchUnterschiede in der Anschauung der betreffenden Völker beobachten, welche sehr belehrendfür ihn sein können, welche ihn: aber auch bei der Uebersctzung lateinischer Texte ingutes Deutsch wesentlich zu statten kommen und ihn davor behüten, daß er nicht beimExponiren sich an das bloße Tasten und Rathen gewiesen fühlt. Weiß er solche Dingeauch in: Componircn anzuwenden, dann erst weiß er sie sicher: die Synthese ist dieRechcuprobe für die Analyse.
In dem Bisherigen sind im wesentlichen schon die nothwendigcn Fingerzeige dar-über enthalten, in welcher Weise und mit welcher Tendenz die Hebungen im Uebersctzcnaus dem Lateinischen und in das Lateinische zu leiten sind. Sie müßcu mehr undmehr die Abweichungen der beiden Sprachen zur Anschauung bringen; sie dürfen sichnicht darauf beschränken, genau wörtlich zu sein, sondern gerade darauf berechnet wer-den, das eigenthümlich Deutsche ins Bewußtsein zu rufen. An entsprechenden Uebungs-büchern ist kein Mangel; in Württemberg sind die Bücher von Holzer verbreitet,anderswo andere. Eine vortreffliche Anleitung giebt das Buch von Berger: StilistischeVorübungen der lateinischen Sprache für mittlere Gymnasialclassen, 1866. Besonderszweckmäßig sind freilich diejenigen Uebungsaufgabcn, welche der Lehrer mit Benützungdes im Lateinischen Gelesenen selbst entwirft, weil er dabei die Bedürfnisse seinerSchüler und den jeweiligen Stand ihrer Kenntnisse, sowie die AuffassungS- und Leistungs-fähigkeit derselben am besten berücksichtigen kann. Andererseits aber könnten die Auf-gaben, wenn sic nur vom Lehrer entworfen werden, leicht in sachlicher oder sprachlicherBeziehung einförmig werden. Sie sollen den: Stoffe nach belehrend sein, mannigfaltig,bedeutend und der Anstrengung wcrth, der Sprache nach nicht so schwer, daß die Schülerüberfordcrt, aber auch nicht so leicht, daß sie nicht zur Arbeit genöthigt und dadurchemporgezogcn würden; zu leichte oder auch zu kurze Arbeiten findet der Schüler derMühe, die er doch auf sie verwenden muß, nicht wcrth und widmet ihnen gewöhnlichweit weniger Fleiß als den schwierigeren. Unerläßlich ist sodann, daß er selbst die ge-gebenen Aufgaben in gutes Latein zu übertragen fähig sei; der Anfänger im Lehramtsoll die altern vereio immer selbst machen, wenn er sie auch nachher nach der Arbeiteines Meisters verbessert; nur dann kann er die Schüler mit guten: Gewissen undsicheren: Erfolge zu eifrigen: Bemühen auffordern. Glaubt er in späteren Jahren etwaim Drange der Geschäfte von dieser Regel abweichen zu dürfen, so soll er sich wenigstens