Katechismus.
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in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Ihr Charakter ist die erbauliche Behandlungder Katechismuslehre, die Tendenz, das Bekenntnis der Kirche in das persönlicheGlaubenslcben des Volks einzuführen, ein Streben, welches der Richtung ganz ent-sprach, die in der Theologie besonders durch Phil. Jac. Spener (ff 1705) ver-treten wurde, und dessen praktisches Ziel es war, der durch den dreißigjährigen Kriegeingerisseneu Verwilderung zu steuern. Die Form der Katechismusbildung dieser Zeitist beeinflußt, theils durch die Einführung oder Erneuerung der Confirmation und derKatechismusexamina, theils durch die fortschreitende Methodik des Schulwesens. DasHauptwerk der ganzen Zeit ist Speners in seiner Art unübertroffener K., der zuerstzu Frankfurt 1677 unter dein Titel „einfältige Erklärung der christl. Lehr nach derOrdnung des kl. Ontsellismi des theuern Mannes Gottes Imtlleri in Fragen undAntworten verfasset und mit nöthigen Zeugnissen der Schrift bewähret" herauskam.Er soll bekanntlich eine Antwort sein auf die Frage, wie man den Kopf in das Herzbringe. — Die dritte Periode, von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in daszweite Decennium des 19. Jahrhunderts, umfaßt die Zeit des Aufkommens und derHerrschaft des Rationalismus in der Theologie, des Philanthropinismus, der sogen,naturgemäßen Erziehung und des rationellen Unterrichts auf dem Gebiete der Päda-gogik. Rücksichtlich des Religionsunterrichts ist für sie charakteristisch die Behandlungdes kirchlichen Lehrbegriffs zuerst nach der demonstrativen analysirenden Methode derWolf'schen Schule, sodann vom Staudpuncte des gesunden Menschenverstandes und nachden Grundsätzen der „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft," unterAnwendung der Regeln einer ausgebildcten Katechisirkunst. Anfangs begnügte mansich noch mit der formellen Behandlung des überlieferten Stoffs, ohne den Inhaltwesentlich zu alterircn; bald aber verarbeitete man die modernen Ansichten in denlutherischen Text hinein (z. B. im Weimar'schen K. von 1800), oder man ließ imGefühle des iunern Widerspruchs den Text mehr oder weniger bei Seite liegen. —Mit der allgemeinen Erneuerung des kirchlichen Lebens nach den Befreiungs-kriegen, besonders seit 1817, und als unmittelbarer Ausfluß einer tiefem Auffassungdes Christenthums, eines gründlichem Verständnisses des Reformationswerks und derBedeutung Luthers hat eine vierte Periode in der Geschichte des K. begonnen.Ihr Grundzug ist die Erneuerung des kirchlichen Typus, der Anschluß an Luthers K.und die Rückführung desselben in die Schule und das Haus.*) Man strebt seinernach allen Seiten gewiß zu werden, forscht nach seiner Literaturgeschichte, sucht nachseiner Urgestalt, bemüht sich, den ihm zu Grunde liegenden Plan aufzufinden, und denSinn aus Luthers eigner religiöser Anschauung zu erkennen. In allen Bearbeitungenfür den praktischen Gebrauch läßt sich die Rückkehr zur Schriftlehre und zum kirch-lichen Bekenntnis und eine sorgfältige Wahrung der alten Formen warnehmen. Vieltüchtiges ist im einzelnen geleistet worden, aber noch fehlt im allgemeinen der sichereTakt in der Behandlung, die correcte Darstellung des Lehrbegriffs, die plastischeSprache, kurz das, was nur das Erzeugnis eines vollen kirchlichen Gemeindelebenssein kann, woran gerade unsere Zeit großen Mangel hat. Die Praxis hat sich jetzt
vorwiegend der durchgreifenden Bearbeitung des lutherischen kl. K. zugcwendet, und
dabei zunächst die Erschließung und Ergänzung seines Inhalts und die Begründungdieses aus der Schrift, sodann aber auch die Anleitung für den Gang der Besprechung,die Erleichterung der Repetition und Einübung ins Auge gefaßt, lieber den Ge-brauch des K. im allgemeinen hat Luther selbst die trefflichste Anweisung in seinemTractat von der deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstes gegeben. „Der K.soll auf der Kanzel vorgepredigt und daheim in den Häusern des Morgens und Abendsden Kindern und Gesinde vorgesagt und vorgelesen werden, nicht allein also, daß siedie Worte auswendig lernen, Nachreden, — sondern daß man sie von Stück zu Stück
frage und antworten lasse, was ein jegliches bedeute und wie sie es verstehen. Kann
*) Dafür haben sich unter andern ausgesprochen Ackermann, Harnisch, Kniewel,Kalcher, Löhe.
PLdag. Handbuch, i.
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