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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Jügcndlectnre, Jugendliteratur.

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Schrift finden wir, die ausdrücklich das, freilich gereifte, Jngcndaltcr im Auge gehabt;» haben scheint: des Thcognis Paräucseu, die an einen ihm thcnern Jünglinggerichtet sind. Tie Ae) op'schcn Fabeln dienten wohl als Schulbuch, aber schwerlichzu einer freien Lcctürc der Jugend. Die Cyropädie aber scheint der griechischenJugend überhaupt ziemlich fremd geblieben zu sein, was sich aus der aristokratisch-monarchischen Tendenz der Schrift und ihrem fremdländischen (indischen) Ursprung er-klären lässt. Ueberdies scheint die Geschichte, wenigstens bis auf Aristoteles, fürdie Jugcndbildung fast unbeachtet geblieben zu sein.

Die Theilnahme der Jugend an der Lcctürc des Volkes blieb indes nicht unver-kürzt und unbestritten. Schon in Sparta hatte der Pädonomos zu bestimmen, welcheReden und Fabeln die Knaben Horen sollten, und bei den Ioniern wollten (schon vorSokrates) manche Lehrer den Homer und andere Dichter nicht unbeschränkt lesen lassen.Aber als mit der Verfeinerung der Civilisation und der zunehmenden Sittcnvcrderbnisauch in der Jugend der kindliche Sinn mehr und mehr verloren gicng, dachte man aneine umfassendere Censur, und Plato gab eingehende Vorschriften über Auswahl derKindcrunterhaltung und Jugcndlectürc. selbst den Homer so wie den Hesiod stelltPlato unter Censur, weil sie so viele obscönc und naturwidrige Tinge erzählten. Plato'sTheorie hinderte übrigens nicht, daß Aristoteles zwar die Ammenmärchen unterdie Censur des Pädonomen stellte, den Homer aber wenigstens seinem königlichen Zög-ling unbedenklich in die Hände gab.

4) Das römische Volk besaß keinen Homer. Seine Geschichte war seine Poesieund eine Lehrerin der Jugend. Cato pflegte seinem kleinen Marcus, die Mutter derGracchen ihren Söhnen von des Volkes alten Helden- und Bürgertugenden zu erzählen.(Ast die steigende Cultur verschaffte auch den Dichtern Eingang. Homer undPirgil (in der Kaiserzeit das Lieblingsbuch des Volkes) wurden Schulbücher, undletzteres las die Jugend gewiß auch aus freier Liebe. Mit dem Verfall der altenRömcrtugend schwand indes auch bei der römischen Jugend der harmlose Sinn, deraus den Blüten der Dichtung nur den Honigseim sangt. Qninctilian fand einestrenge Auswahl und weise Beschränkung der Lectüre nöthig, besonders bei den Tragikernund bei Horaz. Er und Lu ei an verlangten die Rückkehr zur Lectüre der Geschichte,und Plinius mahnte insbesondere, daß nicht vielerlei, sondern viel gelesenwerden müße. Auch von Cicero, Seneca und ganz besonders von Plutarchwurde die Lectüre der Jugend als eine Angelegenheit der Nationalwohlsahrt mit sitt-lichem Ernste und mit Einsicht berathcn.

V. Die christliche Zeit vor Eintritt der modernen Jugend-literatur.*)

1) Die Kirche lehrte das Kind lesen und gab ihm seine Lectüre, zunächst dasVaterunser, den Glauben und wohl auch die Bibel und andere heilige Schriften, welcheKnaben (als Lectorcn) in den Klöstern vorznlesen hatten. Indes bald begann dieKirche, den Ernst ihrer Lehre auch mit poetischer Anmurh zu umkleiden. Tie Legendewurde der Mittelpunct der poetischen Literatur und Unterhaltung, drang in die Massedes Volkes und leinen lebendigen Gesang ein und musste auch den Kindern lieb undgeläufig werden. Aus dieser heiligen Poesie setzten sich denn auch eigentliche Kinder-bücher ab, die, wie Conrads von Dangolsheim Rcimkalender (1435),gleichsamschon zu Weihnachtsgabcn bestimmt, aus eine leicht einprägliche Weise die Jugend mitden Heiligen des Jabrs und mit den an ihre Tage geknüpften Wetterregeln bekanntmachen sollten." Daß aber die Kirche auch nach einem tiefer angelegten Plane fürdie Jugend zu schreiben wußte, beweist die Schriftder Sele Trost", die wahr-scheinlich schon vor 1407 entstand (vcrgl. I. Geffken, der Bildcrkatcchismus desXV. Jahrh. I.). Der Stoff dieser Schrift, die als ein Exempclbnch zu den 10 Ge-boten erscheint, ist nicht allein aus Legenden, sondern auch aus dem Alten Testamentund andern gehaltvollen und zum Theft uralten Quellen entnommen und so unverwüst-

*l Quellen: Cramer, Gesch. der Erziehung in den Niederlanden. Gervinus,Literaturgeschichte. Grüße, Literaturgeschichte. GLdeke, Grundriß zur Geschichte derdeutschen Dichtung (1859). Kühner, Jugendlectüre der Vorzeit.