Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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651
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Jesuiten, Jesuitenschulen.

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Pasquier vertreten wurden, den Genuß akademischer Privilegien. Günstigere Aufnahmeals in der Hauptstadt hatte der Orden in der Provinz gefunden, besonders in Lyon.Von hier verbreiteten sie sich über ganz Frankreich. Neue Kämpfe von Seiten derUniversität und des Parlaments folgten unter Heinrich IV.: Anton Arnauld verlangtemit feuriger Beredsamkeit ihre Ausrottung aus dem ganzen Reiche. Als JohannCHLtel sein Attentat auf das Leben Heinrichs IV. machte, verbannte das Parlament1595 die Priester und Schüler des eoUe§ö äs Llermont als Verführer der Jugendund Feinde des Staats. Aus Politik hob Heinrich IV. selbst, weil er die Jesuitenlieber zu Freunden als Feinden haben wollte, 1603 das Verbannungsdecret wieder aufund 1618 erhielten sie trotz der fortdauernden Rcclamationen der Universität durchköniglichen Befehl neue Concessionen, bis endlich die Gunst Ludwigs XIV. jede weitereEinrede verstummen machte und dem Orden zur Erreichung des längst angcstrcbtenZiels vcrhalf. Unter all diesen Anfechtungen hatte der Orden die Zahl seiner Anstaltenin allen Thcilen Frankreichs fortwährend vermehrt; durch die anziehende gefällige Weiseihres Unterrichts, durch ihre Accommodation an die Sitten und Gewohnheiten der Welthatten sich die Jesuiten die Gunst aller Elasten zu verschaffen gewußt und besonderswidmeten sie sich in ihren Seminaricn der Erziehung der Geistlichkeit.

Als eine ursprünglich bloß französische, später auch weiter sich ausbrcitcnde Affi-liation des Jesuitenordens ist zu betrachte» die 1724 durch den VIzys clo la.8ullogestiftete Kongregation der christlichen Schuld rüder (s. d. Art. Schul-brüder).

Aber nicht bloß in den von Anfang an überwiegend katholisch verbliebenen Völker-schaften suchten die Jesuiten ihre Herrschaft zu begründen. Fast größer noch und raffi-nirter waren ihre Anstrengungen, die Territorien, wo die Reformation ganz oder dochgrößtentheils durchgedrungcn war, zur Unterwerfung unter die päpstliche Auctoritätzurückzuführen.

Zuerst suchte man aus der Ferne auf diese Gebiete einznwirkcn: das Hauptmitteldazu war die Errichtung von National-Collegien, Erziehungsanstalten, die sichzur Aufgabe machten, Jünglinge ans den betreffenden Nationen in jesuitischem Geistheranzubilden, und sic dann als Missionare in ihre Heimat zu senden. Die erste der-artige Anstalt war das schon genannte Deutsche Collegium in Rom, ein klösterlichesErziehnngsinstitut für junge Deutsche. (S. Mcjer, die Propaganda, Th. I. S- 73 ff.und dcrs. in Herzogs Realcnc. II. S. 780 ff.)

Bald aber begann der Orden seine Niederlassungen auf deutschem Boden selbstzu gründen: zuerst war es in Wien, wo König Ferdinand die Gründung eines Col-legiums gestattete (1551); bald erlangten sie überwiegenden Einfluß auf die Universitätund bekamen seit 1624 dieselbe völlig in ihre Hand. Stauncnswcrth war die Schnel-ligkeit, womit der Orden sich weiter in Deutschland verbreitete, d. h. zunächst in Süd-und Mitteldeutschland. Freilich waren es anfangs meistwelsche Väter", welche ihnauf deutschem Boden vertraten. Bald aber gewann er auch deutsche Kräfte, so beson-ders den für die Ausbildung der jesuitischen Pädagogik unermüdlich thätigcn PeterEanisius (geb. 1524 zu Nimwegen, Verfasser des bekannten jesuitischen Katechismus,1597 in Freiburg). Nasch folgte die Gründung von Lehranstalten der Jesuiten inKöln 1556, in Ingolstadt 1556, in Prag 1556, in München 1559, inDillingcn 1563. Weitere Kollegien erhielten Jnsbruck, Olmüz, Brünn,Trier, Mainz, Speicr, Aschaffenburg, Braunsberg, Heiligenstadt,Paderborn, Münster, Würz bürg, Fulda u. s. w. Unermeßlich war dieReaction, welche der Orden gerade in Deutschland bewirkte, anfangs durch die fried-lichen Mittel der Ueberredung, durch Predigt und Jugendunterricht , durch seine mitWittenberg rc. concurrircnden und polcmisircndcn Universitäten, wie durch seine denGymnasien entsprechenden niederen Lehranstalten. Bald aber, nachdem diewelschenVäter" durch das allmählich, aber um so sicherer wirkende Mittel der Erziehung unddes Unterrichts die katholisch-kirchliche Gesinnung wieder in die Herzen der Jugendund durch diese in den Schoß der Familien cingepflanzt hatten, ergab sich auch Zeitund Gelegenheit, zu der- rascher wirkenden Maßregeln gewaltsamer Gegenreformationüberzugehen. Das ganze Werk der Gegenreformation im 16. und 17. Jahrhundert,